12.02.2012 02:49 | Meine Presse Merkliste0

Pröll: „Es wird noch schlimmer“

15.04.2009 | 17:59 |   (Die Presse)

Die Krise beginnt erst zu blühen, Steuereinnahmen brechen weg, Defizitverfahren droht. Vizekanzler Pröll wehrt sich gegen Aussagen, Österreich drohe wie Island die „Pleite“.

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Wien (ju). „Falsch, standortschädlich, da führt jemand einen Wirtschaftskrieg gegen Österreich“: Wenn die Rede auf den amerikanischen Wirtschafts-Nobelpreisträger Paul Krugman kommt, verliert Österreichs Finanzminister und Vizekanzler Josef Pröll neuerdings leicht die Fassung.

Krugman hatte, wie berichtet, in dieser Woche Österreich wegen des hohen Osteuropa-Engagements der hiesigen Banken als „Pleitekandidaten“ eingestuft und auf eine Stufe mit Irland und Island gestellt. Und das sei, so Pröll am Mittwoch im Wiener Klub der Wirtschaftspublizisten, Teil eines „Wirtschaftskriegs“, der gegen Österreich geführt werde. Und zwar von jenen, „die den Osteuropaboom verschlafen haben und jetzt darauf warten, dass jemand den Markt verlässt, um dann die Lücke auszufüllen“.

Aber auch wenn Krugman falsch liegt: Ausgestanden ist die Krise noch nicht. Weder in Osteuropa noch in Österreich. Im Gegenteil: In den nächsten Monaten dürfte es noch deutlich nach unten gehen.

 

Probleme in Osteuropa

In Osteuropa etwa, wo die heimischen Banken (einschließlich der „ausländischen“ Institute Bank Austria und Hypo Alpe Adria) mit 300 Milliarden Euro aushaftender Kredite engagiert sind, ist laut Pröll zwar „keine Rede“ von einem Totalausfall, der die Zahlungsfähigkeit der Republik gefährden könnte. Aber mit zehn Prozent Kreditausfällen sei „realistisch“ schon zu rechnen, meint Pröll. Das wären 20 bis 30 Milliarden Euro. Aber auch in Österreich kommt das dicke Ende noch: Wenn Pröll nächste Woche die Budgetrede hält, dann liegt seinem Zahlenwerk die Annahme einer zweiprozentigen Schrumpfung der Wirtschaft in diesem Jahr zugrunde. Auf dieser Basis würde das Defizit auf rund vier Prozent und die Staatsverschuldung auf 70 Prozent des BIP ansteigen. Also über die Maastricht-Grenzen. „Wir rechnen fix mit einem Defizitverfahren der EU“, sagte Pröll gestern.

Allerdings: An nur zwei Prozent Schrumpfung glaubt niemand mehr. Die Prognosen für Deutschland liegen bei fast minus fünf Prozent, für Österreich gelten minus vier Prozent als nicht unrealistisch.

 

„Dramatischer Einbruch“

Das wird das Budget noch einmal ordentlich unter Druck bringen: „Es wird noch schlimmer“, sagt der Finanzminister mit Bezug auf die Einnahmen. „Derzeit gehen die Unternehmenssteuern schon stark zurück, die Konsumsteuern sind aber noch stabil“, sagt Pröll. Aber nicht mehr lange: „In einem halben Jahr rechne ich mit einem starken Einbruch bei den Steuern.“

Den geringeren Steuereinnahmen stehen höhere Ausgaben gegenüber: Die Arbeitslosigkeit wird in den nächsten Monaten stark steigen, eine halbe Million Arbeitslose (einschließlich der in Schulungen „versteckten“) zum Jahresschluss würden niemanden mehr überraschen. Unter solchen Umständen werde die „Konsolidierung“ der stark ansteigenden Staatsverschuldung nicht vor 2011 beginnen können, meint Pröll.

Die Totalgarantie für Spareinlagen dürfte trotzdem zum Jahresende auslaufen: Pröll sieht „derzeit“ keinen Bedarf, die Vollgarantie zu verlängern. Ab 2010 sind dann „nur“ noch 100.000 Euro pro Sparer staatlich garantiert.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.04.2009)

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585 Kommentare
 
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13
erwinerpl
21.04.2009 06:13
0 0

Was jeder weiß...

Ganz einfache Rechnung...

Kreditaußenstände österreichischer Banken allein in Osteuropa in Milliarden Euro: 200

Bruttoinlandsprodukt Österreichs im Jahr 2008 (geschätzt) in Milliarden Euro: 284

Anteil der Österreicher, die meinen, ihr Land bekomme die Wirtschaftskrise nicht stärker als andere zu spüren, in Prozent: 78

Gast: gast
20.04.2009 20:05
0 0

IST DIE REALTÄT SCHLIMMER ALS KRUGMAN SIE SKIZZIERT?

Verscherbeltes Volksvermögen u Zinslasten für 100 Jahre

20 bis 30 Milliarden Euro
machen die Cross-Border-Leasing-Verträge aus,
die Gemeinden u staatsnahe Betriebe abgeschlossen haben.

Die Tiwag hat ihr Kraftwerk Sellrain-Silz für rund 1,5 Milliarden Euro verkauft u gleich für 100 Jahre zurückgeleast.
Der Kaufpreis wurde bei ausländ, Banken deponiert.
Jetzt fallen die Depotbanken der Reihe nach um, Teile des Kaufpreises brechen weg, was bleibt, sind die Verpflichtgn der Tiwag zur Zahlg der Pacht für die nä 100 Jahre an die Hedger!

Das ist ungefähr so,
als würde ein Häuslbauer sein aus Eigenmitteln mühsam errichtetes 1-Familienhs verkaufen,
die Kaufsumme verbrennen,
sein Haus dann zurückmieten
u mit dem Mietpreis nochmals bezahlen.

Auf ähnl. Weise wurden alle 8 Donaukraft- werke verhökert, die U-Bahn u das Strassenbahnnetz der Wiener Linien, Teile des Kanalnetzes von HÄUPLS WIEN
usw usf
http://www.zeit-fragen.ch/index.php?id=2971&type=98

Gast: gast
20.04.2009 20:01
0 0

IST DIE REALTÄT SCHLIMMER ALS KRUGMAN SIE SKIZZIERT?

Verscherbeltes Volksvermögen u Zinslasten für 100 Jahre

20 bis 30 Milliarden Euro
machen die Cross-Border-Leasing-Verträge aus,
die Gemeinden u staatsnahe Betriebe abgeschlossen haben.

Die Tiwag hat ihr Kraftwerk Sellrain-Silz für rund 1,5 Milliarden Euro verkauft u gleich für 100 Jahre zurückgeleast.
Der Kaufpreis wurde bei ausländ, Banken deponiert.
Jetzt fallen die Depotbanken der Reihe nach um, Teile des Kaufpreises brechen weg, was bleibt, sind die Verpflichtgn der Tiwag zur Zahlg der Pacht für die nä 100 Jahre an die Hedger!

Das ist ungefähr so,
als würde ein Häuslbauer sein aus Eigenmitteln mühsam errichtetes 1-Familienhs verkaufen,
die Kaufsumme verbrennen,
sein Haus dann zurückmieten
u mit dem Mietpreis nochmals bezahlen.

Auf ähnl. Weise wurden alle 8 Donaukraft- werke verhökert, die U-Bahn u das Strassenbahnnetz der Wiener Linien, Teile des Kanalnetzes von HÄUPLS WIEN
usw usf
http://www.zeit-fragen.ch/index.php?id=2971&type=98

Gast: Richter
18.04.2009 19:04
0 0

Be(un)ruhigende Signale?

Das die heimische Politik nach Krugmans Sager nun alles aufmarschieren läßt was der angeschlagenen Reputation helfen könnte ist kontraproduktiv. Wer ein gutes Gewissen und seriös gewirtschaftet hat müßte diese Meinung aushalten. Die Signale von Pröll und co. bestätigen eher jene die schon immer meinten hierzulande werde nach dem Slogan: "Mochts dö Lamperl net nervös" agiert und regiert. Konrad trotzige Ansage nur über seine Leiche werden die Giebelkreuzler Geld vom Staat nehmen ist zu wenig um die Glaubwürdigkeit heimischer Politiker zu stärken.

Antworten Gast: hawkeye
20.04.2009 07:15
0 0

Re: Be(un)ruhigende Signale?

"Wenn wir das Problem der ,bad assets‘ (belastete Finanzprodukte, Anm. d. Red.) unter Kontrolle bekommen, werden wir weltweit und in Europa wieder positive Zahlen haben ..."

Der Mann ist ein _Genie_!

periskop
18.04.2009 18:01
0 0

Keine Sorge um Österreich?

Österreich muss schon jetzt weit höhere Zinsen für seine Staatsschulden zahlen als z. B. Deutschland und liegt in der Nähe von gefährdeten Staaten wie Portugal oder Griechenland. Warum wohl? Seit Ende 2006 hat sich die Staatsschuld mehr als verdoppelt und nähert sich den 70% des BIP. So eine Politik macht Geldgebern Sorge. 15-30 Milliarden Ausfälle bei den Ostkrediten gelten eher als optimistisch, Pessimisten rechnen mit dem Doppelten! Das wären weitere 20% des BIP. Auch ist die Krise keineswegs vorbei, wer weiss, was da noch alles auf Österreich zukommt? Wenn dann dazu noch eine negative Äusserung Krugmans kommt, so ist die Gefahr groß, dass Österreich noch höhere Zinsen bezahlen muss, was die Möglichkeiten der Politik noch mehr beschränken und die Pleitegefahr erhöhen würde. Deshalb die aufgeregte Reaktion unserer Staatsfunktionäre und das krampfhafte Leugnen der Gefahr!

Antworten Gast: Solerus
19.04.2009 11:04
0 0

Re: Keine Sorge um Österreich?

Die Ö-Staatsschuld hat sich seit 2006 NICHT verdoppelt, siehe

Ö-Staatsschuld (Maastricht-Kriterien)
http://www.oenb.at/isaweb/report.do?report=7.24.2

Ö-Staatsschuld
http://www.oenb.at/isaweb/report.do?report=7.21

Ö-Finanzschuldenaufwand
http://www.oenb.at/isaweb/report.do?report=7.22

harbard
18.04.2009 13:39
0 0

Juncker: „Österreich macht mir keine Sorgen“

...aber ICH mach mir sorgen um österreich!

Antworten Gast: dAa
18.04.2009 13:46
0 0

Re: Juncker: „Österreich macht mir keine Sorgen“

Österreich wurde von verantwortungslosen Politikern und Bankern abgewirtschaftet.

Es wird ein Kampf ums finanzielle Überleben, der schon begonnen hat.

Das Volk wird alles bezahlen.
Zum Schulss wird der Staat "saniert" sein (seine Schulden los sein) und das Volk wird Pleite sein.


Gast: ASVG-Sklave
18.04.2009 11:45
0 0

Notwendige Propaganda

In einer vernetzten Bankenwelt muss jeder Dominostein gestützt werden. JEDER! - Wenn einer fällt, kracht die ganze Bankenlandschaft. Was sonst können sie also sagen?

0 0

Da gibts gut begründete andere Ansichten

Ein Mitglied des dt. Weisenrates hat öffentlich seinen Unmut bekundet, dass man JEDE Bank in der BRD für systemrelevant erklärt und mit Steuergeldern rettet. Man solle einige davon ruhig in Konkurs gehen lassen. Auf diesen Reinigungsprozess dürfe man nicht verzichten. Bisher eine Einzelmeinung, aber wenn das Geld ausgeht dürfte sie Zulauf erhalten.

0 0

Wo bleibt die Finch-Analyse...

..die Konkurrenz zeigt einen eindrücklichen Chart in dem die Ostkredite in Relation zu dem BIP der verschiedenen Länder dargestellt werden.

Über die Finch Interpretation kann man streiten und polemisieren (die Amis/Ratingagenturen sollen nur ganz still sein, weil...)

Die unbetrittenen Fakten allein machen Angst und Bange. Und dass einige unserer Banken Übernahme-Kandidaten sind, wird auch offenkundig.

Bin gespannt ob Stan & Ollie das Dilemma übers Budget und also mit unser aller Geld lösen werden, um die Selbständigkeit von Raiffeisen & Co zu retten. Die KRONE wird sie bei diesem partiotischen Parforce-Ritt zu unser aller Lasten bestimmt undstützen. Wer braucht da schon eine Volksabstimmung?

Möglichweise reicht unser Geld allein nicht aus und wir müssen pikantenerweise durch die "schikanösen Brüsseler Bürokarten" vor dem Staatsbakrott gerettet werden.

Dichand & Faymann würden uns aber auch das als bodenlose Gemeinheit verkaufen


Antworten Gast: dAa
18.04.2009 13:53
0 0

Re: Wo bleibt die Finch-Analyse...

Die Ösi- Banken haben Österreich an den Abgrund gedrängt. Jetzt müssen auch noch die Steuerzahler einspringen.

Aber die Banker kassieren noch fette Boni und sitzen schon längst in der Karibik. Was sind das nur für verantwortungslose Banker? Warum passiert denen nichts?

Was die getan haben ist doch glatt Hofverrat.
Früher wurde man dafür am nächsten Baum gehängt - ohne Verfahren.
Heute gibt es nicht einmal ein Verfahren.


Antworten Antworten Gast: gast
18.04.2009 14:58
0 0

Hofverrat? Früher ohne Verfahren, heute gibt es nicht mal ein Verfahren?

Nur für den Fall, daß dies kein satirischer Beitrag war, der sich auf "den gesunden Hausverstand" (Ahnungslosigkeit, gepaart mit Obergescheitheit) bezieht, der dieser Tage so virulent grassiert in diesem Lande:

Erstaunlich, welche hirntoten Gestalten hier herumgeistern.

0 0

Ganz ohne Polemik

Die wahnwitzigen Geschäfte mit US-Immobilien werden zu recht kritisiert, Verantwortliche, soweit sie ausgemacht werden können, geschasst, gar vor Gericht gezerrt.

Unsere Banker haben bisher noch nicht die geringste Schelte erhalten (zumindest von offizieller Seite - Stan & Ollie werden sich hüten) von Untersuchungen ganz zu schweigen. Im Gegenteil.Sie schwelgen weiter - und zwar unter öffentlichem Beifall - in Ost-Fantasien. Und die Ursache für die ganze Malaise schieben sie den Ams in die Schuhe.

Problembewältigung a la Konrad & Pröll. Zahlen sollens wir Bürger, wenns nicht reicht haben die ja immer noch die EU oden den IWF. Hauptsache die Ostgeschäfte gehen weiter, denn die "Leute dort wollen ja unseren Wohlstand" - mit unserem Geld? muss man sich fragen.

Gast: Graf Gudenus
18.04.2009 10:43
0 0

Es wäre eine staatmannische Tat,

wenn Österreich sich Luxembourg UNTERstellt.

Paige
17.04.2009 19:57
0 0

Man sollte sich aber Sorgen machen.

Durch die angedrohte Vermögenssteuer werden Investoren abgeschreckt, Vermögende vertrieben und der Mittelstand dazu gezwungen, sein Erspartes von den Banken zu holen, um es in umgewandelter Form zu verstecken.

Durch die Diskreditierung von echten A.s wie Krugman könnten wir zusätzlich in eine Bonitätskrise geraten; denn nirgendwo spielt Vertrauen so viel Rolle wie an der Börse und im Wirtschaftsleben.

Den Sozis, die dauernd den Neidkomplex schüren und damit den Pöbel aufhetzen, um weiter alles verprassen und verludern zu können, gehört der Kragen umgedreht.

Antworten Gast: gast
17.04.2009 21:00
0 0

Glashaus in Scherben.

Ahja, "die Sozis" hetzen den Pöbel auf, aber Sie rufen dazu auf, ihnen den Kragen umzudrehen?

Antworten Antworten Paige
17.04.2009 21:55
0 0

Ja ja,

das tät euch so passen, dass man sich wehrlos ergibt, was?

Antworten Antworten Antworten Gast: gast
18.04.2009 13:11
0 0

Re: Ja ja,

Ich bin kein Sozi. Nimm weniger Drogen.

Antworten Antworten Antworten Antworten Paige
18.04.2009 16:05
0 0

Schaun Sie,

was Sie sind, ist mir wurscht.

Aber ich weiß, dass es vielen Sozis peinlich ist, öffentlich zuzugeben, wen sie wählen... und ich versteh das auch.

Aber es ist nicht mein Problem.

Zu meinem obigen Kommentar: Lernen Sie Texte in Ihrer Gesamtheit zu beurteilen, nicht einzelne Phrasen daraus aus dem Kontext zu reißen, Sie tun sich dann wirklich leichter im Leben und man hält Sie vielleicht dann weniger oft für einen dämlichen Linken (was Ihnen ja sehr unangenehm ist)...

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: gast
19.04.2009 21:26
0 0

Re: Schaun Sie,

Achja, "in ihrer Gesamtheit" sind ihre Texte ja von gänzlich anderer Bedeutung. Holistisch erfahren, stellen sie einen Quell des Wohlwollens dar; und wenn man einzelne Passagen zitiert, sind sie grundsätzlich "aus dem Kontext gerissen". Kenn man.

Ein schwaches verbales Rückzugsgefecht.

Nimm weniger Drogen.

Re: Schaun Sie, ruhig Blut! PISA läßt schön grüßen!


Gast: e.e.
17.04.2009 18:58
0 0

Nettozahler

Mit einem Staatsbankrott könnten wir keine Nettozahler sein.
Oder doch?

Antworten Paige
17.04.2009 19:58
0 0

Re: Nettozahler

Vergiss das. Wir werden zahlen, solange bis wir selbst ein Entwicklungsland sind.

Antworten Antworten Gast: gast
18.04.2009 14:59
0 0

"Hausverstand"-geadelter Wirtschaftsexperte Paige, to the rescue.

Erklär uns, wie der Hase läuft, Du obergescheiter Durchblicker.

 
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