Die jüngsten Aussagen aus der Führungsriege der Telekom Austria zum Thema Personalabbau bringen den teilstaatlichen Konzern in Erklärungsnotstand, wie „Der Standard“ berichtet. Grund für den Aufruhr ist ein Video, das Gernot Schieszler, Vorstand und Finanzchef der Festnetzsparte, am „Capital Market Day“ zeigt.
Auf die Frage eines Investors, wie das Unternehmen seine unkündbaren Beamten von der Annahme der „Golden Handshakes“ überzeugen möchte, sagte Schieszler (frei aus dem Englischen): „Unsere Aufgabe ist es, ein Telekom-Unternehmen wertsteigernd zu führen, und nicht, in Gärten alter Damen zu graben.“
Nun wurde bekannt, dass Schieszler die Personalagenden an Telekom-Chef Hannes Ametsreiter abgeben muss.
Schieszler hatte vor Investoren gesagt, sollte es nicht möglich sein, die Mitarbeiter umzuschulen oder in andere Unternehmensbereiche zu verleasen, wolle man beginnen, „sie daheim sitzen zu lassen“. Dieser Prozess dauere rund vier Monate. In den ersten vier bis sechs Wochen könnten sich die Leute „offen gesagt noch wohlfühlen“, wie auch Erfahrungen in anderen Unternehmen weltweit zeigen würden.
Danach wolle die Telekom beginnen, die Mitarbeiter anzurufen und sie für ein paar Tage zur Arbeit zu bestellen, „und wenn sie dann am Telefon erklären, dass sie krank sind, werden wir ihnen den Arzt schicken. Und wenn der feststellt, dass sie nicht krank sind, werden wir Klagen gegen diese Mitarbeiter folgen lassen.“ Spätestens dann würden schon „ein paar die Golden Handshakes annehmen“, schloss der Telekom-Vorstand.
Schieszler rudert zurück
Gedacht waren Schieszlers Worte Ende Jänner ausschließlich für die Ohren von Investoren und Analysten. Hören konnten sie über die Videoplattform YouTube mittlerweile über 10.000 Menschen.
Offiziell weist die Telekom Austria sämtliche Vorwürfe zurück. Auch Schieszler hat sich von seinen eigenen Aussagen distanziert. Zwar plant der Konzern tatsächlich einen radikalen Stellenabbau – heuer sollen alleine in der stagnierenden Festnetzsparte 1250 Mitarbeiter gehen. Die notwendigen Personalrestrukturierungen würden so sozial wie möglich ablaufen, heißt es.
Die betroffenen Mitarbeiter bekämen großzügige Abfindungen, Altersteilzeitmodelle sowie Weiterbildung angeboten. Wer das nicht annimmt, wird bei nahezu vollen Bezügen dienstfrei gestellt. Über zwei Drittel der 9500 Mitarbeiter des teilstaatlichen Betriebs sind nach Angaben von TA-Chef Boris Nemsic derzeit als Beamte unkündbar.
Der Betriebsrat will heute, Mittwoch, zusammentreten, um über die Causa zu beraten. Eines sei klar, sagte Betriebsratchef Michael Kolek: Das gute Gesprächsklima der letzten Wochen sei in jedem Fall wieder zerstört.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.02.2009)

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