Wien. Vielleicht ist es ein Omen: Von den acht Kandidaten, die von den AUA-Aktionären zu neuen Aufsichtsräten gekürt werden sollen, sind die sechs Manager aus dem Lufthansa-Konzern nicht anwesend. Auch Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber fehlt. Nur die Anwältin Theresa Jordis, die mit Veit Schmid-Schmidsfelden den rot-weiß-roten Part im Kontrollorgan der Lufthansa-Tochter AUA spielen soll, stellt sich vor.
So weit ist es noch nicht. Denn die Übernahme der AUA durch die Lufthansa hängt an der Genehmigung der EU. Der Nervenkrieg zwischen Brüssel und der Lufthansa wird täglich härter. Deshalb werden alle Beschlüsse, die an diesem Dienstag bei der außerordentlichen Hauptversammlung anstehen, bedingt gefasst. Weshalb Kleinanleger-Vertreter Wilhelm Rasinger ätzt, er fühle sich auf einer „Phantomveranstaltung“.
Der Gottseibeiuns aller Aktionärstreffen, Rupert-Heinrich Staller, spielt auf den geplatzten Einstieg von Scheich Al Jaber im Vorjahr an. „Der Scheich heißt jetzt nicht Al Jaber, sondern Mayrhuber.“
„Wir müssen umstrukturieren“
Erstmals sprechen AUA-Präsident Peter Michaelis und die AUA-Vorstände Peter Malanik und Andreas Bierwirth auf Druck der Aktionäre über den „Plan B“, sollte der Verkauf platzen. Der Staat müsste mehr als eine Mrd. Euro in die AUA einschießen – egal wie das Alternativ-Szenario aussieht, sagt Michaelis. Die Lufthansa erhält eine Mitgift von 500 Mio. Euro.
Malanik ergänzt: „Wir müssen so umstrukturieren, dass es gelingt, die Airline vorderhand überlebensfähig zu halten.“ Das heißt, dass mehr Strecken gestrichen und weitere Arbeitsplätze abgebaut werden. Langfristig sei es „unabdingbar“, dass die AUA einen strategischen Partner bekomme.
Michaelis, der sich gegen die jüngsten Attacken von Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) wehrt, kann nichts Gutes aus Brüssel berichten. Man sei in einer „schwierigen Phase“, aber „wenn alle Beteiligten es wirklich noch wollen, haben wir eine Chance, dass bis 31. Juli die Transaktion erfolgreich abgeschlossen werden kann“. Es klingt wie ein Gebet.
Empörung löst bei einigen Aktionären die geplante Kapitalerhöhung aus. Die binnen fünf Jahren vorgesehene Aufstockung des Grundkapitals um bis zu 132 Mio. Euro soll unter Ausschluss der Bezugsrechte erfolgen. Das bedeutet, dass Kleinanleger nicht mitziehen können. „Das ist ein Blankoscheck zur Enteignung“, wettert Aktionär Rudolf Kritina. Staller wiederum trieft vor Zynismus, als er den Passus zitiert, wonach das frische Geld auch für Zukäufe und Beteiligungen verwendet werden soll.
Plant Lufthansa den Ausstieg?
Mit der Frage, ob „wir etwa die Lufthansa kaufen wollen“, brachte Staller zumindest etwas Stimmung in den schütter besetzten Saal. Staller und Krtina gaben Widerspruch zu Protokoll. Das heißt, sie fechten den Beschluss zur Kapitalerhöhung vor Gericht an.
Mayrhuber hat übrigens tatsächlich einen triftigen Grund, der Hauptversammlung in Wien fernzubleiben. Bei der Lufthansa fand nämlich eine Vorstandssitzung statt. Dort könnte eine Vorentscheidung in Sachen AUA gefallen sein – in welche Richtung diese geht, wird sich in den nächsten Tagen zeigen.
■Die AUA-Aktionäre waren am Mittwoch aufgerufen, in einer außerordentlichen Hauptversammlung einen neuen, Lufthansa-dominierten Aufsichtsrat zu wählen und eine Kapitalerhöhung sowie etliche Satzungsänderungen im Hinblick auf den Verkauf zu beschließen.
■Deal hängt in der Luft. Es blieb eine „Phantomveranstaltung“, weil die EU die Übernahme der AUA noch nicht genehmigt hat. Der Poker zwischen Brüssel und der Lufthansa geht weiter.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.07.2009)

AUA: Vom Staatsbetrieb zur Lufthansa-Tochter
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