AUA am Boden: 475 Millionen Verlust

28.11.2008 | 16:43 |  Von Hedi Schneid (Die Presse)

Krise. Hohe Abwertungen für die Flugzeuge und Kursverluste von Wertpapieren lassen das Minus auf 400 Mio. Euro anwachsen. Das „Verschenken“ des Staatsanteils an die Lufthansa erscheint so noch günstig.

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wien. Zwei Gewinnwarnungen hat die AUA dieses Jahr bereits abgegeben: Anfang Sommer hieß es, man werde angesichts des steigenden Kerosinpreises bis zu 90 Mio. Euro Verlust machen. Dann sank der Ölpreis, aber die Nachfrage sank infolge der Finanzkrise und der beginnenden Rezession noch schneller. Die Folge war, dass Airline-Boss Alfred Ötsch seine Prognose für 2008 noch einmal nach unten revidieren musste: 100 bis 125 Mio. Euro werde der Abgang ausmachen, kündigte die AUA am 17. Oktober an.

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Die Meldung kurz vor Vertragsunterschrift

Allerdings waren dabei „Sondereffekte“ nicht eingerechnet. Jetzt, nach einem neuerlichen Kassasturz des AUA-Aufsichtsrats am Donnerstag, zeigt sich, dass auch erste Schätzungen dieser Wertberichtigungen von knapp 100 Mio. Euro („Die Presse“ berichtete exklusiv am 18. Oktober) noch viel zu niedrig waren. Mitten im Endspurt des Privatisierungsprozesses – der Vertrag mit der Lufthansa wird nächsten Freitag unterschrieben – platzt die Bombe: Die notwendigen Abwertungen für Flugzeuge und Kursverluste bei Wertpapieren sowie nicht nutzbare Verlustvorträge stürzen die AUA heuer in einen Rekordverlust von 475 Mio. Euro.

Zum Vergleich: Das ist mehr als die AUA in den Jahren 2001, 2005 und 2006 kumuliert verloren hat. 2007 gab es einen kleinen Gewinn von 3,3 Mio. Euro.
Die Abwertungen werden gut 240 bis 290 Mio. Euro ausmachen, bestätigte Ötsch der „Presse“. Weitere 60 Mio. Euro könnten Kursverluste bei Wertpapieren verursachen. Diese seien aber nicht „cash-wirksam“, versucht Ötsch zu beruhigen. Die kaufmännische Vorsicht und die US-Bilanzierungsmethode IFRS verlange aber diese Wertberichtigungen.

 

Wert der Flugzeuge nimmt ab

150 bis 200 Mio. Euro entfallen auf Flugzeuge. Konkret hat die AUA mit Ende September 2008 ihre Flugzeuge mit 1,796 Mrd. Euro in den Büchern - das sind knapp zwei Drittel ihres gesamten Vermögens. Die Werthaltigkeit der Flotte ist jedoch durch mehrere Faktoren infolge der rasanten Konjunkturabkühlung bedroht: Wenn die AUA wie geplant im Winter Strecken streicht und damit die Kapazitäten reduziert, sinkt der sogenannte Nettogeldfluss.

Die Folge: Der Nutzungswert der Maschinen reduziert sich und die AUA muss den Wert der Flotte massiv abwerten. Negativ zu Buche schlägt sich in diesem Zusammenhang auch der Euro-Dollar-Kurs. Die AUA kalkuliert mit 1,54 Dollar je Euro. Der Kurs liegt derzeit aber bei 1,27 Dollar.
Zusätzlich werden in der Bilanz 90 Mio. Euro schlagend, weil die AUA Verlustvorträge nicht geltend machen kann (Wertberichtigung von aktivierten latenten Steuerabgrenzungsposten).

 

Der Faktor Finanzkrise

Darüber hinaus könnten noch jene Kursverluste negativ zu Buche schlagen, die infolge der Finanzkrise bei Wertpapieren entstanden sind. Die AUA hat gut die Hälfte der 370 Mio. Euro, die sie Ende 2006 aus der Kapitalerhöhung erlöste, in US-Wertpapieren angelegt. Infolge der Finanzkrise haben diese an Wert verloren – 60 Mio. Euro Abschreibung sind kalkuliert.

Laut Aktiengesetz ist bei der AUA damit Gefahr in Verzug. Da das Grundkapital der AUA bei 264,4 Mio. Euro liegt und der Verlust die Hälfte des Grundkapitals übersteigen wird, müsste die AUA unverzüglich eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen, um dort ihre Aktionäre zu informieren und Maßnahmen zur Kapitalstärkung zu beschließen. Ötsch sagt, dass dies aber nicht notwendig sei. Die Abwertungen seien nach IFRS notwendig, aber nicht nach HGB. Deshalb sei ein Aktionärstreffen nicht erforderlich. Dies habe man auch von Juristen prüfen lassen.

 

Geld von der ÖIAG

Dennoch braucht die AUA dringend frisches Geld – „wegen der schwierigen Lage auf den Finanzmärkten und um weiteren möglichen Markteinbrüchen vorzubeugen“, hieß es am Freitag. Im Klartext: Da die Banken, bei denen die AUA ohnehin schon mit rund einer Mrd. Euro in der Kreide steht, derzeit nicht einmal gesunden Unternehmen Kredite gewähren, wird die ÖIAG einspringen.

Die Staatsholding, die 41,6 Prozent an der AUA hält, wird der AUA ein Darlehen geben. Die Höhe ist noch offen, aber in AUA-Kreisen wird ein dreistelliger Millionenbetrag kolportiert. Diese Finanzspritze hat allerdings ein Ablaufdatum: Sie soll nur jenen Zeitraum überbrücken, bis die EU den Verkauf der AUA an die Lufthansa und den damit verbundenen Schuldennachlass von 500 Mio. Euro genehmigt hat. Wie berichtet, dürfte dies einige Monate dauern.

 

Geld von der ÖIAG

Dass der Megaverlust bei der Lufthansa einen Schock auslösen und den Deal torpedieren könnte – diese Gefahr sieht man weder bei der AUA noch bei der ÖIAG. „Der Privatisierungsprozess wird durch diese Prognose nicht beeinträchtigt“, gab die AUA bekannt. Lufthansa-Boss Wolfgang Mayrhuber kenne das Zahlenwerk, das im Zuge der vertieften Prüfung (Due Dilligence) offengelegt worden sei. Mit einer Ausnahme: Lediglich der Dollar-Wechselkurs habe sich nochmals deutlich verändert.

Vor diesem Hintergrund wird der „negative Kaufpreis“ – die Lufthansa bietet für den Staatsanteil einen symbolischen Euro und fordert den Schuldennachlass – noch plausibler.

 

Auf einen Blick
■ Die Finanzkrise und die Rezession stürzen die AUA noch tiefer in die Verlustzone. Mitten im Endspurt der Privatisierung muss die AUA hohe Abwertungen von bis zu 290 Mio. Euro eingestehen. Der Verlust dürfte 2008 auf 400 Mio. Euro steigen.

■ Die Wertberichtigungen betreffen die Flugzeuge, die infolge der sinkenden Nachfrage weniger stark ausgelastet sind. Dazu kommen Verlustvorträge, die nicht geltend gemacht werden können, und Kursverluste bei US-Wertpapieren.

■ Der Verkauf an die Lufthansa wird wie geplant durchgezogen.

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.11.2008)

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34 Kommentare
 
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Gast: Dr.N.N.
01.12.2008 11:06
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Ich gratuliere zur größten Verstaatlichtenpleite aller Zeiten.

Man merke, die VOEST hatte im Katastrophenjahr 1985 (als die Sanierung eingeleitet werden musste) 2 Mrd. ATS Schulden - die AUA hat heute um den Faktor 12 (in Worten: zwölf) mal MEHR Schulden als die VOEST damals. Danke Herr Streicher (SP), danke Herr Michaelis (VP). Und auch danke den zwischenzeitlich beteiligten blauen und orangenen Verkehrsministern!

Antworten Gast: Schmattologe
07.12.2008 07:40
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Re: Ich gratuliere zur größten Verstaatlichtenpleite aller Zeiten.

ÖVP = Ötschs Verschieber Partie. Wer, wenn nicht er? Die Aufsichtsratsposterln konnten gerettet werden, die 500 Mio. löhnen die Ösis, und weiter geht's! Halleluja! Amen!

Gast: Santa
30.11.2008 12:45
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Weihnachtsgänse retten

Es bleibt nicht¿s anderes mehr übrig als die Weihnachtsgänse zu retten. Auf geht¿s !!!

Gast: host
30.11.2008 09:13
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schlechter Artikel...

Dieser Artikel (sowohl in der Tageszeitung als auch auf der Homepage) ist so schlecht.....

Der Journalist der ihn verfasst hat zeigt eigentlich nur, dass er keine Ahnung von Bilanzierung und Finanzwesen hat....

HGB: Das HGB gibt es schon seit ein paar Jährchen nicht mehr --> UGB.

IFRS eine US-Bilanzierungsmethode: so ein Blödsinn! IFRS = INTERNATIONAL Financial Reporting Standards. Eigentlich sind die IFRS eher die EU- Bilanzierungsregeln da sie seit 2005 aufgrund der IAS-Verordnung der EU für alle Konzernabschlüsse verpflichtend sind.

Da liegt schon das nächste Thema auf dem Tisch: Konzernabschluss. Da werden Äpfel und Birnen verglichen. Es wurde zwar eh im Artikel kurz angeschnitten, dass sich das Aktiengesetz nicht auf den IFRS- Abschluss bezieht sondern auf den UGB- Abschluss, trotzdem wird das Management zu Beginn als "dubios" hingestellt, obwohl da von unterschiedlichen Dingen die Rede ist.

alles Quatsch....
das wird auch die Lufthansa wissen...

Antworten Gast: Hanno
01.12.2008 11:02
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Ja, aber der Bürger soll halt glauben

dass die AUA vollends kaputt ist und die Lufthansa sie nur aus Gönnertum (für einen negativen Kaufpreis) kauft und brav wieder herrichtet. Daher läßt Ötsch den Zeitungen den oben gedruckten Schwachsinn mitteilen ...

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schüssels mistwirtschafter ötsch,

zeigt sein wahres können! mistwirtschaft auf allen linien!

Gast: Gästin
29.11.2008 15:59
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Es wird langsam eng.


Semperit
Staatsanteil bei Siemens Österreich
Austria Tabak
Steyr
Bank Austria
BAWAG
VAI
AUA
und ich habe sicher noch ein paar Fälle vergessen.

Was bleibt?

OMV
Voest/Boehler
Wienerberger
Magna (falls man sie als ö. Unternehmen sehen will)
Erste (naja)
und das Giebelkreuz (laudetur Iesus Christus)

Da bleibt nicht mehr viel Substanz für das "drittreichste Land der EU".

Es wird eng. Es wird kalt.

Gast: Weihnachtsgans
29.11.2008 12:49
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AUA nun saniert

Die AUA wurde soeben wieder einmal saniert.
Gratulation an unseren weitsichtigen Finanzminister Wilhelm Molterer (ÖVP) und den Verkehrsminister Werner Faymann (SPÖ). Sie haben äußerst selbstlos das Geld der Steuerzahler geopfert.

Antworten Gast: Berga
01.12.2008 11:09
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Bitte nicht Forstinger und Gorbach vergessen,

in deren Amtsjahren die Schulden der AUA genauso rasch gestiegen sind, wie die Anzahl der blauen und orangenen Freunderl, die bei der AUA untergebracht wurden!

Gast: guest4000
29.11.2008 12:06
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schmunzel

eine woche vor vertragsabschluß noch kräftig negativmeldung machen. dann verkaufen die restlichen privatanleger aus panik ihre letzten aktien, damit die lufthansa, die ohnehin nur 100 % der firma haben möchte, den kleinaktionären bloß kein vermögen zahlen muß.

naja gott sei dank ist dem spuk bald ein ende gesetzt, spätestens am 5. dez.

Gast: gast1000
29.11.2008 12:04
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schmunzel

eine woche vor vertragsabschluß noch kräftig negativmeldung machen. dann verkaufen die restlichen privatanleger aus panik ihre letzten aktien, damit die lufthansa, die ohnehin nur 100 % der firma haben möchte, den kleinaktionären bloß kein vermögen zahlen muß.

naja gott sei dank ist dem spuk bald ein ende gesetzt, spätestens am 5. dez.

Hahahahahahahaha

Und der Scheich kommt auch wieder zu seinem Geld weil's jetzt heraussen ist, dass der Deal faul eingefaedelt wurde!

Antworten Gast: Martin S
29.11.2008 16:16
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Re: Hahahahahahahaha

Der hat ja nix gezahlt, also kriegt er auch nix..

Jetzt fest streiken - dann geht es schneller!

Der Hr. Betriebsrat macht das schon, da sind wir sicher;-)

Gast: Sukkus
29.11.2008 11:25
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AUA wieder eine vertane Chance

Politiker und ÖIAG haben gemurkst, statt mia Erträge bei Verkauf vor einem Jahr, und jetzt 500 mio Eur Draufgabe damit wir die Krot los sind...

Ausführlich hier beschrieben:
http://4wardseconomy.blogspot.com/2008/11/aua-wer-trgt-verantwortung.html

Gast: Oekonomist
29.11.2008 11:10
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warum hat das Controlling das nicht schon früher aufgezeigt

Es ist unglaublich, wie hochbezahlte Manager hier agieren. In jeder Firma müßten von der Controllingabteilung schon wesentlich früher die Alarmglocken Sturmgeläutet und vom Vorstand sofort Gegenmaßnahmen ergriffen werden. Warum schreitet hier nicht die Staatsanwaltschaft wegen grober Fahrlässigkeit ein? Hier wäre neben dem Management auch der Aufsichtsrat in die Pflicht zu nehmen, da es sich beider AUA zumindest teilweise auch um nicht sorgsam verwaltetes Volksvermögen handelt!

Gast: Besserwisser
29.11.2008 10:33
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Achtung

Man muss sich schon klar sien, dass genau die gleichen Leute, die die AUA in den Untergang geführt haben (Häupl u. Pröll), jetzt ganz Österreich regieren. Genauso, wie es vor Jahren noch bestellte Strategiepapiere gab, die die Situation der AUA beschönigt haben u. die von Häupl u. Pröll vorgegebene Linie (Versorgung der eigenen Haberer um jeden Preis) als betriebswirtschaftlich sinnvolles Konzept dargestellt haben , genauso werden wir in bezug auf Österreich angelogen dass sich die Balken biegen. Von den Geschichtln, dass dass Zuwanderer unsere Pensionen zahlen bis zum Märchen vom dritt reichsten Land in der EU.

Re: Achtung - selten aber diesmal doch - Sie haben 111% recht!

Die GROKO als Einheitspartei einer Kleptokratie

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AUA am Boden

Sie die Kasperl endlich gegroundet - braucht eh niemand

Uuuuuaaahahahahaaaaaaabbbbruuuelllllllllllllhhhhhauuuumiiiiooohhhhh!!!!!!


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Mich wundert nur...

...warum würde ein anderes Unternehmen ein derart "marodes" Unternehmen übernehmen?

Antwort:
Um - wie es Lufthanser selbst sagt - Synergien zu schöpfen:
- doppelt angeflogene Destinationen bei AUA streichen
- den Wettbewerb generell zu verringern (dann kann man ja wieder höhere Preise verlangen)
- das Bodenpersonal inkl. administrativen Stab durch Zentralismus bei Lufthansa weitestgehend eliminieren.

...Alles zusammen keine guten Aussichten, da mit Lufthanse die Perspektive für Wachstum fehlt.

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Re: Mich wundert nur...

Wachstum ist auch so nicht möglich.

Solange die Politik und die Gewerkschaft ein Unternehmen steuern, steuern sie es garantiert nur in den Abgrund.

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Wer macht mit bei einer LICHTERKETTE ????

Vielleicht kommt irgendeinem in der REGIERUNG eine Erleuchtung.

Re: Wer macht mit bei einer LICHTERKETTE ????

So viele Sonnen um Poliitik zu Erleuchten, findet sich in keinem UNIVERSUM

Gast: Hugo
28.11.2008 17:32
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Darf man den von ÖVP eingesetzten Managern

bitte endlich mal Polizei und Staatsanwalt ins Haus schicken? Nein, darf man nicht. Diese Ministerien sind jetzt beide fest in VP-Hand und daher wird nichts passieren ...

Antworten Gast: Eco Economicus
28.11.2008 19:59
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Re: Darf man den von ÖVP eingesetzten Managern

... da kann ich Ihnen nur zustimmen - das was hier passierte, spottet jeder Beschreibung. Ich zähle wirklich auf Herrn Faymann, der dort aufräumen sollte.....

 
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