Wien. Vor zwei Jahren hatte die „Paradelösung“ für jedes Heizproblem noch einen Namen: Pelletsofen. Günstig, CO2-neutral und einigermaßen praktisch. 10.467 Hausbesitzer ließen sich im Jahr 2006 eine Pelletsheizung in den Keller stellen. Ein Jahr später waren es nur noch 3915. Der Grund: Die kleinen Holzwürstchen wurden über den Winter 2006 plötzlich um die Hälfte teurer, die Investition im Heizungskeller wurde unwirtschaftlich. Die Pelletsindustrie hatte massive Kapazitätsengpässe und belieferte lieber italienische Abnehmer als heimische Pelletsheizer. Denn die Italiener zahlten besser.
Umstieg von Öl auf Öl?
Wer einen Pelletsofen hatte, sah sich plötzlich den Tücken des freien Marktes ausgesetzt. Die „Paradelösung“ für den Heizungskeller war zu einem kollektiven Krampf geworden. Keiner wollte mehr einen Pelletsofen haben.
Jetzt wird bekannt, was im Vorjahr anstatt der Pelletsheizungen installiert wurde: nichts. „Auf die Heizungsmodernisierung wurde einfach verzichtet“, sagt Herbert Lechner, Vizechef der Österreichischen Energieagentur im „Presse“-Gespräch. „Das rächt sich bei den hohen Energiekosten nun besonders.“ Tausende Heizungen blieben unsaniert, sie haben einen schlechten Wirkungsgrad, sind überdimensioniert (weil das früher so üblich war) und schlucken Heizöl.
„Wir haben einen tendenziell überalterten Bestand an Heizkesseln“, erklärt Lechner. Dabei wäre schon geholfen, wenn Haushalte mit 30 Jahre alten Ölöfen zumindest auf eine effizientere Öl-Brennwert-Heizung umsteigen würden, sagt Georg Patay, Technikchef beim Kesselhersteller Vaillant. Damit würde der Ölverbrauch sofort um 30 Prozent sinken, da bei Brennwertöfen auch die heißen Abgase zum Heizen genutzt würden. „Freilich ist es politisch nicht opportun, den Umstieg von Öl auf Öl zu empfehlen, aber wir müssen zumindest irgendetwas tun. Tauschen Sie Glühbirnen. Dämmen Sie Ihr Dach.“
Um 20.000 Stück ist der Kesselmarkt im Vorjahr geschrumpft, schätzt Patay. „Die Leute sagen: ,Jetzt kenne ich mich nicht mehr aus‘, und tun gar nichts. Doch das ist das Schlechteste“, meint Patay und kritisiert die politische Verunsicherung. „Wenn man den Leuten keine Handlungsalternative gibt, heizen sie, bis der Ofen aus ist.“ Dass die Sanierungen im Vorjahr ausblieben, „ist schlimm für unsere CO2-Bilanz“, sagt Energie-agentur-Chef Lechner.
Förderung des ohnehin Billigsten
Der Kesseltausch ist neben der thermischen Sanierung der Gebäude eines der wichtigsten Ziele in Österreichs Klimastrategie. Die Regierung will bis 2010 mindestens 100.000 Haushalte auf erneuerbare Energieträger umstellen. Weshalb es heuer eine zusätzliche 800-Euro-Förderung des Klimafonds für Pelletsöfen gibt. Die Hersteller kommen im Moment nicht mit der Produktion nach.
Pellets sind derzeit im Vorteil
Inzwischen sind Pellets wieder günstig geworden, auch wenn sie „ihre Unschuld verloren haben“, wie es Lechner formuliert. Die Holzwürstchen sind Gewinner in der Berechnung der Energieagentur: Ein zweistöckiges Einfamilienhaus in St. Pölten reduziert seine Heizkosten bei Umstieg von Öl auf Pellets von 1860 auf 760 Euro pro Jahr. Betrachtet man auch die Investitionskosten, so würde eine neu installierte Pelletsheizung pro Jahr 1770 Euro kosten, eine Ölheizung 2712 Euro. „Aber dass es immer billig bleibt, ist eine Illusion. Ein Energieträger kann sich aus der allgemeinen Preisentwicklung nicht ausklinken“, schränkt Lechner zu hohe Hoffnungen ein.
■Im Vorjahr ließen nur wenige Haushalte Pelletsheizungen errichten, da Holzpellets vorübergehend um die Hälfte teurer geworden waren. Stattdessen verzichteten die Haushalte auf die Modernisierung ihrer Heizungen. ■Diesen Winter dürfte das viele teuer zu stehen kommen: Pellets sind wieder günstig geworden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.09.2008)

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