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Herbert Paierl: „Alle Signale deuten auf einen Tsunami hin“

05.12.2008 | 18:45 |  FRANZ SCHELLHORN UND MICHAEL FLEISCHHACKER (Die Presse)

Exlandesrat, Fast-Wirtschaftsminister und Manager Herbert Paierl über die Herausforderungen der kommenden Monate. Und die Sehnsüchte der Österreicher nach dem starken Staat.

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Die Presse: Laut einer Umfrage des von Ihnen geleiteten Management Clubs sehnen sich die Österreicher wieder nach dem starken Staat zurück. Sieht ganz so aus, als hätte die Marktwirtschaft versagt.

Herbert Paierl: Die Studie zeigt vor allem eines ganz deutlich: Die Finanzkrise ist gleichzeitig auch eine Vertrauenskrise. Die Befragungen wurden sowohl vor als auch nach dem Finanzkollaps im September durchgeführt. Und die ausgewerteten Daten zeichnen ein klares Bild von erhöhter Verunsicherung, Vertrauensverlust und stärkerem Sicherheitsbedürfnis der Bevölkerung. Wir stehen jedenfalls vor harten Zeiten. Alle Signale deuten auf einen Tsunami hin.

 

Und wie wäre das zu verhindern?

Paierl: Indem wir den Menschen klarmachen, dass der Staat nicht der große Heilsbringer ist. Jetzt muss das Vertrauen der Menschen in die Marktwirtschaft wieder hergestellt werden. Konzepte von Wettbewerb und Privatisierung in Krisenzeiten per se zu verteufeln und dem Staat das Ruder zu übergeben, wäre ein fataler Fehler.

 

Das sehen weite Teile der Bevölkerung offenbar anders, wenn man sich die Ergebnisse der eingangs erwähnten Umfrage ansieht.

Paierl: Der Staat ist in Sachen Kontrolle und Erstellung von Spielregeln gefordert, nicht als Unternehmer oder Eigentümer. Kurzfristig brauchen wir den Staat als eine Art Arche Noah auf Zeit, ich warne aber vor planwirtschaftlichen Konzepten. Wir müssen höllisch aufpassen, dass die Leute in Zeiten der Krise nicht linken oder rechten Extremisten in die Hände fallen. Das Antidemokratische hat derzeit einen Nährboden wie nie zuvor. Der Staat kann weder Arbeitsplätze sichern noch erfolgreich wirtschaften.

 

Damit werden Menschen, die jetzt ihren Arbeitsplatz verlieren, nicht besonders viel anfangen können.

Paierl: Deshalb muss der Staat ja auch reagieren und den Menschen eine Art Tauchhilfe geben. Das heißt nicht Verstaatlichung ganzer Wirtschaftsbereiche, sondern das Gewähren vorübergehender Finanzhilfen in Form von Haftungen und Garantien. Falls die Überschwemmung tatsächlich so groß sein wird, wie befürchtet.

 

Wovon Sie ja auszugehen scheinen.

Paierl: Die Ratingagentur Moody's hat vor Kurzem eine Analyse veröffentlicht, wonach zehn Prozent aller weltweit vergebenen Kredite faul sind. Üblicherweise liegt die Ausfallquote bei zwei Prozent. Diese düstere Prognose blieb bis dato unwidersprochen. Falls Moody's tatsächlich Recht haben sollte, stehen viele Banken vor der Pleite. Hoffentlich kommt das nicht so – aber wie es aussieht, stehen die Staatsführungen vor nie da gewesenen Herausforderungen.

 

Ist die heimische Staatsführung denn darauf vorbereitet?

Paierl: Das ist zu hoffen. Wirtschaft und Politik müssen jedenfalls lernen, wieder miteinander zu kommunizieren. Die jüngst vereidigte Regierung ist jedenfalls eine Krisenregierung und keine Koalitionsregierung.

 

Besetzt mit Berufsfunktionären und Sozialpartnern.

Paierl: Man muss der neuen Regierung eine Chance geben. Meine Solidarität hat sie – sie darf auch nicht scheitern, sie muss Erfolg haben. Vom Bundeskanzler bis zum Portier kann es deshalb auch nur eine Message geben: Wir müssen das demokratische System und die Marktwirtschaft vor planwirtschaftlichen Retromodellen schützen. Der Staat sollte keine Betriebe retten, sondern Branchen vorübergehend helfen. Zum Beispiel, indem es für europäische Schlüsselindustrien staatliche Garantien (für ausstehende Kredite, Anm.) gibt.

 

Die am Markt vorbei produzierende Autoindustrie soll also mit Steuergeldern für das eigene Missmanagement belohnt werden?

Paierl: Es kann zweifellos nicht die Aufgabe des Staates sein, strukturell schlechten Betrieben das Überleben zu sichern. Das gilt für alle Bereiche, auch für die Banken.

Und wie wollen Sie das trennen? An den Staatstrog rennen nicht nur jene, die vorübergehend ein Problem haben. Vielmehr jene, die nicht überlebensfähig sind.

Paierl: Strukturell gut funktionierende Unternehmen von schlechten zu trennen, ist eine besondere Herausforderung für die neue politische Administration. Im Falle der Bankenbeihilfen gilt das beispielsweise für die neu aufzustellende Banken-ÖIAG.

 

Sie waren kurzzeitig Wirtschaftsminister der Republik, im letzten Moment hat es sich ÖVP-Chef Josef Pröll anders überlegt. Böhler-Uddeholm-Chef Claus Raidl meinte, Sie sollten froh sein. Sind Sie froh?

Paierl: Josef Pröll musste sich anders entscheiden, das ist zu akzeptieren. So etwas kommt vor, das ist nicht weiter schlimm. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Was mich als Unternehmer allerdings besorgt, ist, dass sich in der Steiermark eine ganze Regierung hinstellt und meint, das Land sei 2011 pleite.

 

Diese Kritik klingt nach einer Retourkutsche – schließlich hat sich ja vor allem die ÖVP Steiermark gegen Sie in die Schlacht geworfen.

Paierl: Sie werden von mir keinerlei Revancheattacken hören, es geht zudem nicht nur um die ÖVP Steiermark, sondern um die gesamte Führung eines Bundeslandes, das strukturell besonders durch seine Export- und Industrielastigkeit exponiert und damit betroffen ist. Viele Menschen werden demnächst ihren Job verlieren – und die Führungskräfte des Unternehmens Steiermark stellen sich hin, um ihnen zu sagen: „Wir fahren jetzt einmal in Ruhe das Land an die Wand und ziehen es vor, nichts dagegen zu tun“. Diese Position ist nur eines: voll daneben.

Zur Person

Herbert Paierl (56), gebürtiger Steirer und studierter Raumplaner, war von 1996–2004 steirischer ÖVP-Landesrat. Heute ist er Vorstand der Beteiligungsfirma UIAG, zuletzt war er als Wirtschaftsminister im Gespräch.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.12.2008)

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17 Kommentare
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Was bin ich aber froh

"Der Staat kann weder Arbeitsplätze sichern noch erfolgreich wirtschaften."

Danke liebe PRIVATFIRMEN für die sicheren Arbeitsplätze und für den wirtschaftlichen Erfolg :
Lehmann Brothers, Worldcom, Constantia, Eybl International, Ergee, AUA (mehrheitlich privat !), Maculan, Libro,

DANKE DANKE DANKE DANKE DANKE DANKE

Antworten Gast: Dr.Gernot Stöckl
07.12.2008 11:47
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Re: Was bin ich aber froh

Dagegen war natürlich die Verstaatlichte Industrie unter Androsch&Kreisky eine einzige Erfolgsgeschichte mit neuen Arbeitsplätzen ohne Zahl! Danke, danke, danke........

heri3
07.12.2008 20:11
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Re: Re: Was bin ich aber froh

ob sie es hören wollen oder nicht!donawitz ,kapfenberg und co., gäbe es ohne kreisky nicht mehr!und dann wäre die obersteiermark ganz tot gewesen!leider hat die partie um den mistwirtschafter schüssel alles um einen betel verscherbelt.jetzt gibt es für den staat keine möglichkeit mehr aus eigener kraft arbeitsplätze anzubieten. der versager spruch, "mehr privat weniger staat " sagt uns was wirkliche dummheit ist! aber wirtschaftliches denken ist keine tugend der schwarzen. sie sind für abzockerei höchsten grades spezialisiert!

Antworten Antworten Antworten Gast: ;-)
07.12.2008 21:55
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Re: Re: Re: Was bin ich aber froh

sicher heri3,

BAWAG, Konsum etc. - alles schwarze Domänen, Dummerl.

Antworten Antworten Antworten Gast: Dr.Gernot Stöckl
07.12.2008 21:30
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Re: Re: Re: Was bin ich aber froh

Genosse Parteischreiberling, verzapfens doch nicht so einen Unsinn! Ich erinnere nur an ihre berüchtigten Genossen Ruhaltinger und Rechberger!!!

Antworten Antworten Gast: ASVG-Sklave
07.12.2008 19:13
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Re: Re: Was bin ich aber froh

Dagegen waren Kreisky & Co TATSÄCHLICH eine Erfolgsgeschichte; auch wenn es Ihnen nicht gefällt.

Antworten Antworten Antworten Gast: Dr.Gernot Stöckl
08.12.2008 17:54
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Re: Re: Re: Was bin ich aber froh

Die Verstaatlichte war damals so erfolgreich, daß sich der Generaldirektor erschossen hat!

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Was bin ich aber froh

"Der Staat kann weder Arbeitsplätze sichern noch erfolgreich wirtschaften."

Danke liebe PRIVATFIRMEN für die sicheren Arbeitsplätze:
Lehmann Brothers, Worldcom, Constantia, Eybl International, Ergee, AUA (mehrheitlich privat !), Maculan, Libro,

DANKE DANKE DANKE DANKE DANKE DANKE

Gast: Dr.Gernot Stöckl
06.12.2008 21:21
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Die steirische Landesregierung Voves/Schützenhöfer ist die kleine Welt,

in der die große (Faymann/Pröll) Probe hält!

Nur leider ist es auch ein ehernes Grundgesetz, daß Dumme alle ihre Fehler mehrmals machen und aus den Fehlern anderer überhaupt nichts lernen wollen!

heri3
07.12.2008 21:18
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Re: Die steirische Landesregierung Voves/Schützenhöfer ist die kleine Welt,

und darum sitzt der mistwirtschafter schüssel und seine getreuen noch immer im nationalrat!

Antworten Antworten Gast: Dr.Gernot Stöckl
08.12.2008 21:38
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Re: Re: Die steirische Landesregierung Voves/Schützenhöfer ist die kleine Welt,

Wer sich wundert, daß Österreich diese Regierung hat, braucht nur die lächerlichen Ergüsse von heri3 hier zu lesen! Das ist einer ihrer Wähler!

Gast: Crusader
06.12.2008 19:06
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Vielleicht rollt einmal ein Tsunami des Bevölkerungszorns über die Politbonzen wie Paierl!

Wär doch eine gute G`schicht..........

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Frohe Botschaft, ewiges Leben möglich und es gibt eine Lösung, nur SPÖVP-Regierung vernichtet all unsere Chancen durch grenzenlose Dummheit und Todesanbetung

Eine strukturelle Krise bei Beibehaltung der Struktur via Stützungsgelder vom Staat zu bekämpfen kann nur scheitern, auch wenn das die SPÖVP-Mafiosen noch so bestreiten.

Sobald in einem kapitalistischen Markt, in dem die Marktbereinigung via Konkursen durchgeführt wird, ein Teil des Marktes als nicht konkursfähig erklärt wird, ist der Markt pervertiert und strebt Richtung Totalzusammenbruch; die Bereinigung kommt dann um so brutaler!

Was den Markt schädigte war die vorangegangene Fusionswelle, auch jener von Staaten via EU, da dadurch einige Instrumente wie Währungsabwertung wegfielen. Wenn z. B. 2 Pharmaunternehmen fusionierten, wird eine Forschungsstelle geschlossen. Dies führt zu kurzfristigen Einsparungen aber das Risiko dass Lösungen übersehen werden steigt, da viel Wissen verloren geht. Wir brauchen Lösungen die dem 21. Jahrhundert würdig sind nicht Kerzlschlicker von der ÖVP, die den Tod anbeten. Altern ist eine noch nicht heilbare Krankheit, ewiges Leben ist möglich.

phuter
06.12.2008 08:56
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Warum will dieser Mann das bisherige so verzweifelt retten?

Ganz nach den Regeln des Marktes scheitern eben nun nicht mehr zeitgemässe Unternehmen und Geschäftsmodelle.
Man hat 20 Jahre lang gezielt unsere demokratische Ordnung und die sozialen Sicherungssystem demontiert. Wenn die Menschen nicht mehr an Demokratie glauben, dann haben sie recht - sie existiert nicht mehr. Unsere Regierung macht unsere Gesetze nicht mehr - die macht der EU Ministerrat und die Komission - erstere sind nur indirekt gewählt, letztere gar nicht.
Wenn nun die Vertreter des oberen Establishments angesichts der Krise um ihre Pfründe zittern. dann freut mich das. Die Leute wären ja so und so verarmt - jetzt gehen sie vielleicht einmal auf die Strasse. Was soll daran schlecht sein?

Antworten Gast: Martin S
06.12.2008 17:21
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Re: Warum will dieser Mann das bisherige so verzweifelt retten?

Zu IHrer Information:
Im EU Ministerrat sitzen auch die Minister der nationalen regierungen - und somit "macht" Unsere Regierung sehr wohl noch die Gesetze - nur halt zusammen mit anderen. Und das mit den "Vertreter des oberen Establishments" ist putzig. Die, die jetzt zittern und ANgst haben - das sind die Arbeitnehmer. Sind das die, die Pfründe haben??

Gast: elch mit kelch
06.12.2008 01:27
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foto: alleine schon die geste mit der hand

spricht bände. kommt daher und redet gescheit unser ach so grosser wirtschaftslenker (von politischen gnaden und dank guter beziehungen).

die menschen sollten vertrauen in die marktwirtschaft sagt er der prophet; die menschen sollten erst einmal sehen wohin die marktwirtschaft warum sagt er nicht gleich kurzfristig denkende kapitalismus gerade hinführt.

natürlich ist eine verstaatlichung keine panacea (schon gar nicht bei unserem politikerfilz). aber eine stärkere gängelung ist wohl doch angebracht.

LUPO
05.12.2008 21:42
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Die Preistreiberei hat alles kaputt gemacht

Ein wichtiger Teil des Konsums (Tauschhandel) sind die Preise, dass liebe Geld ist nun mal der einheitliche Nenner unseres Tauschhandels (Lebens). Gerade die Preistreiber haben in Österreich noch Narrenfreiheit (Gas, Fernwärme, ...), das schafft nun mal kein Vertrauen. Da wurde Geld in das System hinein gepumpt, mit dem schlussendlich Preise künstlich hoch getrieben wurden und andere haben gleich mit gemacht. Vor allem bei der Grundversorgung gehören die Preise kontrolliert (nicht bestimmt), so wie Lebensmittel kontrolliert werden, die Preise sind nun mal ein wichtiger Teil unserer Kultur.