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Krisenbewältigung: Neuer Milliardenfonds für die Industrie

28.06.2009 | 18:24 |  HEDI SCHNEID (Die Presse)

Nur Bares ist Wahres – nach diesem Motto soll ein Geldtopf nach ERP-Vorbild bei der Kontrollbank angesiedelt werden, um eigenkapitalschwachen Betrieben aus einem Liquiditätsengpass zu helfen.

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Wien.Zehn Milliarden Euro an Haftungen für Kredite übernimmt der Staat für Österreichs Industrieunternehmen – das entsprechende Unternehmensliquiditätsstärkungsgesetz(ULSG) wurde schon vom Ministerrat abgesegnet. Haftungen allein sind aber zu wenig, zumal die Banken die Kreditschraube noch fest angezogen halten und Milliarden bei der Europäischen Zentralbank bunkern (die „Presse“ berichtete am 27. Juni).

Angesichts des Mangels an Eigenkapital, der viele Unternehmen in eine bedrohliche Schieflage bringt, haben die Topberater Gottwald Kranebitter (KPMG), Manfred Reichl (Ex-Roland-Berger) und Wieland Schmid-Schmidsfelden (DLA Piper Weiss-Tessbach) die Erfahrung gemacht: „Nur Bares ist Wahres.“

Sie krempelten daher kurzerhand ihre Ärmel auf und schlossen sich zu einem „Thinktank“ zusammen. Das Ergebnis, das Unterstützung der Industriellenvereinigung (IV) findet: Aus einem neuen Fonds, der mit bis zu fünf Milliarden Euro gespeist wird, sollen der Industrie direkt lebensnotwendige Mittel zufließen.

„Die Krise trifft nicht nur Firmen, die aus Missmanagement oder Fehlplanung in Schwierigkeiten sind, sondern vor allem auch jene, die viel investiert haben, innovativ waren und über Akquisitionen gewachsen sind“, erklärt Reichl den Ausgangspunkt. „Wenn ihnen nicht rasch geholfen wird, drohen genau diese Gazellen zum Schnäppchen von Finanzhaien zu werden.“ Dies wolle man ebenso verhindern wie eine Re-Verstaatlichung.

 

Geld für 500 Unternehmen

Nach Einschätzung des Trios kommen ungefähr 500 Industriebetriebe in Frage – die Liste reicht von Engel über Palfinger, KTM, Lenzing bis Unitec. Sorgen, dass der Fonds nicht genügend Mittel einsammeln könnte, haben die Experten nicht. Geld sei nach wie vor vorhanden – bei Finanzinstituten ebenso wie bei privaten Investoren. Es müsse nur kanalisiert werden, sagt Kranebitter. Als Vorbild diene der ERP-Fonds, der nach dem Krieg für die Mittelstandsförderung gegründet wurde und jetzt vom Austria Wirtschaftsservice verwaltet werde.

Den Geldsack sollen Banken, Versicherungen, Energieversorger und private Investoren füllen. Ein dreiköpfiger Vorstand, für den man ebenso wie für den Aufsichtsrat „Schwergewichte“ der heimischen Wirtschaftsszene gewinnen will, soll den Fonds verwalten.

Vergeben soll das Geld nach strengen Kriterien werden, die sich weitgehend mit jenen des ULSG decken. Das heißt, dass Unternehmen aus allen Branchen (außer Finanzdienstleister) mit 50 bis 750 Millionen Umsatz und mehr als 250 Beschäftigten in Frage kommen, die ein stabiles Geschäftsmodell aufweisen und historisch Gewinne erzielt haben.

Um das festzustellen, soll ein Expertenteam eine strenge Unternehmensprüfung (Due Dilligence) vornehmen. Und natürlich muss es einen langfristigen Businessplan geben. Wichtig sei, dass dies schnell und effizient gehe, meint Schmid-Schmidsfelden.

Spätestens nach drei bis fünf Jahren soll das Geld – im Schnitt geht der Thinktank von 20 Millionen Euro pro Unternehmen aus – wieder zurückgeführt werden. Da es in Form von Mezzaninkapital fließen soll, habe es Eigenkapitalcharakter (auch in der Bilanz) und sei auch billiger als ein normaler Kredit, meint Kranebitter. Nach fünf Jahren sollte die Krise bewältigt sein – und der Fonds seine Schuldigkeit getan haben.

Was passiert dann mit dem Geld? „Wir könnten uns vorstellen, dass ein echter Private-Equity-Fonds entsteht, dessen Gelder wiederum der Wirtschaft zugute kommen“, meint der KPMG-Mann.

AUF EINEN BLICK

Ein neuer Fonds soll der Industrie dringend benötigte Mittel zur Verfügung stellen, um die Krise zu überleben. Das Projekt, das drei heimischeWirtschafts- und Rechtsexperten entwickelt haben, soll bei der Kontrollbank angesiedelt werden.

Die Vergabe der Gelder – bis zu fünf Milliarden Euro – soll streng geprüft werden. Der Bezieherkreis: rund 500 forschungsintensive und innovative Unternehmen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.06.2009)

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6 Kommentare
Gast: ET
29.06.2009 09:55
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Milliardenfonds für die Wirtschaft!

aber nur für 500 Unternehmen von 320.000!

Auch wenn die Überlegung richtig ist, dass die Unternehmen hauptsächlich Probleme haben weil das Eigenkapital wegen laufender Verluste schmilzt, so ist der Ansatz nur 0,15% der Unternehmen mit Eigenkapital zu helfen eher nutzlos. Auch wird damit verhindert, dass eventuelle Insolvenzen zu einer Marktbereinigung beitragen können. Mit dieser Maßnahme wird also die Heilung der Wirtschaft unterdrückt.

Eine Chance zu Heilung der Privatwirtschaft haben wir aber noch. Bis das Konzept umgesetzt ist, müssen noch viele Schritte gegangen werden, auch die intensiven Prüfungen brauche ein Zeit. Ich meine, die Gelder werden frühestens Mitte 2010, eher gegen Ende 2010 zu fliessen beginnen. Zu diesem Zeitpunkt könnte die Marktbereinigung schon erfolgt sein.

Gast: 123
29.06.2009 09:28
0 0

Diese verrotteten Strukturen sollen nicht künstlich am Leben erhalten werden

Diese Großbetriebe werden nur noch künstlich am Leben erhalten weil allen klar ist dass da nichts mehr nachkommt, was diese ersetzen könnte. Jedoch sind die Strukturen der meisten Großbetriebe in unserem Land von innen her verrottet und nicht mehr innovationsfähig. Man huldigt sich selbst und welche Großtaten man (in der Vergangenheit) vollbracht hat. Diese Selbstzufriedenheit der Sargnagel für eine zukünftge Entwicklung. Mittelfristig wird es die Unternehmen nicht mehr geben.
Von den vielen Opfern der Krise, die ihren Job verloren haben, sollten Viele dabei sein die Gut in ihrem Job sind und Ideen für neues haben. Derzeit müsste ein Unternehmensgründungsboom herrschen. Der bleibt jedoch aus. Deshalb errodiert die produktive Basis in Österreich.Nur dort wo Menschen mit dem Drang ihre mieserable Situation zu verbessern und dabei sich (ökonomisch) frei entfalten können gibt es Wachstum. Diese Situation scheint derzeit nur noch in den armen Schwellenländern gegeben zu sein.Hierzulande in einer "perfekten" Gesellschaft, in der alle makellos sind und sich alle gegenseitig "lieb" haben will keiner mehr ein Risiko eingehen, da Fehler in dieser Gesellschaft nicht vorkommen dürfen. Man kann alles machen nur keine Fehler, aber mit dieser Einstellung kann man eigentlich nichts mehr Neues oder gar Riskantes beginnen sondern nur bewahren. Absolutes Sicherheitsdenken eben.Mit dieser Entwicklung zur perfekten Gesellschaft ist der Unternehmergeist in unserem Land zu Grabe getragen worden.

Gast: economist
29.06.2009 09:23
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Interessant

doch lässt der Artikel folgende Fragen offen:
1. Was hat die Kontrollbank damit zu tun? Die wird nur im Summary erwähnt!
2. Ist es doch nur wieder Private Equity, wo Private einen allzugroßen Einblick in die Konkurrenz werfen können?
3. Wenn ich die Top-Berater nicht will, was mach ich dann? Ich will zB keine Berater (Roland Bergers oder ähnliches Zeug) in meinem Betrieb!

Gast: Oskar
29.06.2009 08:14
0 0

Kapitalisten werden zu Kommunisten, wenn das eigene Geld in Gefahr ist

Fabrikverlagerungen gen Osten sind doch normalerweise das Geschäft dieser Berater. Jetzt sind sie auf das Anzapfen von Steuergeldern umgestiegen. So funktioniert aber nicht die Marktwirtschaft. Oder will man auf einmal ganzheitlich denken?

Ganzheitliches Denken war doch jahrelang out, wovon einige wenige zum Schaden der Gemeinheit ganz vorzüglich gelebt haben, auch diese Berater. Jetzt, wo das letzte Stündlein schlägt, appellieren sie an die gemeinsamen Werte. Laßt die Eigentümer doch pleite gehen, die Unternehmen werden deshalb noch lange nicht verschwinden. Nur die Versager werden ausgetauscht.


Gast: Gunther
28.06.2009 22:42
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HALT! Jetzt sollten erst einmal die Mindestpensionisten und Alleinerzieherinnen drankommen.

Diese Politiker haben alles mögliche im Kopf. Ausländer, die Industrie, ihre Seilschaften, halbseidene NGOs, aber eines nicht: DIE ÖSTERREICHER.

Antworten Gast: Union Jack
29.06.2009 07:45
0 0

Re: HALT! Jetzt sollten erst einmal die Mindestpensionisten und Alleinerzieherinnen drankommen.

Also mir ist wichtig, dass ich einen Job habe. Dazu brauche ich Unternehmen, die mich anstellen. Damit sie das tun müssen sie stark sein. Das ist meine Meinung als ÖSTERREICHER.

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