AUA-Übernahme am seidenen Faden

02.07.2009 | 08:53 |  REGINA PÖLL UND HEDI SCHNEID (Die Presse)

Die EU vertieft die Prüfung der Übernahme und verlangt weitere Zugeständnisse. Ende Juli läuft definitiv die Uhr ab. Hofft die Lufthansa am Ende gar auf einen Konkurs der AUA?

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Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes lässt sich nicht unter Druck setzen. Bis zuletzt hatten sie und Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber um Streckennetz, Start- und Landerechte gepokert. Allen Forderungen von Kroes wollte oder konnte Mayrhuber aber nicht nachgeben.

Kroes setzt daher den Schritt, der sich schon am Dienstag abzeichnete („Die Presse“ berichtete): Sie unterzieht die Übernahme der AUA durch die Lufthansa einer vertieften kartellrechtlichen Prüfung. Denn die Kommission müsse nach ihrer anfänglichen Prüfung befürchten, „dass das Vorhaben auf einigen Strecken zu höheren Preisen und einem verringerten Flugangebot führen könnte“, so Kroes am Mittwochabend. Es bestünden „ernste Zweifel, ob das Vorhaben ohne angemessene Abhilfemaßnahmen mit dem Binnenmarkt vereinbar ist“. Außer den Konkurrenten der jetzt schon sehr starken Lufthansa müssten die Verbraucher geschützt werden.

„Ich hoffe, dass wir in den kommenden Wochen eng mit Lufthansa zusammenarbeiten und gemeinsam Lösungen finden werden, um diese Bedenken rechtzeitig auszuräumen“, sagte Kroes und signalisierte damit, dass sie, wie berichtet, die 90-Tages-Frist für die vertiefte Prüfung nicht ausschöpfen wird. Eine Entscheidung wird es dem Vernehmen nach noch im Juli geben. Die EU hält für die AUA quasi die Uhr an, was EU-Experten zufolge einzigartig ist.

Kroes kommt der AUA entgegen, weil sie weiß, dass die Lufthansa Ende Juli aussteigen kann und der Deal dann geplatzt wäre – mit fatalen Folgen für die marode AUA. Mitte Juli dürfte es zum Showdown kommen. Denn neben der wettbewerbsrechtlichen Prüfung läuft ein zweites Verfahren:

EU-Verkehrskommissar Antonio Tajani prüft die 500 Millionen Euro schwere Staatsbeihilfe für die AUA. Er habe seine Entscheidung bereits getroffen und werde sie gleichzeitig mit Kroes verkünden, ließ Tajani am Mittwoch durchblicken. Während Tajani die Geldspritze als einmalige Hilfe genehmigen will, pochte Kroes noch auf ein „Ja, aber“: Die Mittel müssten als staatliche Beihilfe gewertet werden, könnten aber unter Auflage strenger Restrukturierungsmaßnahmen gebilligt werden.

Der seidene Faden, an dem das Schicksal der Austrian Airlines hängt, wird also immer dünner. Offen ist, wie weit Mayrhuber nachgibt. Er kann den Deal auch platzen lassen, wenn sich die Übernahme nicht mehr rechnet.

Der Knackpunkt ist der Verkehr zwischen Österreich und Deutschland. Mayrhuber hat betont, dass es hier keine Auflagen geben könne, weil die EU das bestehende Joint Venture zwischen Lufthansa und AUA schon genehmigt habe. Jetzt fordert Kroes genau auf diesen lukrativen Routen die Abgabe von Strecken an die Konkurrenz.

Swiss als mögliches Vorbild

Sollten die Forderungen von Kroes den Businessplan für die AUA nachhaltig ändern, müsste Mayrhuber noch einmal seinen Aufsichtsrat damit konfrontieren, heißt es. Dort wächst angesichts der Luftfahrtkrise der Widerstand gegen eine AUA-Übernahme.

Insider schließen nicht aus, dass dem Lufthansa-Chef das Schreckensszenario für die AUA – ein Konkurs – gar nicht ungelegen käme. Dann könnte er die Fluglinie schuldenfrei übernehmen. Bei der Swiss hat dies funktioniert.

Faymann: "Keine Gefahr"

Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) sieht nach der Entscheidung der EU-Kommission für eine vertiefte Prüfung keine Gefahr für den Verkauf der AUA. "Ich persönlich glaube, dass die nächsten zwei Wochen Klarheit bringen werden", sagte Faymann am Rande des SPÖ-Sommerfestes. EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso habe ihm zugesagt, dass er sich persönlich darum kümmern werde.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.07.2009)

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41 Kommentare
 
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Gast: rabbit
03.07.2009 08:30
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"Faymann ist zuversichtlich"

Na wenn das so ist...
Da kann man sich eigentlich nur mehr bekreuzigen, Gott hab die AUA selig.

Was wirklich geschah und selbst die Krone, Österreich und Heute verschlafen haben:

Belauschtes Gespräch zwischen Gusis Rotweinlieferanten in Bruxelles und unserem Grinsekanzler vor ca. 2 Wochen:
GK: Grüss Dich B
B: Wer sind Sie?
GK: Na der Nachfolger von Dein Spezi Gusi
B: Gusi? Spezi?
will sich abwenden
GK: Aber wast eh, i bin aner von denan, die di wöhln solln. Aus Austria. Compris?
B: Oh qui, Autriche. Vine Rouge, Gusenbaueeer. Ich verstee.
GK: Alsdann, i wöhl' di, aber Du schaust, das des mit unserer AUA über die Bühne geht.
B: Qui, Qui, dacore. Aber ich abe doch noch kein Programm.
GK: Mscht nix. I a net.

ABER KLAR DOCH...


...das Deal geht glatt über die Bühne. Da sind schon dick ausgepolsterte Kuverts an den Richtigen Stellen in Brüssel gelandet.

Gast: gast
02.07.2009 10:57
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Schachern auf Europaebene

Die Frau Kroes sollte einmal ihre Nase in die Erpressertarifpolitik von Air France stecken. Da sind die AUA und Lufthansa tarife Discount preise. Und Herr Barroso verspricht etwas zu tun, aber wird ohnedies nichts machen. Dafuer muessen wir Oesterreicher ihm den A...... .....en und obendrein der Verlaengerung seines Postens zustimmen.

Re: Schachern auf Europaebene

PUI Gack! Graust Ihnen vor gar nichts?

Re: Schachern auf Europaebene

Das ist aber üblicher Vorgang für die Österreicher...

Die Österreicher müssen in der Regel den meisten Menschen und Landern den A...... .....en und obendrein sich bedanken...

Zu spät

Wir hätten den ganzen Laden vor 10 Jahren verklopfen sollen - aus einer stärkeren Position heraus.

Gast: Balduin Hugo
02.07.2009 10:49
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irgendwie bin ich froh,

dass die 500 Millionen verschenktes(!) Steuergeld endlich zu einem Mühlstein um den Hals der AUA geworden ist.
Schon letztes Jahr habe ich mich fürchterlich über diese Wettbewerbsverzerrung geärgert und fühlte mich dem überbordenden Kapitalismus ausgeliefert.
Man mag manches schlechtes an der EU auszusetzen haben, aber dieses Verfahren zwingt Machenschaften ans Licht, die lieber im Dunkel gelassen worden wären.

Dass man die Staatshilfe nun nachträglich mit angeblich verlangten Umstrukturierungsmaßnahmen billigen will ist einfach un-er-träg-lich.

Ein Konkurs wäre für den Steuerzahler noch fataler - aber die Leute, die für dieses Fiasko verantwortlich zeichnen, sollten öffentlich geächtet werden.

Es ist schon wieder sehr lustig!!!

Faymann sagt, dass er mit Barossa darüber gesprochen haette...

Österreicher brauchen anscheinend sogar für das verscherbeln des Staatseigentums Beziehungen!!

Antworten Gast: fly me high
02.07.2009 11:04
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Re: Es ist schon wieder sehr lustig!!!

Das berühmte Vitamin "B", diesmal Barosso.
Die Ös waren noch nie gut in etwas mit Gewinn zu verkaufen. Die wurden selber immer verkauft, haben dabei untätig zugesehen und haben sich dafür noch höflich bedankt. In sich über den Tisch ziehen lassen, da sind sie einfach Weltmeister.

Gast: ET
02.07.2009 09:13
0 0

Passt doch super!

Wenn der Deal nicht durchgeht, dann ist die AUA, ein Staatsbetrieb, sehr schnell insolvent.
Damit passt das sehr gut zum Staat Österreich, welcher schon bald in die Zahlungsunfähigkeit schlittert. Wie der Hund so das Herrl!


Gast: markus trullus
02.07.2009 09:08
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in zeiten wie diesen...

... haben nur preussisch- sparsam geführte unternehmen eine chance, zu überleben. Etwas, was österreichisch- halbstaatlichen Unternehmen ein fremdwort ist, im gegensatz zur privatwirtschaft. Aua und airport Vienna gehören da eben dazu, auf kosten des steuerzahlers einen sumpf an politischen netzwerken, überhöhten gehältern, wenig leistungsdenken und unwirtschaftlichem führen zu werkeln. man stelle sich vor: statt 500 Mio auf 900 Mio - so ohne was erhöht. Das ist der pure wahnsinn, und die republik hat noch einige solche feuerchen am brennen... lasst die Aua umtergehen. Endgültig. Es stehen genügend andere gesellschaften in den startlöchern, den echten bedarf zu befriediegen...

Gast: kreelie noes
02.07.2009 08:22
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Die Kommissarin

Es ist schon verwunderlich, dass eine Fusion von KLM (112 Flugzeuge) und Air France (256 F.) von einer EU-Kommission so einfach durchgewunken wurde, und jetzt eine holländische Kommissarin bei der Übernahme der AUA (41 F.) durch die LH (250 F.) monatelang prüfen und massive Auflagen geben muß.
Kartellrechtliche Prüfungen schön und gut, aber nach gleichen Regeln und nicht zum Schutz dir eigenen Klientel.

Re: Die Kommissarin

na da haben Sie sich aber verzählt - Die Flotte der Lufthansa Gruppe (inkl. Lufthansa CityLine, Lufthansa Italia, Air Dolomiti, Eurowings, Germanwings, Augsburg Airways, Contact Air, und SWISS) umfasst 531 Flugzeuge und ist somit die drittgrösste Flotte der Welt!

Antworten Antworten Gast: airbus380
02.07.2009 15:41
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Re: Re: Die Kommissarin

So ein quatsch, 500 Flugzeuge haben vielleicht große amerikan. Fluglinien, aber doch keine Europäische...
Da könnte man ja gleich alle Flugzeuge der Star Allianz zusammenzählen

Re: Die Kommissarin

Laut wikipedia besitzt die Lufthansa Konzernweit 497 Flugzeuge und gehört damit zu den weltweit grössten Fluggesellschaften.

Darüberhinaus ist die Tochtergesellschaft Lufthansatechnik weltweiter Marktführer für Flugzeug instandsetzung.

Antworten Gast: Geldesel
02.07.2009 10:11
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Re: Die Kommissarin

Der Unterschied sind die 500.000.000 Euro Staatszuschuß, die wettbewerbsverzerrend sind. Ohne Staatszuschuß hätte es sicherlich ein ok gegeben.

Antworten Gast: geiger
02.07.2009 10:04
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Re: Die Kommissarin

Erstens: KLM und Air France fusionierten durch Aktientausch, also keine Komplettübernahme wie bei der AUA.
Zweitens: bei KLM hat es sehr wohl Auflagen gegeben (Abgeben von Flugstrecken, die ersten 4 Jahre mussten beide Gesellschaften sogar getrennt operieren).
Es gibt Gott sei Dank auch Komissare die nicht die eigene Klientel bedienen (z.B. unser Fischler).
Wettbewerb fördern heisst Kaufkraft stärken, aber davon können unsere nationalen Politiker und Behörden offensichtlich nur schwafeln (siehe Supermarktketten).

Gast: kukuku
02.07.2009 08:20
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was geht das brüssel an ?

dieser verkauf geht meiner meinung nach den eu-bonzen einen feuchten kehricht an. das dadurch die flugtickets auf gewissen Strecken teurer werden, ist nicht nachvollziehbar. viel besser wäre es die eu-bonzen würden sich kümmern, dass nicht alle jahre hunderte von millionen an steuergeldern durch korruption in der eu-verwaltung sprurlos verschwinden. man hat das gefühl österreich wird, wie schon so oft, durch die eu behindert. daher ist für mich brüssel unglaubwürdig.

Re: was geht das brüssel an ?

die verzerrung des wettbewerbes geht die eu sehr wohl etwas an. manche flugstrecken nach osteuropa werden durch die LH-AUA amalgation zum monopol

Antworten Antworten Gast: janny
02.07.2009 14:54
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Re: Re: was geht das brüssel an ?

wo liegt hier eine verzerrung vor wenn die lh-aua die besseren flugbedingungen und die günstigeren preise nach osteuropa anbietet als andere fluglinien. kann nur gut für die fluggäste sein. brüssel soll sich um andere wichtigere probleme kümmern.

Re: Re: Re: was geht das brüssel an ?

innerhalb österreich-deutschland sind aua und lh derzeit konkurrenten...das hält die preise stabil. nach der vereinigung ist die konkurrenz geschichte und das monopol da....für einige ostdestinationen gilt das gleiche.....brüssel vertritt MEINE interessen....

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: schauschau
02.07.2009 22:46
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Re: Re: Re: Re: was geht das brüssel an ?

das brüssel deine interessen vertritt glaubst du wohl selber nicht. aber bitte, bleib bei deinem glauben.

Gast: Crusader
02.07.2009 07:10
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Toll!

Bei diesem Verkauf macht die EU Theater....beim ORF Monopol mit Zwangsgebühren, den städtischen Monopolen oder den Energie Monopolen sagt sie nichts - da sind sie wohl gekauft.....die Mafiosi...

Gast: Tomcat
01.07.2009 23:12
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Bestbieter sollte den Zuschlag erhalten

Lufthansa war mit seinem um 500 Millionen Euro schlechteren Angebot klar auf Platz 2. Der Bestbieter war übrigens Wien-konkret
http://www.wien-konkret.at/wirtschaft/flug/aua-verkauf/
Vielleicht hätte man bei der Ausschreibung doch nicht so viel tricksen sollen?

Gast: lahmer Kranich
01.07.2009 23:05
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Lufthansa verzögert absichtlich

Warum hat die Lufthansa die EU-Genehmigung erst am 8. Mai 2009 beantragt, wenn es auch schon Mitte Dez. 2009 möglich war? Das schaut nach einer Verzögerungstaktik um 5 Monate aus.

 
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