Wien(gau). Auch wenn das Eigenbild des „Mir san mir“ oft davon abweicht: Österreich zählt zu den am stärksten globalisierten Ländern der Welt. Bei der bisher üblichsten Maßzahl, dem Kof-Index der ETH Zürich, lag die Alpenrepublik sogar auf Platz zwei, war also beinahe Weltmeister bei der globalen Verflechtung.
Diesen Rang rückt nun eine Diplomarbeit einer Studentin der Wiener Wirtschaftsuniversität zurecht – „vermutlich die beste Arbeit der letzten Jahre“. So loben unisono Rektor Christoph Badelt und Wifo-Chef Karl Aiginger, der die Studie betreute.
Die Kroatin Petra Vujakovic gewichtete nicht – wie bisher üblich – die wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Verflechtungen mit jedem Land gleich, sondern solche mit fern liegenden Ländern stärker. Damit rutscht Österreich in ihrem Ranking auf Platz neun ab – und würde aus den Top Ten fallen, wenn es ausreichend Daten gäbe, um alle 21 Teilindikatoren zu gewichten.
Denn wirklich intensiv ist der wirtschaftliche Austausch der Österreicher nur mit den Nachbarn Deutschland, Italien und der Schweiz – und, stark steigend, mit Osteuropa. Defizite gibt es im Kontakt mit fernen Handelspartnern in Asien und Amerika. Hier punktet die Schweiz, die hinter Irland den zweiten Platz im neuen Ranking einnimmt, mit einem viel breiteren „Länderportfolio“.
USA und Japan abgeschlagen
Aiginger relativiert dieses Ergebnis im Hinblick auf Osteuropa: „Wir müssen nicht nach China gehen, um billige Vorprodukte zu produzieren, wenn wir die Ukraine vor der Haustüre haben.“ Allerdings sieht auch er Defizite: „Wir brauchen eine Doppelstrategie, die fern liegende Märkte nicht vernachlässigt.“
Alle Top-Ten-Positionen gehen an (meist kleinere) europäische Staaten. Nur im Mittelfeld liegen die USA, die wegen des riesigen Heimmarktes wirtschaftlich relativ schwach integriert bleiben. Erst am Beginn des letzten Drittels liegen China und Japan, die zwar wirtschaftlich stark verflochten, aber sozial und kulturell eher abgeschottet sind.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.07.2009)

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