Metall, Licht und die Stadt der Zukunft

Beim Melker Familienbetrieb Fonatsch gehört Straßenbeleuchtung seit Jahrzehnten zum Kerngeschäft. Futuristisch anmutende Neuentwicklungen inklusive - da wird dann ein Lichtmast auch schon einmal zur E-Bike-Ladestation.

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(c) Clemens Fabry

In der Stadt der Zukunft werden Lichtmasten eine ganz zentrale Rolle spielen, meint man bei der Firma Fonatsch in Melk. Ja, ganz im Ernst. Weil es solche Masten nämlich jetzt schon überall gibt. Und weil es schon bald welche geben soll, die sehr viel mehr können als Leuchtmittel tragen. Sie sollen ein Steuerungssystem für stromsparende, dimmbare Leuchten enthalten und mit weiteren Funktionen ausgestattet sein: WLAN-Hotspots, Ladestationen für Handys, E-Bikes, sogar für Elektroautos.

Straßenbeleuchtung ist schon seit Langem das Kerngeschäft des Melker Familienbetriebs, dessen Erzeugnisse vielerorts präsent sind. Unter anderem auch in Wien, auf der Reichsbrücke, der Donauinsel, auf dem Schwarzenbergplatz. Und bei Straßenbahnstationen, denn das Unternehmen stellt auch Masten für die Anzeigetafeln her. Die neuen, multifunktionalen Lichtmasten sollen im kommenden Jahr auf den Markt kommen.


Sicherheit für Kinder. Von einer anderen Neuentwicklung aus dem Melker Unternehmen ist ein Prototyp seit wenigen Tagen in Betrieb: „Station“ heißt sie, sieht aus wie ein futuristisch angehauchtes Buswartehäuschen und ist auch genau das. Völlig transparent und – durch ein Solarmodul und eine Batterie, die unter der Sitzbank montiert ist – energieautark. Die Idee stammt von Geschäftsführer Alexander Meissner, im Blick hatte er dabei vor allem Kinder im ländlichen Raum, die täglich mit dem Bus zur Schule fahren müssen. Viele werden mit dem Auto zur Busstation gebracht und dort auch wieder abgeholt. Bei den auf dem Land üblichen Wartehäuschen aus Holz sei das Risiko groß, dass die Kinder, um nach dem Bus oder dem Auto der Eltern Ausschau zu halten, auf die Straße laufen, sagt Meissner. Die transparenten Wände ermöglichen ihnen freie Sicht, ohne dass sie die Station verlassen müssen. Bei Dunkelheit ist die Station zudem beleuchtet – mit gedimmtem Licht, das über einen Bewegungsmelder so gesteuert wird, dass es heller wird, wenn jemand das Wartehäuschen betritt. Auch das soll für mehr Sicherheit sorgen. Und das, ohne dass ein Anschluss ans Stromnetz nötig ist. Der Schaukasten für Fahrplan und Werbung ist ebenfalls via Fotovoltaik beleuchtet. Drei weitere Standorte für solche Stationen sind schon fix, mögliche Zusatzausstattungen ebenfalls: WLAN und E-Bike-Ladestationen sollen auch hier bald angeboten werden.

Licht ist für das Unternehmen das eine große Thema, das andere ist Metall. „Schon mein Urgroßvater hat als Hufschmied mit Eisen gearbeitet“, erzählt Firmeninhaberin Marie Luise Fonatsch. Auch die Metallbeschläge für die Räder von Wagen haben ihre Vorfahren hergestellt. Die heutige Firma gründeten ihre Eltern vor gut 50 Jahren, der erste Gewerbeeintrag des Familienbetriebes lautete noch auf Landmaschinenbau und Kleinhandel mit Landmaschinen und landwirtschaftlichen Geräten. Erst an dritter Stelle kam damals die Schlosserei. Der erste Auftrag, einen Lichtmast zu fertigen – für Prinzersdorf – ließ jedoch nicht lang auf sich warten. In weiterer Folge kam es dann zur Spezialisierung auf Straßenbeleuchtungen. 1980 waren Schlosserarbeiten und Masten längst zum Kerngeschäft geworden.

„Mein Vater hat Pioniergeist, er hat sich immer etwas Neues einfallen lassen“, sagt Fonatsch. „Das Unternehmen haben meine Eltern auf die grüne Wiese gebaut, es wurde immer wieder erweitert, es war ein wachsender Familienbetrieb.“ Ein Familienbetrieb im wahrsten Sinne des Wortes – auch räumlich gesehen, mit Wohnhaus, Büro und Werkstatt auf demselben Grundstück. „Deshalb waren auch die Eltern für uns Kinder immer präsent“, sagt Fonatsch,

Und deshalb wuchs die Tochter buchstäblich im Betrieb auf und in das Unternehmen hinein, das sie heute gemeinsam mit Geschäftsführer Meissner leitet. Ihr Metier ist die kaufmännische Seite, sie hat eine kaufmännische Ausbildung und macht, wie sie sagt, „bis hin zur Lohnverrechnung und Bilanzbuchhaltung alles selbst“. Meissner ist Ingenieur, „er ist derjenige, der bei den Kunden ist“.


Familienbetrieb. Einer der beiden jüngeren Brüder der Inhaberin, Markus Fonatsch, arbeitet als Produktionsleiter ebenfalls im Familienbetrieb, der zweite „macht etwas völlig anderes“. Trotz der Nähe zum Betrieb habe es immer genug Freiräume gegeben, betont sie. In der nächsten Generation könnte sich das so fortsetzen: Fonatsch hat zwei Töchter, eine davon studiert an der technischen Universität. „Und die zweite ist Konditorin.“

Heuer im Juni feierte das Unternehmen mit einem „Lichtfest“ das 50-Jahr-Jubiläum. Schöner Zufall, dass das gut zu jenem Motto gepasst hat, das die UNO dem Jahr 2015 gab – „Internationales Jahr des Lichtes und der lichtbasierten Technologien“. Im Vorjahr gab es auch etwas zu feiern: Da wurde eine neue, 1250 Quadratmeter große Produktionshalle eröffnet. „Ein neues Bürogebäude haben wir ebenfalls gebaut“, erzählt Fonatsch.

Dass man kräftig in den Standort investiert habe, bedeute aber nicht etwa, dass man an der eigenen Unternehmensstruktur etwas ändern wolle: „Wir sind ein kleinstrukturiertes Unternehmen.“ Als Familienbetrieb mit konstanter Mitarbeiterzahl, aber auch in dem Sinne, dass man, wie Meissner sagt, den „Dialog mit den Kunden“ sehr wichtig nimmt. Beispielsweise setzt man auch Einzelprototypen um. Und Wunschdesigns.

Die Stammbelegschaft besteht aus 35 Mitarbeitern – großteils langjährigen, was gut und wichtig sei, „weil alle ein spezielles Fachwissen haben“, wie die Firmeneigentümerin betont. Im ländlichen Raum angesiedelt zu sein, sei da ein Vorteil, Mitarbeiter zu finden, die lang im Betrieb bleiben, sei hier einfacher als in großen Ballungsräumen. Ein Kollege sei sogar schon seit 39 Jahren da. Man bilde aber auch Lehrlinge aus, „das machen wir schon seit Jahrzehnten“.

Lichtmasten aus Melk stehen auch in der nordrumänischen Kleinstadt Saniob. Jahr für Jahr fahren Marie Luise und Markus Fonatsch, Geschäftsführer Meissner und weitere Helfer dorthin und bringen Masten samt Zubehör mit, die dann an Ort und Stelle montiert werden. „Vier Tage wird gearbeitet, und wenn wir heimfahren, leuchten die Lichtmasten“, schildert Fonatsch.

Hilfe für Rumänien. Das geschieht im Rahmen des Hilfsprojekts Auro-Danubia, das unter der Schirmherrschaft des Melker Abtes Georg Wilfinger steht. Mehrere Waisenhäuser kamen so zu einer Außenbeleuchtung, aber auch andere Gebäude und Straßenzüge im Ort, und jedes Jahr werden es mehr. Beim Fest zum Jubiläum habe der Abt denn auch Glückwünsche des Bürgermeisters von Saniob verlesen, erzählt Fonatsch, immer noch sichtlich gerührt. „Das war Emotion pur.“

Fakten

Das Unternehmen. Es wurde 1965 gegründet und macht mit 35 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von 4,5 Millionen Euro.

Innovationen. Neue Produktlinien des Unternehmens haben nicht nur Beleuchtung, sondern auch Vernetzung als zentrales Thema. Etwa in einen Lichtmast integrierte WLAN-Hotspots oder Ladestationen. Ebenfalls wichtig: das Design.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.12.2015)

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