WIEN (cim). „Ernüchternd, aber nicht aussichtslos“, so nennt Peter Peer, Kopräsident der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV) den Ausblick auf die Sommersaison. Denn die Krise trifft, nachdem sie den Winter einigermaßen verschont hat, nun den heimischen Sommertourismus.
Mehr als jeder Zweite (58 Prozent) will sein Reiseverhalten ändern, das besagt eine Befragung von 300 Österreichern und 300 deutschen Österreich-Urlaubern der Karmasin Motivforschung.
42 Prozent bleiben bei ihren Urlaubsplänen. Der Rest geht heuer auf Schnäppchenjagd, informiert sich vorab besser, vergleicht und sucht billigere Herbergen. Den Urlaub kürzen oder ganz streichen wollen rund 20 Prozent der Befragten. „Das Urlaubsbudget bleibt grundsätzlich stabil, aber die Gäste wollen aus dem Angebot das Beste herauspressen“, sagt Motivforscherin Sophie Karmasin.
Trübsal in den Hotels
Die Stimmung ist auch bei den Hoteliers trüb. In den Städten verzeichnen sie schon seit Monaten starke Einbußen, „nun ist der gute Winter auch für die Ferienhotellerie Geschichte“, sagt Peer. Er spricht jetzt von „starken Rückgängen bei den Buchungen“.
70 Prozent der Hoteliers erwarten für den laufenden Sommer (von Mai bis Oktober) großteils deutlich sinkende Nächtigungszahlen, so eine Deloitte-Umfrage im Auftrag der ÖHV. Gut ebenso viele rechnen mit weniger Umsatz als im Sommer 2008. Das wird auch an den Zimmerpreisen liegen: Jeder zweite Hotelier meint, dass er seine Preise heuer schlechter durchsetzen wird können als vor einem Jahr. Peer nennt diese Mischung – weniger Gäste, weniger Umsatz, schlechtere Preise – „fatal“.
Die Hoteliers steigen nun auf die Bremse: Fast jeder zweite will seine Investitionen reduzieren, 67 Prozent wollen beim Einkauf und 46 Prozent bei den Mitarbeitern sparen. Das wird vor allem Saisonniers und befristete Arbeitskräfte im Tourismus treffen.
In Summe prognostiziert Michael Kövesi von Deloitte dem heimischen Tourismus heuer ein Minus bei den Nächtigungen von einem Prozent, in Wien um vier bis fünf Prozent. „Im schlechtesten Fall könnten die Nächtigungen in Wien um zehn Prozent fallen“, sagt der Tourismusexperte. 2010 dürfe die Branche aber schon wieder mit Erholung rechnen, zumindest im Vergleich zu heuer.
Wandern wichtiger als Krise
Die Krise allein, so meint die große Mehrheit der Befragten, ist noch kein Grund, heuer den Sommerurlaub in Österreich zu verbringen. Nur für eine Minderheit ist Österreich als nahe Destination durch die Krise interessanter geworden.
Auf diese „Krisengäste“, die Flug- und Benzinkosten heuer sparen wollen, hofft die Branche. Ein solcher Trend sei aber „nicht sehr stark wahrnehmbar“, so Karmasin. Viel größere Zugkraft, so die Motivforscherin, haben noch immer die Berge, die Natur, das Essen und die freundlichen Menschen. Auf Vormarsch sind nach wie vor Wander- und Wellnessferien, Badeurlaube verlieren an Attraktivität.
Reichste Urlauber aus Österreich
Dass die Urlauber heuer sparen, zu dem Schluss kommt auch eine Studie des Instituts IPSOS. Der zufolge wollen die österreichischen Haushalte ihr Ferienbudget zwar um 93 Euro kappen, sind mit im Schnitt 2333 Euro in der Urlaubskasse aber die reichsten Reisenden im Vergleich. (Untersucht wurden die Haushaltsbudgets in Frankreich, Deutschland, Großbritannien, Italien, Spanien, Belgien.)
Hierzulande spart man auch vergleichsweise wenig: Im Schnitt hat ein europäischer Haushalt sein Urlaubsbudget um sechs Prozent (140 Euro) auf 2066 Euro gekürzt.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.06.2009)

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