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Staatshilfe: Streit um Industrie-Milliarden

20.08.2009 | 18:15 |   (Die Presse)

Koalitionskonflikt um Bonuszahlungen und Managergehälter blockiert staatliche Geldspritze – Wirtschaft möchte weitere fünf Milliarden für Eigenkapitalhilfen.

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Wien (ju). Beschlossen ist die staatliche Liquiditätshilfe für Unternehmen im Ausmaß von zehn Mrd. Euro seit Langem. Umgesetzt kann sie aber noch nicht werden, weil die beiden Regierungsparteien darüber streiten, wie stark der Staat in Managergehälter und Boni bei jenen Unternehmen eingreifen darf, die die staatlichen Garantien in Anspruch nehmen.

Die Unternehmen schlagen jetzt Alarm: Bei weiteren Verzögerungen drohe im Herbst eine Finanzierungskrise in der Industrie. Und: Zu den zehn Mrd. Euro, die in Form von Garantien bereitstehen, solle der Bund den Betrieben vorübergehend auch mit Eigenkapitalhilfen von insgesamt fünf Mrd. Euro über den Berg helfen.

Wie berichtet hat der Bund zehn Mrd. Euro an Garantien aus dem Bankenhilfspaket über das sogenannte Unternehmensliquidationssicherungsgesetz (ULSG) für Nicht-Finanzunternehmen umgewidmet. Das Gesetz ist im Juli beschlossen worden. Damit es umgesetzt werden kann, braucht es aber noch Richtlinien, die der Finanzminister „im Einvernehmen mit dem Bundeskanzler“ festzusetzen hat. Dieses Einvernehmen gibt es bisher zumindest in einem von zehn im Gesetz aufgelisteten Punkten nicht: bei der „Angemessenheit der Vergütung von Organen, Angestellten und wesentlichen Erfüllungsgehilfen“.

Konkret soll damit verhindert werden, dass Unternehmen, die Staatshilfe in Anspruch nehmen, ihre Manager mit übertriebenen Bonuszahlungen überschütten.

Während sich das Finanzministerium in diesem Punkt eng an die Angemessenheitsdefinition des Aktiengesetzes anlehnt (die entweder ein gesundes Verhältnis der Boni zum Betriebsergebnis oder eine klare Bindung an bestimmte Erfolgskriterien verlangt), will die SPÖ tiefere Eingriffe. Bundeskanzler Faymann hat in diesem Punkt klare Eingriffsrechte des Staates verlangt. Arbeiterkammer-Präsident Herbert Tumpel forderte überhaupt ein Verbot von Boni für jene Unternehmen, die Staatshilfe in Anspruch nehmen. Zudem sollten nach den Vorstellungen der AK Dividenden an die Eigentümer begrenzt werden.

Der Streit blockiert das Inkrafttreten des ULSG – und macht die Unternehmen langsam nervös. „Die Zeit drängt“, meint etwa Wieland Schmid-Schmidsfelden von der Wirtschaftskanzlei DLA Piper Weiss. „Die Unternehmen leiden unter einer Kreditklemme – und sie werden im Herbst große Probleme bekommen, wenn bis dahin das Liquiditätsproblem nicht gelöst ist.“

Schmid-Schmidsfelden kann den Streit auf dem Rücken der Unternehmen nicht nachvollziehen: Es sei klar, dass es Kriterien für „angemessene“ Bonuszahlungen geben müsse, ein Boni-Verbot wäre aber ein zu starker, „unzulässiger Eingriff in die Gestion der Unternehmen“. Das würde besonders die „Gazellen“, also junge, schnell wachsende Unternehmen vornehmlich aus dem Technologiebereich, über Gebühr einschränken und bremsen.

Die Nachfrage nach den staatlichen Haftungen ist enorm: Bis Ende Juli lagen schon Anfragen für insgesamt 4,5 Mrd. Euro auf dem Tisch, eine Reihe von Großunternehmen will sich aber erst konkret deklarieren, wenn die Abwicklungsbestimmungen vorliegen. Wie berichtet, sieht das ULSG Haftungen für Betriebsmittel- und Investitionsdarlehen im Ausmaß von 30 bis 70 Prozent der Darlehen vor. Gefördert werden sollen damit vor allem größere Unternehmen, nach oben ist die Haftungsübernahme mit 300 Mio. Euro pro Unternehmen begrenzt.

 

Staatskapital für die Industrie

Mit Haftungen allein sei das Problem aber noch nicht gelöst, meint Schmid-Schmidsfelden. Um die Fremdkapitalkosten nicht zu hoch werden zu lassen, solle der Bund auch – ähnlich wie bei den Banken – vorübergehend Eigenkapital zur Verfügung stellen. Dafür wären rund fünf Mrd. Euro nötig, die durch eine weitere Umwidmung aus dem Bankenpaket aufgebracht werden könnten.

Wie „Die Presse“ berichtete, hat Schmid-Schmidsfelden gemeinsam mit den Unternehmensberatern Gottwald Kranebitter (KPMG) und Manfred Reichl (früher Roland Berger) einen entsprechenden Plan ausgearbeitet, der von der Industriellenvereinigung befürwortet wird. Der Wirtschaftsanwalt sieht dafür auch bereits „deutliche Unterstützung im Finanzministerium“.

Gedacht ist an einen ebenfalls bei der Kontrollbank (ÖKB) angesiedelten Fonds, der sich vorübergehend zwecks Eigenkapitalstärkung an wichtigen Industrieunternehmen beteiligt. Damit die benötigten fünf Mrd. Euro nicht voll auf das ohnehin schon stark lädierte Budget durchschlagen, solle dieser Fonds Anleihen auf dem Kapitalmarkt begeben. Der Staat müsste für diese Anleihen Garantien bereitstellen. Konkret verhandelt wird über diesen Plan aber noch nicht.

auf einen blick

Zehn Milliarden Euro will der Bund an Haftungen für die Industrie bereit stellen. Das bereits beschlossene Gesetz kann aber nicht in Kraft treten,
weil die Koalition über die Begrenzung von Manager-
Gagen und Bonuszahlungen streitet.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.08.2009)

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5 Kommentare
Gast: ET
21.08.2009 15:29
0 0

Der Streit um Gelder, welche nicht vorhanden sind!

Die Leistungen für diese Gelder müssen die kommenden Generationen erwirtschaften, weil diese Mittel heute nicht zur Verfügung stehen und auch in den nächsten Jahren nicht erwirtschafet werden können, wenn die Prognose des BFM zu den Staatsschulden stimmt. Diese Ungeborenen können aber weder wählen noch können diese gefragt werden, ob eine Einverständnis vorhanden ist.

Trotzdem wird von Parteien so getan, als seien es Mittel, welche zur Verfügung stehen und niemanden gehören. Egal ob Mittel für die Industrie, den Banken oder dem geschützen Wirtschaftsbereich, es geht nur noch um Mittel der kommenden Generationen. Und diese Mittel werden munter verteilt. Das ist ein unvorstellbares Verbrechen an den Menschen und widerspricht den Menschengrundrechten.

Obwohl die Entscheidungsträger auf die Verfassung vereidigt sind, werden die Menschengrundrechte mit den Füssen getreten. So ist es auch ein Verfasungsbruch.
Auch wenn sich Kläger finden würden, es hätte keinen Erfolg, immerhin stellt es keine Strafbare Handlung dar.

Würden die kommenden Generationen auf die Gräber der Entscheidungsträger pissen, ET hätte vollstes Verständnis dafür.


Antworten Gast: Ing. Humer
22.08.2009 12:12
0 0

Re: Der Streit um Gelder, welche nicht vorhanden sind!

Das ist auch These die in der Bevölkerung immer mehr Zuspruch findet, dass in ein paar Jahrzehnten vielleicht auch schon früher die Restösterreicher (wenn es das Land dann überhaupt noch gibt) auf die Gräber der Politiker Günstlinge Freunderln sch..ssen werden, oder sie aus ihren Erdlöchern rausholen werden, oder deren Nachkommen zum Teufel jagen bei dem ihre toten Angehörigen schon sind.

untertan
21.08.2009 01:21
0 0

jeder greift zu oder versucht es.

die banken. die industrie. die beamten. die bundesländer-administrationen. die hackler. die pensionisten. die kindererzeuger. die sozialschmarotzer in ihren verschiedensten erscheinungsformen. die "armen", die zuzügler.
die aufzählung ist nicht taxativ. weiter so. das ende ist ja absehbar.

Saskatoon
20.08.2009 20:20
0 0

ich bin der meinung... (toller spruch!!)

die wirtschaft hat überhaupt kein recht auf steuergelder, denn trotz finanzspritzen, werden massenhaft menschen gekündigt ?
da hackts ja bei den managern und verantwortlichen - gehts noch.
dieselben bereichern sich am steuergeld und spielen mit dem schicksal der arbeiterInnen.

da wäre es wesentlich klüger alle in den konkurs schlittern zu lassen, wahrscheinlich fangen erst dann die manager an mit hirn zu arbeiten und rechnen mehr als spekulieren.

diese firmen die nach steuer millionen schreien sind sowieso kaputt - die verlassen sich nur darauf das immer wieder der staat eispringt.

es sollte endlich mal etwas für den bürgerInn rausspringen.

Antworten Gast: ET
22.08.2009 17:10
0 0

Lassen wir die Kirche doch im Dorf!

Die Wirtschaft, in diesem Fall die 250 grössten Unternehmen in Österreich, werden eine Haftung für Finanzierungen am freien Markt bekommen und so das Problem der hohen Zinsbelastung reduzieren können. Am Ende kommt diese Haftung eh den Banken zu Gute.

Es sind also "nur" Garantien, welche Unternehmen bekommen. Im Gegegsatz dazu gibt es aber laufende Milliardenzahlungen welche real sind und endgültig weg sind. Ich meine damit die Mittel für Politikergehälter, Ruhestandsgenüsse, Beamtenprivilegien, Parteienfinanzierungen, Korruption, etc. etc.

Die Unternehmen, welche diese Haftungen in Anspruch nehmen müssen, weil die Banken versagen, können nicht wirklich verteufelt werden. Diese Unternehmen liefern ohnehin etwa 50% der Wertschöpfung an den Staat ab und sind daher essentiell fürs Überleben des Staates, wer immer das auch ist.


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