Arbeitsmarkt: Jugend ohne Arbeit

Junge Menschen sind die Ersten, die von der Wirtschaftskrise getroffen werden: Sie werden nicht eingestellt. Doch gibt es auch strukturelle Probleme, etwa Bildungsdefizite.

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(c) EPA (Andy Rain)

Wien. In Zeiten der Krise rücken die Stammbelegschaften zusammen. Die weniger werdende Arbeit wird neu verteilt. Zeitarbeiter und prekär Beschäftigte (etwa Praktikanten) müssen zuerst die Unternehmen verlassen. Und wer noch keinen Job hat, findet nicht mehr so leicht einen. Die Folge: Die Arbeitslosigkeit wächst bei jungen Menschen stärker als bei anderen Altersgruppen. Das zeigen auch die jüngsten Arbeitsmarktdaten: Im März waren in Österreich 44.085 Personen zwischen 15 und 24 Jahren arbeitslos gemeldet, das ist gegenüber dem Vorjahr ein Plus von fast 40 Prozent. Insgesamt betrug der Anstieg der Arbeitslosigkeit „nur“ 28,8 Prozent.

 

Schlechte Ausbildung ist riskant

Bei Politikern schrillen die Alarmglocken: Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) kündigte an, zusätzlich zu den 357 Millionen Euro für die Lehrlingsförderung auch 120 Millionen Euro für die Ausbildung und geförderte Beschäftigung von 20- bis 24-jährigen Arbeitslosen fließen zu lassen. Denn längst sind nicht mehr die Lehrlinge die größten Sorgenkinder auf dem Arbeitsmarkt: Die Zahl der 20- bis 24-Jährigen ohne Job ist mit 34.373 Personen dreimal so hoch wie bei den Jüngeren, der Zuwachs zum Vorjahr betrug 43,3 Prozent.

Die Krise verdeckt jedoch, dass ein Teil der Jugendlichen ganz andere Probleme hat als nur die falsche Ausbildung: etwa mangelnde sprachliche oder kognitive Kompetenzen, schlechte Umgangsformen oder fehlende Deutschkenntnisse. Solche Probleme können durch arbeitsmarktpolitische Maßnahmen nur zum Teil gemildert werden. „Hier muss man schon viel früher, in der Schule, ansetzen“, sagt Helmut Hofer, Experte am Institut für Höhere Studien (IHS). In Österreich spitzt sich Arbeitslosigkeit – deutlicher als in anderen EU-Staaten– primär in bestimmten Gruppen zu, etwa bei Schul- und Lehrabbrechern oder Migranten mit geringen Deutschkenntnissen. Studien haben gezeigt, dass die Wahrscheinlichkeit, arbeitslos zu werden, für schlecht ausgebildete Jugendliche in Österreich mehr als doppelt so hoch ist wie für qualifizierte Jugendliche. In anderen Staaten ist die Diskrepanz kleiner. Hofer sieht das Risiko, dass sich bei diesen Gruppen Arbeitslosigkeit verfestigt: „Wenn die ganze Nachbarschaft arbeitslos ist, wird dieser Zustand schnell als normal empfunden.“

 

Deutschland relativ besser

Noch ist die Jugendarbeitslosigkeit in Österreich im EU-Vergleich gering: In Spanien etwa beträgt sie 31,8 Prozent, im EU-Schnitt 17,5, in Österreich 11,3 Prozent. Insgesamt liegt Österreich bei der Arbeitslosigkeit auf dem zweitbesten Platz nach den Niederlanden. Bei der Jugendarbeitslosigkeit muss es sich aber von deutlich mehr Ländern, darunter Dänemark, Deutschland und die Niederlande, schlagen lassen. Noch liegen nicht für alle Länder aktuelle Zahlen vor.

Zum Schluss die gute Nachricht: Ein Teil der steigenden Jugendarbeitslosigkeit ist konjunkturell und saisonal bedingt: So sind überdurchschnittlich viele junge Menschen als Bauarbeiter oder Zeitarbeiter tätig. Zumindest die Lage der Bauarbeiter sollte sich schon im April verbessern.

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.04.2009)

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