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AUA-Verkauf: Da waren's nur noch vier

11.09.2008 | 18:21 |  HEDI SCHNEID (Die Presse)

Die ÖIAG erhält am Freitag für die AUA vier unverbindliche Angebote – von Lufthansa, Air France/KLM, British Airways und der sibirischen S7. Auf der Shortlist dürften dann maximal drei Fluglinien stehen.

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Wien. „Die Großen und Starken sind dabei“, sagte AUA-Chef Alfred Ötsch beim Luftfahrtkongress am Mittwoch, als er nach den Interessenten für die AUA gefragt wurde. Ötsch hat es bereits gewusst – oder richtig getippt: Wenn heute, Freitag, die Frist für die Abgabe der unverbindlichen Angebote abläuft, wird die ÖIAG und die Investmentbank Merrill Lynch vier Kuverts auf dem Tisch finden: Von den Großen Drei in der europäischen Luftfahrt (Lufthansa, Air France/KLM und British Airways) sowie dem Herausforderer aus Sibirien: S7. Die größte Binnenfluglinie Russlands, setzt alles daran, die AUA als Tor in den Westen zu gewinnen.

Damit ist die Liste der Bewerber komplett, denn Turkish Airlines und Air China sind aus dem Rennen. Die Türken haben offiziell bestätigt, dass sie die erste Frist für die Interessensbekundung versäumt haben. Die Chinesen wiederum ziehen sich zurück, weil sie Probleme haben, den straffen Zeitplan einzuhalten, erfuhr die „Presse“.

 

Neuer Privatisierungsauftrag?

Schon nächste Woche beginnt die intensive wirtschaftliche Prüfung („Due Dilligence“) der AUA. Verbindliche Angebote, in denen erstmals der Preis stehen muss, sind bis 21. Oktober fällig. Bis 28. Oktober soll der Deal über die Bühne gehen, da läuft die Legislaturperiode aus. Eine Hintertür hat sich die ÖIAG bereits geöffnet: Sie hat sich die Zusage der Spitzenkandidaten von SPÖ und ÖVP, Werner Faymann und Wilhelm Molterer, für einen neuen Privatisierungsauftrag geholt, sollten sich die Verhandlungen mit dem Bestbieter verzögern.

Der Privatisierungsausschuss der ÖIAG mit Magna-Boss Siegfried Wolf an der Spitze wird am Montag die Angebote, die auch ein mittelfristiges Konzept für die AUA enthalten müssen, abklopfen und eine „Shortlist“ erstellen. Darauf dürften maximal drei Namen stehen. Wolf wolle sich von der Favoritenrolle der Lufthansa nicht beeinflussen lassen, wird in ÖIAG-Kreisen kolportiert. Die Expertenrunde wird sich nicht nur die Frage stellen, welcher Partner der AUA am meisten bringt – die größten Wachstumschancen und Synergieeffekte. Ebenso bestimmend im Privatisierungsprozess ist die Frage, wer die AUA braucht.
Die Lufthansa braucht die AUA nicht. Sie hat mit Frankfurt, München und Zürich (über die Tochter Swiss) drei Drehkreuze in Europa. Die Deutschen haben ein globales Streckennetz und sind auch in der AUA-Domäne Osteuropa gut vertreten – auch wenn das Netz der AUA dichter ist.

Die große Überschneidung der Strecken in Europa kann ein Nachteil für die AUA werden, weil sie im Fall eines Kaufs durch die Deutschen möglicherweise Strecken verlieren würde. Andererseits „füttert“ die Lufthansa die AUA mit Passagieren, die in den Osten fliegen. Ein weiterer Vorteil – abgesehen von der ähnlichen Kultur: Im Deutschlandverkehr sind Lufthansa und AUA über ein Joint Venture eng verbunden.

Davon profitiert die AUA, denn die Gewinne werden geteilt. Sollte die AUA an einen Konkurrenten der Lufthansa – etwa Air France oder British Airways – gehen, würde diese Kooperation platzen und die Deutschen würden den Wettbewerb verschärfen. Das könnte der AUA letztlich mehr schaden als der neue Eigentümer Nutzen bringt.
•Für Air France/KLM ist der „Focus East“ der AUA sehr attraktiv. Die Franzosen haben zwar mit der CSA und der Aeroflot zwei Partner im SkyTeam, die AUA ist aber besser aufgestellt und sie verfügt über die Flugverbindungen in den Westen, um Passagiere ins Air France/KLM-Netz zu liefern.
British Airways (BA) ist in Ost- und Südosteuropa ebenfalls kaum vertreten. Für sie wäre die AUA daher ein willkommener Lückenfüller in dieser Region. Die AUA würde, wie bei Air France/KLM, vom dichten Langstreckennetz der Briten nach Nordamerika und Asien profitieren. Wien wäre für Air France/KLM und BA ein ideales Drehkreuz in Zentraleuropa.

Negativ schlägt bei beiden Fluglinien der notwendige Allianzwechsel zu Buche. Die AUA gehört wie die Lufthansa zur Star Alliance, Air France/KLM dominiert das SkyTeam, British Airways OneWorld. Die Kosten für einen Allianzwechsel werden mit rund 100 Mio. Euro beziffert.
S7 braucht die AUA, weil sie in Westeuropa weder ein Drehkreuz hat noch Flüge anbietet. Die AUA würde all das bringen – und vielleicht auch den Beitritt zur Star Alliance. S7 möchte der AUA den riesigen russischen Markt öffnen – zumal der aktuelle russische Partner Air Union in den finanziellen Crash steuert. S7 will dem Vernehmen nach viel Geld springen lassen. Die größte Hürde: Die AUA würde im Fall einer Mehrheitsübernahme durch S7 wohl ihre EU-Lizenz verlieren. Derzeit muss mindestens die Hälfte der Aktien in „österreichischer Hand“ sein, um die Flugrechte zu sichern.

 

Lufthansa unter Zugzwang

Im AUA-Poker spielt auch das internationale Umfeld eine Rolle. Zum Verkauf stehen auch Alitalia und Iberia, bei der der Einstieg von British Airways als fix gilt. Sollten die Franzosen bei der Alitalia als Retter einspringen, käme die Lufthansa unter Druck und müsste sich die AUA schnappen, heißt es.

KNAPPE TERMINE

Heute, Freitag, erhält die ÖIAG vier unverbindliche Angebote für die AUA von Lufthansa, Air France/KLM, British Airways und S7.

Am Montag tagt der Privatisierungsausschuss. Dann beginnen – höchstwahrscheinlich – drei Bieter auf der Shortlist die wirtschaftliche Prüfung der AUA.

Bis 21. Oktober sind verbindliche Angebote fällig.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.09.2008)

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26 Kommentare
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Gast: Martin S
13.09.2008 19:01
0 0

Ich weiss nicht ob die Russen die bessere Wahl wären

denn dann wäre doch Folgendes:
Die AUA verliert ihre Fluglizenz.
Die LH wird sicher keine Flüge nach Wien durchführen, warum auch, München ist doch nah.
Die S7 mag zwar ein paar Russen bringen, ob die allerdings die Verluste durch das Nicht-Fliegen der AUA und den Wegfall der LH kompensieren können, wage ich zu bezweifeln.

Antworten Gast: Berga
16.09.2008 11:47
0 0

Wenn die LH die AUA kauft - gibts nur noch Flüge nach München.

Blöd wäre die Hansa, wenn sie die AUA in vollem Umfang weiterleben lässt. Alles zusperren bis auf Zubringerflüge nach Deutschland und aus. So hat es ja auch kürzlich ein LH-Manager bestätigt.

Gast: ps
13.09.2008 17:00
0 0

Interessant..

bis letzte Woche war die LH einfach nur Favorit (warum eigentlich?), jetzt schon "hoher" Favorit. Ab nächster Woche vermutlich bereits "einzig ernst zu nehmender Bieter".
Steckt da System dahinter?

Antworten Gast: mark
14.09.2008 20:50
0 0

Re: Interessant..

„Die Ausschreibungsunterlagen der Investmentbank Merrill Lynch waren ganz klar auf die Lufthansa zugeschnitzt“, so ein Beamter aus dem Infrastrukturministerium.

Gast: Unglaublich ...
13.09.2008 12:27
0 0

wie rührig und umtriebig ...

... diese Oligarchen sind! Und wie schnell sie Netzwerke in allen politischen Parteien und in der Wirtschaft haben!

Gast: youwillsee
12.09.2008 20:23
0 0

Jede andere Koop als mit der LH wird in die Hose gehen.

Das ist meine Prophezeiung.

panda82
13.09.2008 14:40
0 0

Re: Jede andere Koop als mit der LH wird in die Hose gehen.

Du bist ein Untertan der Deutschen...

Eine andere Meinung waere für dich falsch...

Antworten Antworten Gast: Arier
14.09.2008 00:22
0 0

Re: Re: Jede andere Koop als mit der LH wird in die Hose gehen.

und Du bist ein Türke. Na und?

Re: Jede andere Koop als mit der LH wird in die Hose gehen.

Aha, und weshalb? Stimmen die Gerüchte, dass LH auch an der SAS Interesse zeigt, kann man genauso meinen: Gute Nacht, AUA! Zwar nicht gleich, aber in mittlerer Zukunft. LH chat mir Frankfurt und München bereits zwei Hauptstandorte in knapper Nähe zueinander, Wien würde da nicht mehr gebraucht.

Gast: ralphi
12.09.2008 07:08
0 0

Teurer Wechsel

Die Kooperation mit der Lufthansa hat bisher sehr gut geklappt und beiden wirtschaftliche Vorteile gebracht. Bei einem Wechsel zu einer der beiden anderen Grossen sehe ich auch mehr Nachteile für die AUA. Allianzwechselkosten, direkte Konkurrenz mit LH in Osteuropa und Deutschlandflügen. Und worüber sich viele vielleicht noch nicht im klaren sind: etliche nicht rentable Langstrecken weden sicher in Wien verschwinden ( natürlich auch mit Lufthansa ) aber dann nach Heathrow oder Paris geschippert. Und jeder Geschäftsmann weiss was das bedeutet.
München zum umsteigen wäre mir lieber!!

hw
12.09.2008 14:57
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Re: Teurer Wechsel

wissen sie, als staatsbürger von A, sollte eigentlich alleinig interessant sein, dass die ÖIAG möglichst viel pro aktie bekommt, und auch nicht die schulden übernehmen muss.

unretable strecke sollten sowieso geschlossen werden, oder sollen diese steuer-/gläubigerfinanziert sein?

Antworten Gast: demis
12.09.2008 13:51
0 0

Re: Teurer Wechsel

ralphis kommentar entlarvt ihn als LH-Kampfposter! Schöne Grüße nach Frankfurt!

Antworten Antworten Gast: ralphi
12.09.2008 16:07
0 0

Re: Re: Teurer Wechsel

:)) lach
bin wiener.
und im übrigen ist die british airways / und iberia variante mein favorit !
trotzdem steig ich lieber in münchen als in heathrow um.
das ist ja nichts schlimmes.

Antworten Antworten Antworten Gast: mark
12.09.2008 17:43
0 0

Re: Re: Re: Teurer Wechsel

Ich steig am liebsten möglichst gar nicht um. Und sollte die LH die AUA übernehmen, kann man davon ausgehen, dass man bei vielen Flügen nach Osteuropa in München umsteigen muss. Bei BA hab ich die Befürchtung eher weniger. Und würden Sie nicht nur Dampf plaudern, sondern das Streckennetz der BA oder der AirFrance/KLM kennen, würden Sie das auch begreifen!

Antworten Gast: mark
12.09.2008 13:49
0 0

Re: Teurer Wechsel

Dieser Kommentar strotzt nur so von Unwissen.
Die Liniennetze von LH und AUA überschneiden sich derzeit. Das erste was LH nach einer Übernahme daher machen wird, ist viele dieser (oftmals kurz- und mittelstreckenverbindungen) von Wien aus zu streichen und nur mehr über München laufen zu lassen.
Im gegensatz dazu hat SkyTeam und Oneworld noch kein ausgeprägtes Ost-Netz und würde zusätzliche Passagier nach Wien bringen! Wien wäre mir ehrlich gesagt lieber als in München umsteigen zu müssen!!!

Antworten Antworten Gast: ralphi
12.09.2008 16:16
0 0

Re: Re: Teurer Wechsel

mhh...ihr wissen scheint aber auch bescheiden.
natürlich bringt das skyteam passagiere gen osten nach wien.....aber das kompensiert ( und da bin ich mir sicher !!) nicht die passagiere der star alliance . also nix gewinn.
und natürlich steig ich auch lieber in wien ein / um ...logisch. aber dass JEDE fluggesellschaft die bei der aua einsteigt ( also lh genauso wie ba oder airfrance/klm ) ihre dicken flieger auf ihren hubs vollkriegen will und natürlich auch bei minuszahlen wie der aua einige unrentable strecken eingestellt werden müssen, sagte ich lediglich dass ich lieber in münchen als in london oder paris umsteige ( wir wissen alle wie grauenhaft heathrow oder paris sind ). ich hab also hier nur einen wunsch geäussert.

hw
12.09.2008 01:43
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rechte

"..Derzeit muss mindestens die Hälfte der Aktien in „österreichischer Hand“ sein, um die Flugrechte zu sichern.."

dann verliert die AUA in wohl in jeden fall die flugrechte.
oder ist das personenbezogen?

Antworten Gast: Thalia
12.09.2008 09:49
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Re: rechte

Wo wie ich das verstanden habe, geht es hier um EU-Flugrechte, d.h. bei der anderen möglichen Kanditaten würden die Rechte nicht verloren gehen, da es ja EU-Fluglinien sind. Ich gebe aber keine Garantie ab, dass das stimmt.

hw
12.09.2008 15:20
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Re: Re: rechte

ja schon. es stand aber: „österreichischer Hand“ nicht EU, und der LH-chef ist "zufällig" österreicher! ;-)

grinch
11.09.2008 21:39
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Wie wäre es

mit einem Einstieg der Russen,
die Österreich als ihre drehscheibe nutzen können,
ohne gleich die Airline komplet zu verkaufen,
dann könnte man die euröpäische Lizenz behalten,...
Der Ölpreis ist auch gefallen,
was für Entlastung sorgen sollte,
da was ich so gelesen habe,
die Aua mit zwischen $115-120 Dollar/Barrel gerechnet hat,
jetzt steht Öl bei $100 sollte sich positiv auf deren Bilanz auswirken,...
War nur so eine Idee. :D

hw
12.09.2008 01:47
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Re: Wie wäre es

"..mit einem Einstieg der Russen,
die Österreich als ihre drehscheibe nutzen können,.."
und kassier spielt die aua, oder wie ist das gemeint?

"..ohne gleich die Airline komplet zu verkaufen,.."
dass können sowieso nur die aktionäre, die OIAG kann nur das verkaufen was sie hat.

grinch
12.09.2008 17:49
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Re: Re: Wie wäre es

Ja genau, da hätten alle etwas davon
und Österreich hätte noch eine richtige Fluglinie.
Falls es sich finanziell ausgeht,
ansonsten weg damit. :D

Horst
11.09.2008 21:06
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Österreichische Freunderlwirtschaft

Ich postuliere jetzt meine These, dass sich auch hier die Habererpartie durchsetzen wird, und die Lufthansa den Zuschlag erhält - denn es sieht mir alles sehr nach Absprache aus.
...ohne die Details der Angebote zu kennen - denn die Bewertungsparameter werden schon so angesetzt, dass die LH der logische Vernunftpartner ist.

Antworten Gast: mark
12.09.2008 00:01
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Re: Österreichische Freunderlwirtschaft

Stimme ihnen voll zu!!!
Das ist ein reiner Schau-Bieterprozess. Sowohl Ötsch als auch die ÖIAG haben von Anfang an nur auf die LH geschielt.
Air France/KLM und BA könnten sich das Geld sparen und gleich gar nicht mitbieten.

Gast: Flieger
11.09.2008 20:02
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Schön...

...dann ist ja mit British Airways auch der einzige Anbieter, der eine echte Option für die AUA darstellt, im Rennen. Vielleicht geschehen ja Zeichen und Wunder...

Antworten Gast: didi
12.09.2008 13:52
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Re: Schön...

...ja, träumen darf man ja....und dann wächt man in der österreichischen realität auf...

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Schlagzeilen Wirtschaft