Österreich holt 110 Tonnen Gold zurück

Nach Deutschland und den Niederlanden nun also auch Österreich: Bis 2020 will die Nationalbank 110 Tonnen Gold nach Wien zurückgeholt haben.

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Gold – APA/ROBERT JAEGER

Die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) wird einen Großteil der im Ausland gelagerten Goldvorräte nach Wien zurückholen. Konkret geht es um 110 Tonnen des Edelmetalls, die dem Vernehmen nach in kleinen Tranchen bis ins Jahr 2020 komplett nach Österreich gebracht werden sollen. Ein Großteil des Goldes wird aus den Tresoren der Bank of England in London kommen, denn dort lagern bisher rund 80 Prozent der insgesamt 280 Tonnen österreichischen Goldreserven; der  gesamte Goldschatz ist rund 9,8 Milliarden Euro wert. In Zukunft will OeNB-Gouverneur Ewald Nowotny 50 Prozent des Währungsgoldes aber in Wien verwahrt wissen, rund 30 Prozent in Großbritannien und 20 Prozent in der Schweiz.

Ein entsprechender Bericht der “Kronen Zeitung” wurde der “Presse” am Freitag-Abend aus Notenbankkreisen vollinhaltlich bestätigt. Nach Deutschland und den Niederlanden ist Österreich damit das dritte europäische Land, das sein Gold wieder nach Hause holt. Die offizielle Präsentation der neuen “Goldstrategie” soll in der kommenden Woche stattfinden, heißt es aus der OeNB. Die Entscheidung kommt nur drei Monate nachdem der Rechnungshof die Zentralbank für die Behandlung der Goldreserven harsch kritisiert hat. „Für das Management der Goldreserven der OeNB lag keine Gesamtstrategie vor“, hieß es damals.

Keine Gründe für die Entscheidung genannt

Die Nationalbank nennt bisher keine konkreten Gründe für die Entscheidung. Anders als die Niederlande und Deutschland, hat Österreich kein Gold in den USA gelagert. Die Entscheidung entspricht aber einem größeren Trend: In vielen europäischen Ländern gibt es seit der Finanzkrise wachsenden Druck seitens der Öffentlichkeit und der Politik, die Goldreserven wieder im Inland zu lagern. In Österreich betreibt der FPÖ-Abgeordnete Gerhard Deimek seit einigen Jahren eine derartige Initiative.

Auch wenn die direkte Bindung der Währungen an Gold seit Anfang des 20. Jahrhunderts aufgegeben wurde, spielt das Edelmetall für die Zentralbanken weiterhin eine bedeutende Rolle. Die extrem lockere Geldpolitik seit der Krise hat zudem vielerorts Angst um die dauerhafte Werthaltigkeit von “Papiergeld” ausgelöst. Das Edelmetall ist die einzige echte “Reserve” einer Notenbank und die einzige “Währung”, die auch im absoluten Krisenfall (wie etwa in der Lehmankrise) problemlos handelbar ist.

Die Eurozone ist mit Gold gut versorgt. Mit rund 10.000 Tonnen halten die Euroländer gemeinsam die größten Goldreserven der Welt. Auf Platz zwei liegen die USA mit rund 8000 Tonnen. Asiatische Länder – allen voran China – haben in den vergangenen Jahren große Zukäufe gemacht. Ebenso Russland. Diese Länder halten bisher im Vergleich zu ihren großen Währungsreserven aber relativ wenig Gold. Die 280 Tonnen Gold der Republik entsprechen derzeit rund 45 Prozent der gesamten Währungsreserven.

(''Die Presse'', Print-Ausgabe, 22.05.2015)

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