Anstieg der Arbeitslosigkeit verlangsamt sich

Im Jänner 2016 kletterte die Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vorjahr um 3,7 Prozent. Das ist verglichen mit den Vormonaten eine Verlangsamung. Doch von einer Trendwende kann noch lange nicht gesprochen werden.

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(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Wien. Am gestrigen Montag hat der neue Sozialminister, Alois Stöger (SPÖ), erstmals die jüngsten Arbeitslosenzahlen präsentiert. Demnach hatten 490.246 Personen keinen Job. Das ist im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von 3,7 Prozent. Von diesen 490.246 Personen machten 65.257 eine Schulung beim Arbeitsmarktservice (AMS). Die Zahl der vorgemerkten Arbeitslosen kletterte auf 424.989 Menschen. Erfreulich ist, dass die Arbeitslosigkeit im Jänner mit 3,7 Prozent langsamer gestiegen ist als in den Monaten zuvor. Dies kann als Anzeichen für eine leichte wirtschaftliche Erholung gewertet werden. Denn die Zahl der beim AMS gemeldeten offenen Stellen hat sich im Vergleich zum Vorjahr um 45,5 Prozent auf 33.431 erhöht. Hinzu kommt der bislang relativ milde Winter, der sich positiv auf die Baubranche auswirkte.

Trotzdem kann noch lange nicht von einer Trendwende gesprochen werden. Alle Experten gehen davon aus, dass die Arbeitslosigkeit in den nächsten Monaten weiter steigen wird. Ein Grund dafür ist unter anderem die Zuwanderung. Im Jänner 2016 waren beim AMS 21.575 Asylberechtigte und subsidiär Schutzberechtigte gemeldet. Die meisten kamen aus Syrien (6.810), Afghanistan (4.789) und Russland/Tschetschenien (3.378).

Viele von ihnen sind nicht besonders gut ausgebildet. 77 Prozent der aus den fünf größten Nationalitätengruppen stammenden Asylberechtigten haben laut AMS-Angaben nur einen Pflichtschulabschluss. 9,1 Prozent verfügen über eine höhere Ausbildung, und 5,8 Prozent sind Akademiker. Die meisten Flüchtlinge sind allerdings noch gar nicht auf dem Arbeitsmarkt angekommen. Denn die Regierung steht beim Zugang auf der Bremse. Abgesehen von Ausnahmefällen dürfen Flüchtlinge in Österreich erst arbeiten, wenn sie einen positiven Asylbescheid erhalten. Die Industriellenvereinigung und die Wirtschaftskammer treten hier für eine Lockerung ein.

Das AMS geht davon aus, dass heuer zusätzlich 30.000 Flüchtlinge auf den Arbeitsmarkt drängen werden. In Summe ist die Arbeitslosigkeit bei Personen mit nicht österreichischer Staatsbürgerschaft im Jänner um 10,1 Prozent gestiegen. Dies hängt nicht nur mit der Flüchtlingssituation zusammen.

 

Verdrängungswettbewerb

Auf dem Arbeitsmarkt zeichnet sich seit längerer Zeit ein Verdrängungswettbewerb ab. So nehmen beispielsweise jüngere Zuwanderer aus Rumänien und der Slowakei Menschen aus der Türkei, die schon viele Jahre in Österreich leben, den Job weg. Bei den Inländern stieg die Arbeitslosigkeit im Jänner um 2,6 Prozent.

Verschärft hat sich weiters die Situation bei älteren Arbeitslosen. Im Jänner gab es 113.083 Personen, die älter als 50 Jahre alt waren und einen Job suchten. Das ist im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von 8,2 Prozent. Dies hängt unter anderem mit der Erhöhung des Pensionsantrittsalters zusammen. Hinzu kommt, dass ältere Mitarbeiter in vielen Branchen und Unternehmen wesentlich teurer sind als jüngere. Experten wie Professor Wolfgang Mazal von der Universität Wien schlagen daher eine Verflachung der Gehaltskurve ab einem bestimmten Alter vor. Überdurchschnittlich stark gestiegen ist auch die Arbeitslosigkeit bei Frauen (plus 6,5 Prozent) und bei Menschen mit besonderen Bedürfnissen (plus fünf Prozent).

 

Mehr arbeitslose Akademiker

Ein Lichtblick ist die Situation bei Jugendlichen (unter 25 Jahre) – hier ging die Arbeitslosigkeit um 1,1 Prozent zurück. Besonders viele Arbeitslose haben nur einen Pflichtschulabschluss. Doch auffallend ist, dass zunehmend Akademiker arbeitslos werden. Bei ihnen gab es im Jänner im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von 17,5 Prozent. Doch das mit Abstand höchste Arbeitslosigkeitsrisiko ergibt sich nach wie vor für Personen, die keinen über die Pflichtschule hinausgehenden Bildungsabschluss vorweisen können.

Laut Sonderauswertung des AMS lag im Gesamtjahr 2015 die Arbeitslosenquote bei Menschen, die nur eine Pflichtschule absolviert haben, bei 26 Prozent. Bei Lehrlingen waren es 7,8 Prozent, und bei Akademikern kam man auf eine Quote von 3,4 Prozent.

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(c) Die Presse

Gemäß Statistik Austria hat sich in Österreich der Anteil der Akademiker an der Bevölkerung von 5,3 Prozent im Jahr 1991 auf mittlerweile 13,1 Prozent erhöht. Die Arbeitslosenquote bei den Akademikern stieg aber im gleichen Zeitraum lediglich um 0,6 Prozentpunkte. Da die meisten Flüchtlinge nur über einen Pflichtschulabschluss verfügen, ist hier eine Ausbildungsoffensive notwendig. Das Institut für Höhere Studien (IHS) sagt, dass letztendlich die Jobs darüber entscheiden werden, ob die Flüchtlingswelle gut oder schlecht ist für Österreich.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.02.2016)

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