Ukraine: Gazprom will dem Westen das Gas ganz abdrehen

Naftogas-Chef Oleg Dubina ist überzeugt: Gazprom habe sich entschlossen, gar kein Gas mehr über die Ukraine nach Europa zu leiten. Die OMV meldet bereits Liefer-Ausfälle von 90 Prozent.

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(c) EPA (Sergey Dolzhenko)

Russland will nach Angaben des ukrainischen Unternehmens Naftogas die Durchleitung seines Gases nach Westeuropa komplett einstellen. Naftogas-Chef Oleg Dubina sagte nach Meldungen russischer Agenturen am Dienstag in Kiew: "Wir können heute sagen, dass Gazprom sich entschlossen hat, die Gasdurchleitung über die Ukraine zu beenden."

90 Prozent weniger Gas für Österreich

Russland hat seine Erdgaslieferungen in die Ukraine und nach Europa stark gedrosselt. Momentan würden nur noch 72 Mio. Kubikmeter Gas täglich durch das Land gepumpt statt der bisherigen 260 Mio. Kubikmeter Gas, sagte Dubina.

Die OMV meldete den Ausfall von rund 90 Prozent an russischem Erdgas, der aus den Vorräten kompensiert werde. Die EU hat das Vorgehen als "inakzeptabel" verurteilt. Die Gaslieferungen an die EU müssten "unverzüglich" wieder aufgenommen werden, fordern die tschechische EU-Ratspräsidentschaft und die Kommission. Beide Konfliktparteien - Russland und die Ukraine sollten sofort wieder die Verhandlungen aufnehmen, um ihren bilateralen Handelsstreit definitiv zu regeln.

Krisensitzung in Wien

In Wien tagt seit 10.00 Uhr ein Krisenstab in der Regulierungsbehörde E-Control. Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) hat für Mittwoch den Energielenkungsbeirat einberufen, der bei drohenden Versorgungsengpässen zusammentritt.

Gazprom habe die Versorgung - wie angekündigt - um 65,3 Mio. Kubikmeter Gas gedrosselt. Es gehe um die Menge, die die Ukraine in den vergangenen Tagen illegal aus Transitleitungen abgezapft habe. Kiew bestreitet das und teilte am Dienstag früh mit, Russland pumpe derzeit nur 92 Mio. statt 221 Mio. Kubikmeter in ukrainische Pipelines. Gazprom wiederum sagt, die Ukraine habe eigenmächtig drei der vier Exportpipelines geschlossen, erklärte der Vizechef des russischen Monopolisten, Alexander Medwedew.

Verhandlungen wieder am Donnerstag

Russland und die Ukraine wollen nach Angaben aus Kiew an diesem Donnerstag die Verhandlungen zur Beilegung ihres eskalierten Gas-Streits wieder aufnehmen. Der russische Gasmonopolist Gazprom und das ukrainische Unternehmen Naftogas würden ihre seit Silvester unterbrochenen Gespräche fortsetzen. Das sagte Naftogas-Chef Oleg Dubina am Dienstag nach Angaben der Agentur Interfax in Kiew.

In Kontakt mit Gasprom

Trotz der aktuell aufgetretenen signifikanten Einschränkung russischer Erdgaslieferungen sei eine Versorgung Österreichs "unter den derzeitigen Bedingungen (Verbrauch, Wetter) bis auf Weiteres gewährleistet", meldete die OMV. Deren Tochter EconGas hat derzeit, wie zu Jahresbeginn mitgeteilt wurde, rund 1,7 Mrd. Kubikmeter Erdgas eingelagert - damit könnte eine mögliche Reduktion der Gaslieferungen für drei Monate ausgeglichen werden.

Österreich hängt am russischen Hahn

Etwa 51 Prozent des heimischen Erdgases stammen aus Russland, 31 Prozent aus Norwegen und anderen Staaten, und etwa 18 Prozent stammen aus österreichischer Gasförderung. Die OMV deckt mit ihrer österreichischen Gasförderung von 1,31 Mrd. Kubikmeter pro Jahr 16 Prozent des heimischen Erdgasbedarfs ab.

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(c) APA

Deutschland und Balkan betroffen

Nach Angaben des bulgarischen Energieministeriums in Sofia sind die russischen Gaslieferungen nach Bulgarien, Griechenland und Mazedonien sowie in die Türkei in der Nacht auf Dienstag gestoppt worden. Rumänien meldete einen Ausfall von zwei Drittel. Kroatien ist gänzlich von russischem Gas abgeschnitten, versorgt sich aber zu 60 Prozent aus eigenen Quellen. Auch in Deutschland kam es zu Druckabfall in unbekanntem Ausmaß.

 

(Ag/Red.)

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