Die Elektrohandelskette Saturn in der Shopping City Süd – ein von der Größe her imposantes Geschäft, täglich zum Bersten voll, Krise hin oder her. Trotzdem sahen sich die Verantwortlichen dort vor wenigen Monaten bemüßigt, eine sagen wir: recht unkonventionelle Werbeaktion zu lancieren. Sie affichierten Plakate mit einer eindeutigen Botschaft an die Konsumenten: Diese sollten tunlichst nicht bei der Konkurrenz nebenan einkaufen.
Die Konkurrenz: der Computerhändler DiTech. Rund 300 Quadratmeter ist das Geschäft groß, ein Bruchteil der Verkaufsfläche, auf der Saturn sich ausgebreitet hat. Macht nichts: Der Elektro-Goliath fühlt sich offenbar bedroht. Wahrscheinlich, weil DiTech in den erst zehn Jahren seines Bestehens bereits einen Jahresumsatz von 64 Millionen Euro erzielt. Wahrscheinlich, weil DiTech über die Jahre bereits sechs Standorte in Österreich aufgebaut hat. Wahrscheinlich, weil heuer noch fünf weitere dazukommen sollen. Wer weiß.
Tatsache ist, dass die DiTech-Story eine Erfolgsstory ist. Eine ungewöhnliche obendrein. Sie zeigt jedenfalls: Nicht nur Tellerwäscher können es zum Millionär bringen, sondern auch polnische Einwanderer.
Begonnen hat alles im Jahre 1992. Der Eiserne Vorhang war längst Geschichte und zwei 16-Jährige deutsch-unkundige Polen, Aleksandra und Damian, kamen mit ihren Familien nach Wien. Gekannt haben die beiden einander nicht. Doch wenige Jahre später, als beide Schüler ihr erstes Geld verdienen mussten, kam es zur ersten Begegnung. „Wir haben an Sonntagen vor der polnischen Kirche am Wiener Rennweg Zeitungen verkauft“, erzählen sie. Nachsatz: „Unsere Eltern haben uns nichts geschenkt. Das Geld kommt nicht aus dem Bankomat, hat es immer geheißen.“
Jobs, um die Ausbildung zu finanzieren, waren bei den beiden also an der Tagesordnung. Sie hat später gekellnert, er hat als IT-Dienstleister gejobbt. Er blieb dabei, auch Jahre später, als Aleksandra und Damian Izdebski heirateten und eine gemeinsame Wohnung bezogen. „Es war das totale Chaos“, erzählen sie. „In der Wohnung standen überall Computer.“
1999 dann die Erkenntnis: So könne es nicht weitergehen. Das Geschäft mit den IT-Dienstleistungen musste endlich einmal auf professionelle Beine gestellt werden. Es war die Geburtsstunde der Firma DiTech, das erste Geschäftslokal wurde angemietet. Ein 70 Quadratmeter kleiner Laden in der Nordbahnstraße, der mehr als 23.000 Schilling Miete verschlang – eine Zitterpartie. Bis plötzlich ein gigantischer Auftrag hereinkam: Die Wiener Diskont Bank war damals in die Insolvenz geschlittert, und plötzlich meldete sich Masseverwalter Richard Proksch bei dem polnischen Ehepaar. Er brauchte dringend Hilfe: Seine Büro-EDV war völlig veraltet und würde die Riesen-Causa wohl nicht packen, zumal ein Massenansturm verunsicherter Kunden zu erwarten war.
Unter Druck. Die Izdebskis hatten ein Wochenende Zeit. Der Druck war enorm. „Ich wusste, wenn ich das vermassle, kann ich einpacken“, erzählt Damian Izdebski. Und das Auftragsvolumen von rund einer Million Schilling war natürlich auch nicht übel. Es wurde also ein hartes Wochenende, das mit dem Herausreißen alter Kabel begann und mit der Installation des Servers in der Kanzleiküche endete.
Der Großeinstieg ins Firmengeschäft war somit erfolgreich absolviert. Also begannen die beiden, sich mit der Idee des Endkundengeschäfts anzufreunden.
Gut, dass der Friseur nebenan pleite ging. Die Izdebskis hatten somit die Möglichkeit, ihre Geschäftsfläche zu verdoppeln. Und dann ging alles ganz schnell: Übersiedlung in ein größeres Geschäftslokal, Errichtung des Online-Shops – und schließlich: die Eröffnung von DiTech-Filialen.
Heute ist DiTech der führende Computerfachmarkt des Landes, im vergangenen Jahr wurden rund 1,5 Millionen Produkte verkauft – bei PCs und Notebooks sind das Eigenproduktionen unter dem Namen „Dimotion“. Dass die so gut gehen, ist zwar erstaunlich – weil gerade in der Computerwelt ein gerüttelt Maß an Markenfetischismus herrscht. Doch die Izdebskis schwören, dass gerade der Verkauf von Eigenmarken ein echtes Asset sei: „Wenn es bei Markenware Probleme gibt, dann muss man zum Teil mit sechs Wochen Reparaturzeit rechnen, weil das Produkt an die jeweilige Firma geschickt werden muss. Bei uns geht das eindeutig schneller.“
Auch sonst hebt sich DiTech deutlich von der Konkurrenz ab: Die Verkaufsräume sind relativ leer, in einigen wenigen Regalen sind ein paar Produkte ausgestellt. Das DiTech-Konzept sieht nämlich vor, dass Computer nicht wie anderswo quasi von der Stange gekauft werden. Die Kunden sollen sich vielmehr ihre PCs gemeinsam mit EDV-Technikern für ihre speziellen Bedürfnisse zusammenstellen können.
Ganz Österreich. Das Konzept scheint aufgegangen zu sein, und die Izdebskis wälzen wieder Expansionspläne. In wenigen Wochen wird je ein Geschäft in Amstetten und in Villach eröffnet. Dann sind Oberösterreich, Salzburg und Vorarlberg dran. Das Problem ist halt: Standorte in Einkaufszentren sind gar nicht so einfach zu bekommen. Offenbar sind die dort ansässigen Elektroniksupermärkte gar nicht erbaut über Zuwachs dieser Art. Siehe oben.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.03.2009)

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