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Kommt Elsner frei? Offensive startet „in Kürze“

08.01.2009 | 18:25 |  MANFRED SEEH (Die Presse)

Justiz. Seit zwei Jahren sitzt Ex-Bawag-Boss Helmut Elsner in U-Haft - wegen Fluchtgefahr, wie es heißt. Personalrochaden könnten ihm nun die Freiheit bringen.

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WIEN. 13. Februar 2007: Die schweren Eisentore der Justizanstalt Wien-Josefstadt schließen sich hinter dem silbergrauen Opel-Transporter der Bundespolizeidirektion Wien. Noch ahnt niemand, wie lange der soeben angekommene Verdächtige inhaftiert bleibt. Das Justizressort verkündet die gewaltsame Rückholung Helmut Elsners aus Südfrankreich.

Jänner 2009: Fast zwei Jahre später – und der Ex-Bawag-Chef sitzt immer noch in der „Josefstadt“ ein. Nichts ist mehr, wie es war. Aus einem bloß Verdächtigen ist ein zu neuneinhalb Jahren Haft Verurteilter (Delikt: Untreue, Stichwort: Bawag-Karibik-Geschäfte) geworden. Wohlgemerkt: Die Strafe ist nicht rechtskräftig. Theoretisch könnte nach Ausschöpfen der Rechtsmittel sogar noch ein Freispruch herauskommen (siehe Kasten).

Vor allem das für den Fall zuständige Justizpersonal hat sich komplett geändert. Die Verteidigung darf hoffen, dass die neue „Mannschaft“ die heiß umkämpfte Frage der U-Haft auch neu bewertet. „Abgesehen davon“, sagt Anwalt Elmar Kresbach, „liegt auch kein Haftgrund mehr vor.“ Daher: „Ich werde in Kürze einen neuen Antrag auf Enthaftung einbringen.“ Der seit Februar 2007 vom Strafgericht angenommene Haftgrund lautet „Fluchtgefahr“. Aber wie gesagt: Zumindest personell ist nichts mehr so wie damals.

Maria Berger. Die Ex-EU-Parlamentarierin und spätere SP-Justizministerin schaffte aufgrund ihrer guten internationalen Kontakte die Rückholung Elsners per europäischen Haftbefehl. Nach der Nationalratswahl 2008 musste Berger ihren Ministersessel räumen. Nun ist sie wieder im EU-Parlament. Als Leiterin der dortigen SP-Delegation.

 

Tauziehen um den Anklagestar

Georg Krakow. Der erfolgreiche Bawag-Ankläger erwirkte Verurteilungen für alle neun Angeklagten, aber nur Elsner sitzt in U-Haft. Schon im Vorfeld des letztlich 117 Tage dauernden Bawag-Prozesses setzte ein wahres Tauziehen um Krakow ein, das bis heute anhält. Er selbst wollte Leiter der Staatsanwaltschaft Eisenstadt werden, doch die Oberstaatsanwaltschaft Wien rief. Und Krakow kam. Mittlerweile ist er Vizeleiter der neuen Korruptionsstaatsanwaltschaft. Die besteht aktuell aber nur aus drei Anklägern. Bald werden es (vorbehaltlich der geplanten personellen Aufstockung) gar nur noch zwei sein. Denn in absehbarer Zeit wird Krakow Kabinettschef im Justizministerium. Seine baldige Chefin: Bawag-Richterin Claudia Bandion-Ortner. Sie folgte dem Ruf der ÖVP und wird Justizministerin. Ihre Angelobung findet kommenden Donnerstag, 15. Jänner, um 11 Uhr statt.

Bemerkenswert: Wenn dann der angekündigte Antrag auf Enthaftung Elsners kommt – mehrere Anträge wurden von Bandion-Ortner zuletzt abgewiesen –, muss die Staatsanwaltschaft Wien eine (zustimmende oder ablehnende) Stellungnahme abgeben. An der Spitze der staatsanwaltlichen Weisungskette steht dann – Neojustizministerin Claudia Bandion-Ortner. Es ist allerdings nicht zu erwarten, dass es zum direkten Eingreifen der Ministerin kommt. In erster Linie wird es auf die aktuelle Anklägerin ankommen:

Sonja Herbst. Die junge Staatsanwältin war schon im Bawag-Verfahren zweite Anklägerin, saß neben Krakow im Gerichtssaal. Konsequenterweise hat sie nun den Fall ganz übernommen. Derzeit ist zu hören, dass Herbst wenig Freude mit einer baldigen Freilassung Elsners hat. Dabei spielt auch die Haltung der nächsthöheren Behörde, der Oberstaatsanwaltschaft Wien, eine Rolle. Von dort kommen klare Signale in Richtung Fortsetzung der U-Haft.

Die heikle U-Haft-Entscheidung selbst liegt freilich weder bei der Anklage noch bei der Verteidigung, sondern bei einem Richter. Nämlich beim Nachfolger von Claudia Bandion-Ortner:

Christian Böhm. Zuletzt war Böhm als Rechtsschutz-Richter tätig. Er entschied unter anderem, wer in U-Haft muss und wer nicht. Eine öffentliche Verhandlung hat er noch nie geleitet. In Sachen Bawag wird er das voraussichtlich auch nicht müssen. Denn der gesamte Akt wandert nun an den OGH. Nur: Sollten die Urteile aufgehoben werden, muss noch einmal verhandelt werden. Dann „erbt“ Böhm den Monsterakt. Vorerst aber obliegt ihm die Frage: Wann endet Elsners U-Haft?

U-Haft, Strafhaft

Helmut Elsner „sitzt“. Aber er sitzt nicht, wie viele meinen, seine Strafe, neuneinhalb Jahre Haft wegen Untreue, ab, sondern er befindet sich in Untersuchungshaft. Diese dauert nun bald zwei Jahre an und wird von den Gerichten mit „Fluchtgefahr“begründet. Schon neun Mal (!) versuchte die Verteidigung, Elsner per „Enthaftungsantrag“ freizubekommen. Bisher vergeblich. Ein neuer Antrag ist praktisch fertig und soll „in Kürze“ eingebracht werden. Sollte Elsners Haftstrafe rechtskräftig werden (das dürfte etwa bis Ende 2010 dauern), wird ihm die Zeit in U-Haft angerechnet.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.01.2009)

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24 Kommentare
Gast: Beobachter
11.01.2009 05:48
0 0

Traumpaar Elsner-Kohn

Besser kann das heutige Oesterreich nicht symbolisiert werden. In der Technion-Gesellschaft waren ja beide.

Gast: aurora
10.01.2009 09:15
0 0

Fasching hat der Elsner schon genug gemacht

Ich denke, dass die Komikbeiträge des Herrn Elsner wohl kaum dazu beitragen werden, seine Entlassung zu unterstützen. Gleichwohl er wahrscheinlich der Kasperl all jener war, die da noch immer ihre weniger witzigen Beiträge liefern und auch ein Interesse haben, dass die Sache Elsner endlich unter den Teppich gekehrt wird. Hoffentlich wird der Teppich dann zu einem fliegenden...

Gast: isidoro
09.01.2009 19:29
0 0

Entlassung

Der Elsner wird erst nach dem Villacher Fasching entlassen. (Rücksicht auf die Angelobung der neuen Justizministerin)

Gast: strizzijäger
09.01.2009 17:52
0 0

Die ganze Bagage ins Häfen!

Laßt den Elsner endlich frei oder sperrt auch das andere Bankergesinde in den Kotter. Letztlich hat er nichts gemacht das nicht wenige Monate später durch Aktivtäten unserer honorigen Bankerlandschaft öffentlich bekannt wurde. Bilanzfälschung gilt in diesen Kreisen noch immer nicht als kriminelles Verbrechen sondern als Kavaliersdelikt. Die Justiz leistet dem mit sehr milden Urteilen Vorschub. Wer tausende Anleger täuscht und damit schädigt verdient eine harte Strafe. Unsere Gesetze sind offenbar so formuliert das die großen Gauner und Strizzi ihr Unwewsen weiter trreiben können. Wäre die Bawagaffäre wenig später aufgeflogen so würde der Elsner mit Kulterer und Co. auf einen Kaffee im Finanzminiseterium vorbeischauen. Also Schluss mit dem üblen Spiel.

Gast: Graf Gudenus
09.01.2009 16:35
0 0

Haftjahre,

EU ist praktisch ein Staat. Allüberall sollte die Presse daher gleichen Preis haben. Allüberall sollte das Garicht jemand die gleiche Zeit einbehalten wollen, auf Grund entsprechender Gesetze. Man meint, aber vielleicht irrt man, die Jahre wären in Frankreich weniger geworden; dazu kommt, die Haft mit dem Hausarest in Frankreich begonnen hat; E, theorethisch, auch der Prosess in Frankreich hätte gemacht werden können. Im Wilden Westen heisst es in machen Staaten Kopf ab, in andere Giftspritze, bzw. soundsoviele Jahre Haft. Man soll sich nicht aussuchen können, etwa bei Mord mit dem Hammer, in Portugal gibt es X, in der Slowakei aber Y Jahre. Absolute Gleichheit hat zu herrschen, ob man nun ein Zigeuner ist oder nicht ist.

Fleissaufgabe für die Korrespondenten in der EU.

Gast: Graf Gudenus
09.01.2009 13:07
0 0

Offensive,

wer wird so etwas ankündigen? Wohl soll Elsner gschadet werden!

cabron
09.01.2009 11:02
0 0

Elstner kann...

...sich glücklich schätzen in Österreich einzusitzen!
In der ehem. Sowjetunion wäre er sofort wegen Wirtschaftsverbrechen standrehtlich erschossen worden!

draken
09.01.2009 10:58
0 0

Achtung!

Kommentare die aus dem Mund der Betroffenen stammen werden hier nicht mehr veröffentlicht! Gratuliere der Presse zu ihrer Meinungsfreiheit!

draken
09.01.2009 10:56
0 0

Gerechter wäre...

...es, die straffällig gewordenen Asylwerber mit einem tätowierten Vermerk am Handrücken zu entlassen und abzuschieben! Somit wäre Platz für alle Bankmanager, die das Geld der Anleger verspekuliert und sich selbst bereichert haben!
Elsner hätte gleichwertige Gesellschaft und die Themen, wie betrüge ich die Bevölkerung, würde bis zum Ende in Sicherheit ausdiskudiert werden können!
Somit hätte man zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen und die Bevölkerung könnte wieder ruhig und ohne Groll schlafen!

Gast: Morales
09.01.2009 10:50
0 0

Wo bleibt die Moral?


Gast: Langstrumpf
09.01.2009 10:32
0 0

Er ist ein Star

holt ihn da raus.

Antworten Gast: Liberator
09.01.2009 12:02
0 0

Re: Er ist ein Star

Gut getroffen. Das neue Traumpaar. Elsner und Mausi unter der Sonne der Cote Azur.

Gast: freindalwirtschaft
09.01.2009 10:25
0 0

wie las man unlängst

in österreich werden justiz und polizei von der politik "kontrolliert".

Gast: Graf Gudenus
09.01.2009 10:08
0 0

Haftbefehl aus Wien, Volstreckung

kann weder in Brengenz, noch in Paris vollstreckt werden, so Kandidat am Operationstisch liegt, hier ist jegliches davor einzurechnen.

Schuld am Haftbefehl: Gericht ist der Berichtstattung der Journaille hereingefallen. Gericht hat es sich halt zu leicht gemacht. Fehler wurde quasi behoben durch Haftbefehl!

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Haberer aller Länder vereinigt euch

Der Fall Elsner wird doch wohl in einem geheimen Zusatzprotokoll zur Koalitionsvereinbarung wohlwollend für alle Beteiligten gelöst worden sein. Man will uns doch hoffentlich nicht ernsthaft einreden, dass die SPÖVP Haberer den Elsner einfach hängen lassen. Immerhin wurde die SPÖ ja durch wunderbare Geldvermehrung plötzlich saniert u. der ÖVP wird die Rettung von Raiffeisen ja schliesslich auch was wert sein.

Gast: R. Rinaldini
09.01.2009 08:41
0 0

Befreit Elsner

Nachdem andere Milliardenbetrüger unverfolgt in Freiheit herumlaufen "verdient" Elsner natürlich die Freiheit. Das sind eherne Gesetze eines Staates in dem die Antikorruptionsbehörde statt 30, 2 Mitarbeiter hat. Glück auf.

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Re: Befreit Elsner

2? die sind dann hinter der krankenschwester her, die ein packerl kaffee annimmt.

mfg
mc

Ratio
09.01.2009 00:35
0 0

Allein wegen dem Fall Atomic sollte E. brummen, bis er sich bei der Witwe und den Kindern entschuldigt hat.

Rohrmoser starb verarmt und erschöpft - nur weil ein
Primitivling den Daumen nach unten gedreht hatte. Wer war der Nutznießer dieser Aktion damals? Oder wars nur gekränkte Eitelkeit eines kalten Karrieristen?

Antworten Gast: Graf Gudenus
09.01.2009 10:11
0 0

Fall Atomic,

hat Gericht versäumt hier einen Akt zu eröffnen, etc. Disciplinargericht!

Publikum hat dem abzuwarten, bevor es sein Maul öffnet!

phuter
09.01.2009 01:26
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100% Zustimmung

Und es sollten dem Herrn Elsner noch einige Läuse aus dem Bankwesen folgen.

Gast: Graf Gudenus
08.01.2009 21:34
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schaffte aufgrund ihrer guten internationalen Kontakte die Rückholung Elsners per europäischen Haftbefehl.

EU-Haftbefehl, etwas Neues. So man sich nicht auskennt, erfragt man in der Bundesrepublik, wie handzuhaben. Die werden ihrer Grösse wegen schon ihre Erfahrungen haben.

Frankreich hat - ohne mit den Wimpern zu zucken, etc - auszuliefern, SO transportfähig; Wie das dann der Fall war, wurde sofort geliefert.

E, bereitete sich auf ärztlichen Ratschlag auf Operation vor, wozu man in entsprechender Verfassung zu sein hat. Als es soweit war, wurde Haftbefehl vollstreckt. Was passieren wird, das musste französicher bzw. österr. Advokat erkennen können. Das heisst E wurde nicht entsprechend beraten.

Will nicht ausgeliefert werden, so hätte E in eventu sich nicht auf Operation körperlich vorbereiten sollen, sondern sich sich in die Krankheit zu flüchten, damit in eventu sogar zu sterben.

Befehl kommt aus Frankreich, Österreich wird sich ähnlich verhalteen, zumal man nunmehr dank des Falles E weiss, wie EU-Haftbefehl zu vollstrecken ist.

Antworten Gast: G Ast
09.01.2009 13:05
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Re: schaffte aufgrund ihrer guten internationalen Kontakte die Rückholung Elsners per europäischen Haftbefehl.

Hams grad an Doppler intus?

Antworten Antworten Gast: Graf Gudenus
09.01.2009 15:23
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Ton

!

Antworten Antworten Antworten Gast: veritas
09.01.2009 16:39
0 0

gräflicher Flatus.

dissonant, wie gewohnt.

Schlagzeilen Wirtschaft