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Nowotny: „Wir haben das nicht glauben können“

08.05.2009 | 18:33 |  MATTHIAS AUER (Die Presse)

OeNB-Chef Nowotny sieht sich durch die Osteuropa-Korrektur des IWF bestätigt. Das Ostrisiko der heimischen Banken hat sich dadurch aber nicht in Luft aufgelöst.

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St. Gallen. Einen „Warnschuss“ für all jene, die Zahlen veröffentlichen, bevor sie ausreichend geprüft sind, nennt Ewald Nowotny, Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank, den Fehler, den der Internationale Währungsfonds am Donnerstag eingestehen musste. Wie „Die Presse“ berichtete, hatte sich der IWF in seinem „Global Financial Stability Report 2009“ bei den Verschuldungsraten der osteuropäischen Länder krass verrechnet. Er hatte die Lage der Länder teilweise bis zu viermal schlechter dargestellt als in der nun korrigierten Fassung.

Der Bericht hatte im April internationale Gerüchte geschürt, dass Österreich aufgrund des starken Engagements seiner Banken in der Region der Staatsbankrott ins Haus stehe. Zweifellos sei der IWF ein seriöses Institut mit einer enormen Analysekapazität, sagte Nowotny am Rande der Wirtschaftsgespräche in St. Gallen. Diese Zahlen habe die Nationalbank aber von Beginn an nicht glauben können. Er fühle sich durch die Nachbesserung des IWF in seiner Position bestärkt.

Das Ostrisiko der heimischen Banken hat sich dadurch aber nicht in Luft aufgelöst. „Man muss realistisch sagen, dass es in der Region große Probleme, unter anderem mit dem Anteil von Fremdwährungskrediten am gesamten Kreditaufkommen, gibt“, sagt Nowotny. Die heimischen Banken haben 200 bis 300 Mrd. Euro (inklusive der im Auslandsbesitz stehenden Institute Bank Austria und Hypo Alpe Adria) an offenen Krediten in Osteuropa ausstehend.

Auch nach der Korrektur sind die Verschuldungsraten einiger Länder immer noch hoch. Das tatsächliche Risiko stellt sich in den unterschiedlichen Staaten aber höchst unterschiedlich dar. So hat die EU etwa kürzlich das Osthilfepaket für ihre Mitgliedsländer von 25 auf 50 Mrd. Euro verdoppelt. Hinzu kommen für diese Staaten allein in den nächsten zwei Jahren 105 Mrd. Euro an EU-Strukturhilfen. Das sollte das Risiko etwa in Rumänien und Polen kalkulierbar machen. Der Ukraine, wo die Raiffeisenbank den Löwenanteil des Kreditmarktes hält, hilft das allerdings wenig.

 

Industriepaket ist auf Schiene

In Summe werden die heimischen Banken aber auch allfällige Ausfälle ohne zusätzliche Kapitalspritzen überstehen, erwartet der Notenbanker. Internationale Studien gehen von bis zu 30 Prozent an Kreditausfällen in der Region aus. Dennoch soll das 100 Mrd. Euro schwere Bankenpaket der Republik ausreichen, der Garantiefonds wird voraussichtlich nicht einmal zur Gänze aufgebraucht werden.

Ein Teil der 100 Mrd. Euro soll nun bald der Industrie zugutekommen. „Es ist ein Programm in Arbeit, nach dem in Kürze zehn Mrd. Euro aus diesem Fonds als Garantien für Industriekredite der Banken vergeben werden“, sagt Nowotny. Details über die Abwicklung, etwa zu welchem Zinssatz sich die Industrieunternehmen finanzieren können, seien derzeit noch in Verhandlung. Mit dem Industriepaket soll auch der zuletzt ausgetrocknete Kapitalfluss in Richtung Unternehmen wieder in Gang gebracht werden. Zwar ist das Kreditvolumen in Österreich in den vergangenen Monaten noch gestiegen.

 

Furcht vor „De-Globalisierung“

Die Finanzierung über Kapitalmärkte oder Auslandskredite sei jedoch stark rückläufig, erklärt Nowotny. Kleinere und mittlere Unternehmen leiden zudem unter strengeren Kreditbedingungen der Banken bei gleichzeitiger Verschlechterung ihrer eigenen Bonität.

Eine günstigere Finanzierungsmöglichkeit für die Industrie soll auch dem entgegenwirken, was nach Ansicht des Notenbankers die größte Gefahr für die heimische Wirtschaft darstellt: der Rückgang des Welthandels.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.05.2009)

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54 Kommentare
Gast: gast
09.05.2009 23:23
0 0

Der Werkstudent ist schuld -)

Ja das kommt davon , wenn sich der Werkstudent, der es wirklich rechnet, bei der Eingabe ins Excel vertippt hat .. Das alle von ihm abgeschrieben haben, und weil es ja der Computer gesagt hat, dass auch geglaubt haben, ist ja nicht seine Schuld -)-)-)-)

Gast: ET
09.05.2009 11:04
0 0

Österreichs Banken haben nicht nur ein Ostrisiko!

Mich wundert es schon lange, dass nur auf das Ostrisiko hingewiesen wird, die laufenden Geschäfte in Österreich aber kaum Beachtung finden.
Nach dem Einbruch beim Geschäftsvolumen der Industrie muss mit einer kommenden Insolvenzwelle gerechnet werden (HTI, Polytec, etc. schwimmen schon) und damit auch mit hohen Ausfallsraten. Zusätzlich werden, durch die stark steigenden Arbeistlosenzahlen, auch viele Privatkredite abgeschrieben werden müssen.

Ich meine, es wäre die Aufgabe des NB Präsidenten, alle Parameter in seine Überlegungen einzubeziehen. Das Gesamtrisiko ist wahrscheinlich nicht viel geringer geworden.

enzo
09.05.2009 09:53
0 0

Ich dachte immer

Ein Chef der NÖBank muß was wissen ,aber wenn er in seinem Geschäft mit "Glauben" durchkommt der Experte von Parteis Gnaden.Eventuell sollte das nächstemal ein Theologe den Posten besetzen.

pasalubong
12.05.2009 19:50
0 0

Re: Ich dachte immer

kanns noch schlimmer werden?
einen versuch wär¿s auf jeden fall wert.

Gast: raubritter
09.05.2009 07:38
0 0

Die Shorties

werden schon für den Rechenfehler dankbar gewesen sein. Der Wert einer Krugman Aussage ist damit auch definiert, aber der "Rest" der hängt ist trotzdem nicht kleiner geworden.

Antworten Gast: tradenstattreden -)-)
09.05.2009 23:17
0 0

Re: Die Shorties

Ja sicher ,, und die Shorties sind dann auch rechtzeitig wieder long gegangen ... einfach weil nur Amateure etwas auf die Meinung von Leuten geben, die selber keinen einzigen Euro im Markt haben, und ihr Geld nur mit Geschreibsel verdienen -)-)-)

hw
09.05.2009 00:20
0 0

Wir haben das nicht glauben können

das sagt auch sehr viel. glauben!
glauben, dieses wort gibts gerade in den theologischen wissenschaften.
in der wirtschaftswissenschaft gibts dafür in der regel einen fezen.

unglaublich was für leute an der spitze sitzen.

hw
09.05.2009 00:15
0 0

richtig!

das risiko ist genau gleich wie vorher.

und aufgeschoben ist nicht aufgehoben.

Gast: freitag
08.05.2009 21:43
0 0

Alles hängt von stabilen Ostwährungen ab

Der IWF hat sich bei der Gegenüberstellung von Schulden zu den Währungsreserven verrechnet.

Bei der Asienkrise sind die Währungsreserven in wenigen Tagen wie Schnee in der Sonne geschmolzen. Diese wurden eingesetzt um den Verfall der eigenen Währung zu stoppen.

Bei der ähnlich gelagerte Osteuropakrise hängt auch alles davon ab, ob der Rückgang der Ostwährungen aufgehalten wird. Sonst erhöhen sich die Schulden in Fremdwährung überproportional und unsere Banken werden zusätzlich erhebliche Kreditausfälle haben.

Gast: amuesiert
08.05.2009 18:53
0 0

Der IWF

wird von Amerikanern gefuehrt. Bei dem Schuldenberg den Herr Obama gerade anhaeuft ist jede Publicity, die die Aufmerksamket auf andere Brennpunkte legt, ausserordentlich wichtig. Es passt auch genau in die Politik die man unter Mithilfe der Nato zur destabilisierung dieser Region betreibt. Das der Herr Schaksvili dabei fliessend Englisch spricht und lange in den USA gelebt hat, macht die Sache auch sprachlich einfacher.
Die Chinesen werden General Motors uebernehmen und die Treasury Zinsen uebersteigen bereits die 3 % Grenze. Wer jetzt noch an den Dollar glaubt ist selber schuld.

Paco
08.05.2009 19:59
0 0

Re: Der IWF

>>Der IWF wird von Amerikanern gefuehrt.<<

Der IWF* wird traditionell von einem Europäer geführt (derzeit vom Franzosen Strauss-Kahn), bei der Weltbank** war es seit der Gründung immer ein US-Amerikaner (derzeit Robert Zoellick).

* http://de.wikipedia.org/wiki/Internationaler_Währungsfonds
[...] Der IWF wird von einem „geschäftsführenden Direktor“ (Managing Director) geleitet. Gemäß einer informellen Vereinbarung zwischen den USA und einigen westeuropäischen Ländern ist der Direktor des IWF immer ein Europäer, während die einflussreiche Position des ersten stellvertretenden Direktors (First Deputy Managing Director) von einem US-Amerikaner besetzt wird. [...]

** http://de.wikipedia.org/wiki/Weltbank
[...] Gemäß gängiger Praxis stellen die USA stets den Präsidenten der Weltbank und Europa den Vorsitzenden des Internationalen Währungsfonds. Hier eine Aufstellung der Präsidenten mit Angabe der Amtszeit: [...]

Antworten Antworten Gast: abc
09.05.2009 19:27
0 0

Re: Re: Der IWF

Trotzdem haben die Amerikaner mit rund 17% den größten Einfluss auf den IWF...

Knieriem
08.05.2009 18:17
0 0

Ein bißerl verrechnet!

Und da regen sich bei uns alle auf, daß die österreichischen Schüler im PISA-Test so schlecht abschneiden. Vielleicht sollte man die Beamten des IWF einmal diesem Test unterziehen.

Steininger
08.05.2009 16:35
0 0

Es drängt sich die Vermutung auf,

daß der kleine Irrtum, der ja umgehend dazu benutzt wurde um die Stabilität des € zu unterminieren, nicht ganz unbeabsichtigt war.
Jedenfalls haben sich diverse Klugmänner und Krugmänner ganz schön exponiert mit ihren Aussagen.
Nach dem Motto: wie richte ich als Einzelperson ohne jedes Verantwortungsgefühl den maximalen Schaden an und vergrößere damit mein Ego?

Paige
08.05.2009 19:48
0 0

Da die Werte

oft um mehr als das Doppelte falsch lagen, gehe ich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon aus, dass das Absicht war...

gg17
08.05.2009 18:27
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Re: Es drängt sich die Vermutung auf,

Krugman hat aber nicht schuld wenn sich der IWF verrechnet und er darauf vertraut.
Das so eine aktion vorsätzlich ist will ich mir nicht vorstellen.
Dass sie zu katastrophalen Folgen hätte führen können ist sehr beängstigend.

Gast: kuksi
08.05.2009 15:11
0 0

alle paar tage eine andere meldung

wie kann man nur solche meldung vor der eu-wahl hinaus posauen...
stimmt doch alles nicht, so ein blödsinn. die neuen dazu gekommen oststaaten haben doch bei weiten nicht so hohe defizite. unglaublich.
eu-lügen soweit das reicht.

der graf
08.05.2009 15:05
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Na freilich, es gibt eigentlich gar keine Krise


... alles nur rechenfehler, ein kleiner bug, sonst nichts! leute, jetzt werden wir alle fuer voll bloed verkauft. es wird suggeriert das eigentlich das eh alles voll OK ist... und die meisten werden das auch glauben wenn man nur genug TV schaut und zeitung liest...

hw
09.05.2009 00:22
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Re: Na freilich, es gibt eigentlich gar keine Krise

genau das gefühl habe ich auch.

Gast: mow
08.05.2009 14:42
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Reputation

Wie heisst es doch.:Vertrauen ist Gut Kontrolle ist besser.Dieser Fehler hat uns Reputation in der Welt und eine Stange Geld gekostet.Wer ist nun Verantwortlich ? Wieder keiner?Genuegt wieder eine Rechtfertigung ?

FJP
08.05.2009 14:37
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Qualität wie Ratingagenturen

Hat der IWF arbeitslose Mitarbeiter von Ratingagenturen übernommen? Das ist anzunehmen, denn auch diese Schwachköpfe lesen aus dem Kaffeesud und haben dazu keine Konsequenzen zu befürchten, wenn sie in den Gatsch gegriffen haben.
Nehmt den "Experten" die Tabellenkalkulationsprogramme weg und gebt ihnen einen antiken Abakus zum rechnen, das würde besser dazu passen.
Und für diese Experten müssen alle zahlen?

Gast: Deutscher
08.05.2009 14:19
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Es ist alles eine Frage des Blickwinkels!

Finanzstastiken nur von Griechenland erstellen lassen und alles wird gut!

Gast: samIam
08.05.2009 13:23
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typisch

wiedermal ein Beweis dafür was diese großen Organisationen wie IWF, UN, und ähnliche Witzkreaturen taugen.
Zweifelhafte Experten, Korruption, Machtgeilheit, krankhafte Vetternwirtschaft usw. führen zu solchen Analysen und sonstigen Fehleinschätzungen.
Allein durch Abschaffung solcher Monsterinstitutionen würde man einen kleinen Teil dazu beitragen, wirklich die Armut zu bekämpfen und ein wenig Wohlstandsverbesserung für jene die es dringend notwendig haben zu bringen.

0 0

Hat man die Villen und Häuser als Gegenwert in Mitteleuropa bei der Zählung der ausständigen Kredite vergessen ?Hat man vergessen,dass einer der großen Gläubiger Herr Berlusconi selbst ist,der über seine Bank Austria einige der Kredite besichern könnte, und nicht auf österreichische Unterstützung angewiesen ist ?


Paige
08.05.2009 13:09
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http://direktanlage.ttweb.net/!extern/jcharts/gifs/1162670450R1241780854139.gif

Es geht aufwärts. Jetzt sind wir nur mehr durch irgendwelche Propheten und durch unsere verschwendungssüchtigen Politheinis gefährdet...

Paige
08.05.2009 13:15
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opsa

Der Link geht nicht. Dann der da:
http://diepressecom.ttweb.net/NearRealtimeDetail.asp?http://diepressecomda.ttweb.net/home/securityDetail.asp?reduced=true&referer=diePresse&SymbolName=tts-400019