Ex-Bawag-Chef Elsner: „Ich bin selbst gelegt worden“

Ex-Bawag-Chef Helmut Elsner fordert die Neuauflage seines Verfahrens und beschuldigt die damalige ÖGB-Spitze, ihn zum Sündenbock gemacht zu haben, um die Bawag vor der Wahl 2006 aus den Schlagzeilen zu bringen.

Helmut Elsner
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(c) Presse Digital

Wien. Ex-Bawag-Generaldirektor Helmut Elsner macht nun Druck auf Wiederaufnahme seines Verfahrens im Zusammenhang mit der Bawag-Affäre, das ihm eine (teilweise abgebüßte) Verurteilung wegen Untreue eingebracht hat. Kern der Strategie: Er sei nach Auffliegen des Bawag-Skandals bewusst zum Sündenbock gemacht worden, weil das die schnellste Methode gewesen sei, die Bawag aus den Schlagzeilen zu bringen. Dieses wiederum sei aus Sicht des früheren Bawag-Eigentümers ÖGB notwendig gewesen, um die damals bevorstehenden Nationalratswahlen 2006 nicht zu belasten.

Zur Erinnerung: Der Bawag-Skandal war nach dem Zusammenbruch des US-Finanzunternehmens Refco, mit dem die österreichische Bank intensive Geschäftsbeziehungen unterhalten hatte, aufgeflogen. Refco hatte mithilfe von kurzfristigen Bawag-Krediten seine wahre Finanzlage lange verschleiert. Nach dem Zusammenbruch hatten Geschädigte eines kurz zuvor erfolgten Börsengangs eine Sammelklage gegen die Refco-Emissionsbanken eingebracht – und gedroht, diese auf die Bawag auszudehnen.

Elsner sagte im Gespräch mit der „Presse“, er glaube nicht, dass dies tatsächlich geschehen wäre. Allerdings hätte die Unsicherheit über eine Milliardenklage in den USA den österreichischen Wahlkampf stark beeinflusst.

Der damalige Bawag-Eigentümer, ÖGB, löste dieses Problem mit einem schnellen Vergleich: 900 Mio. Dollar gegen Klagsverzicht. Was Elsner dabei aufregt: Im (der „Presse“ vorliegenden) Vergleichsvertrag geben die Österreicher (repräsentiert unter anderem durch den jetzigen Nationalbankgouverneur, Ewald Nowotny – damals Bawag-Chef –, und den jetzigen Sozialminister, Rudolf Hundstorfer – damals ÖGB-Chef) nicht nur Verwicklungen der Bawag in die Refco-Pleite zu, sondern beschuldigen dezidiert „frühere Bawag-Vorstände“ (gemeint sind Elsner und dessen damaliger Vize, Johann Zwettler), das Finanzringelspiel zur Verschleierung der Refco-Verluste „orchestriert und angeleitet“ zu haben. Elsner bestreitet das und gibt an, von Refco-Chef Bennett (der wegen dieser Betrügereien in den USA noch bis zum kommenden Jahr einsitzt) selbst „gelegt“ worden zu sein.

Die Erklärung, dass die Österreicher diese schwerwiegenden Beschuldigungen in den Vertrag genommen hätten, um die Sache möglichst vor der Nationalratswahl zu bereinigen, untermauert Elsner nun mit einer (der „Presse“ ebenfalls vorliegenden) Aussage des damaligen Anwalts der Sammelkläger, John P. Coffey, vor dem zuständigen New Yorker Gericht. Dieser gibt dort an, er habe bei den Gesprächen den Eindruck gehabt, die Bawag stehe unter „beträchtlichem Druck“, einen Refco-Vergleich schnell über die Bühne zubringen, weil die Sache sonst wahrscheinlich zu einem „signifikanten Thema des nächsten Wahlkampfs“ werde. Elsner will die Dokumente, wie er der „Presse“ sagte, demnächst dem Gericht vorlegen, um eine vor Monaten beantragte Wiederaufnahme seines Verfahrens voranzubringen.

 

Druck auf Wolfgang Flöttl

Druck machen will der 80-jährige Ex-Bawag-General aber auch noch einmal gegen Wolfgang Flöttl, der ebenfalls kurz nach der Jahrtausendwende im Rahmen der Karibik-II-Geschäfte der Bawag angeblich 1,8 Mrd. Dollar mit Währungsswaps verspekuliert hatte. Elsner, der beklagt, dass sich das Gericht während seines Prozesses nicht für den Verbleib dieses Geldes interessierte, glaubt nicht an die Spekulationstheorie und beschuldigt seinen früheren Geschäftspartner unter anderem, das Geld zwischen Karibik-Gesellschaften hin- und hertransferiert und den Betrag dabei durch hohe Transaktionsspesen verringert zu haben. Er will unter anderem Kontoauszüge vorlegen, die beweisen sollen, dass auf den entsprechenden Konten noch im Dezember 2000 dreistellige Millionenbeträge vorhanden gewesen seien. Zu einem Zeitpunkt, zu dem Flöttl der Bawag schon erklärt hatte, dass das Geld weg sei.

Dass die Karibik-II-Geschäfte, die der Bawag hohe Verluste bescherten, illegal gewesen seien, bestreitet Elsner: Nach den noch unter Elsners Vorgänger Flöttl durchgeführten Karibik-I-Geschäften, die 1994 viel Staub aufwirbelten, bestätigte das Finanzministerium der Bawag in einem Brief, dass diese Offshore-Geschäfte ohne Schaden zurückgeführt worden seien – und die Bank auch künftig „Risikoauswahl und Risk-Management an externe Stellen“ auslagern dürfe.

Elsner wird am 21. Dezember in einem von der Bawag gegen ihn angestrengten Prozess vor Gericht erscheinen. Er werde dabei entsprechende Unterlagen vorlegen. Der herzkranke Ex-Bawag-General war zu einer zehnjährigen Haftstrafe verurteilt und nach 4,5 Jahren wegen Haftunfähigkeit entlassen worden. Seither kämpft er um die Wiederaufnahme seines Verfahrens.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.12.2015)

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