Wien.Zehn Milliarden Euro an Haftungen für Kredite übernimmt der Staat für Österreichs Industrieunternehmen – das entsprechende Unternehmensliquiditätsstärkungsgesetz(ULSG) wurde schon vom Ministerrat abgesegnet. Haftungen allein sind aber zu wenig, zumal die Banken die Kreditschraube noch fest angezogen halten und Milliarden bei der Europäischen Zentralbank bunkern (die „Presse“ berichtete am 27. Juni).
Angesichts des Mangels an Eigenkapital, der viele Unternehmen in eine bedrohliche Schieflage bringt, haben die Topberater Gottwald Kranebitter (KPMG), Manfred Reichl (Ex-Roland-Berger) und Wieland Schmid-Schmidsfelden (DLA Piper Weiss-Tessbach) die Erfahrung gemacht: „Nur Bares ist Wahres.“
Sie krempelten daher kurzerhand ihre Ärmel auf und schlossen sich zu einem „Thinktank“ zusammen. Das Ergebnis, das Unterstützung der Industriellenvereinigung (IV) findet: Aus einem neuen Fonds, der mit bis zu fünf Milliarden Euro gespeist wird, sollen der Industrie direkt lebensnotwendige Mittel zufließen.
„Die Krise trifft nicht nur Firmen, die aus Missmanagement oder Fehlplanung in Schwierigkeiten sind, sondern vor allem auch jene, die viel investiert haben, innovativ waren und über Akquisitionen gewachsen sind“, erklärt Reichl den Ausgangspunkt. „Wenn ihnen nicht rasch geholfen wird, drohen genau diese Gazellen zum Schnäppchen von Finanzhaien zu werden.“ Dies wolle man ebenso verhindern wie eine Re-Verstaatlichung.
Geld für 500 Unternehmen
Nach Einschätzung des Trios kommen ungefähr 500 Industriebetriebe in Frage – die Liste reicht von Engel über Palfinger, KTM, Lenzing bis Unitec. Sorgen, dass der Fonds nicht genügend Mittel einsammeln könnte, haben die Experten nicht. Geld sei nach wie vor vorhanden – bei Finanzinstituten ebenso wie bei privaten Investoren. Es müsse nur kanalisiert werden, sagt Kranebitter. Als Vorbild diene der ERP-Fonds, der nach dem Krieg für die Mittelstandsförderung gegründet wurde und jetzt vom Austria Wirtschaftsservice verwaltet werde.
Den Geldsack sollen Banken, Versicherungen, Energieversorger und private Investoren füllen. Ein dreiköpfiger Vorstand, für den man ebenso wie für den Aufsichtsrat „Schwergewichte“ der heimischen Wirtschaftsszene gewinnen will, soll den Fonds verwalten.
Vergeben soll das Geld nach strengen Kriterien werden, die sich weitgehend mit jenen des ULSG decken. Das heißt, dass Unternehmen aus allen Branchen (außer Finanzdienstleister) mit 50 bis 750 Millionen Umsatz und mehr als 250 Beschäftigten in Frage kommen, die ein stabiles Geschäftsmodell aufweisen und historisch Gewinne erzielt haben.
Um das festzustellen, soll ein Expertenteam eine strenge Unternehmensprüfung (Due Dilligence) vornehmen. Und natürlich muss es einen langfristigen Businessplan geben. Wichtig sei, dass dies schnell und effizient gehe, meint Schmid-Schmidsfelden.
Spätestens nach drei bis fünf Jahren soll das Geld – im Schnitt geht der Thinktank von 20 Millionen Euro pro Unternehmen aus – wieder zurückgeführt werden. Da es in Form von Mezzaninkapital fließen soll, habe es Eigenkapitalcharakter (auch in der Bilanz) und sei auch billiger als ein normaler Kredit, meint Kranebitter. Nach fünf Jahren sollte die Krise bewältigt sein – und der Fonds seine Schuldigkeit getan haben.
Was passiert dann mit dem Geld? „Wir könnten uns vorstellen, dass ein echter Private-Equity-Fonds entsteht, dessen Gelder wiederum der Wirtschaft zugute kommen“, meint der KPMG-Mann.
■Ein neuer Fonds soll der Industrie dringend benötigte Mittel zur Verfügung stellen, um die Krise zu überleben. Das Projekt, das drei heimischeWirtschafts- und Rechtsexperten entwickelt haben, soll bei der Kontrollbank angesiedelt werden.
■Die Vergabe der Gelder – bis zu fünf Milliarden Euro – soll streng geprüft werden. Der Bezieherkreis: rund 500 forschungsintensive und innovative Unternehmen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.06.2009)

Yigg
Webnews
Mr. Wong
Delicious
Facebook
Scoop
Google
Chrysler, Dodge, Jeep Das Sterben der US-Kultmodelle
Buwog-Affäre Das Who is Who der Akteure
Kreativ Die Welt der Werbung











