Ein junger Burgenländer hat kürzlich gezeigt, wie man es besser nicht macht: Der Ferialpraktikant der heimischen Post hat, statt die Briefe und Prospekte zuzustellen, den kürzeren Weg gewählt und sie säckeweise im Altpapiercontainer entsorgt. Der junge Mitarbeiter habe sich „kränklich gefühlt, und aus einer Kurzschlusshandlung ist die Post zum Altpapier geworden“, erklärte nun ein Post-Sprecher.
Dass in einer Gasse tagelang keine Post mehr ankommt, haben die Anrainer dann aber doch bemerkt, die Post hat den Missetäter ausgeforscht, Briefe und Zeitungen aus dem Container gefischt und das Praktikum des jungen Mannes beendet. Und es wird wohl sein letztes gewesen sein.
Zahlreiche Schüler und Studenten – auch ambitioniertere als der verhinderte Nachwuchs-Postler – hatten schon heuer Schwierigkeiten, einen Job für die Sommermonate zu finden. Die Unternehmen sparen, auch die Budgets für Ferialpraktikanten wurden deutlich gekappt.
Vor allem in der Industrie gab es wenig Bedarf an ungelernten Ferienaushilfen, da schon für die eigene Belegschaft oft nicht genug zu tun war. Einige Unternehmen haben heuer ganz auf Ferienmitarbeiter verzichtet: Die Voest in Linz, MAN in Steyr oder die Produktion von Magna, zum Beispiel. Wie viele junge Menschen im Sommer neben Schule oder Studium arbeiten, weiß niemand so genau. Schließlich finden sich die Praktikanten und Aushilfen in den verschiedensten Dienstverhältnissen wieder und arbeiten oft „schwarz“.
Nur so viel: 35.000 Schüler aus HTL, HBLA oder Fachschulen müssen jedes Jahr im Sommer ein Pflichtpraktikum hinter sich bringen. Die Jugendorganisation der Gewerkschaft der Privatangestellten schätzt, dass etwa 100.000 Schüler im Sommer ihr Taschengeld mit Arbeit aufbessern.
Sichere Jobs: Staatsdiener, Aushilfskellner oder Regalsortierer.
Beim AMS ist die Zahl der offenen Sommerjobs, die vor den Ferien dort gemeldet wurden, heuer gegenüber dem Vorjahr um fast ein Viertel zurückgegangen. Die meisten Ferienjobs werden aber direkt, über spezielle Jobbörsen oder privat, nicht aber via AMS vermittelt. Auch in der Wirtschaftskammer geht man davon aus, dass die Zahl der Sommerjobs und Praktika heuer um etwa 20 Prozent unter der des Vorjahres liegen dürfte.
Im öffentlichen Sektor, in staatsnahen Betrieben, bei kleinen und mittleren Unternehmen, im Tourismus und im Handel dürfte das Angebot heuer aber relativ stabil geblieben sein. So hat etwa der Flughafen Wien heuer wieder rund 100 Jugendlichen einen Sommerjob angeboten, bei der niederösterreichischen EVN sind wie in den Jahren zuvor etwa 200 Praktikanten untergekommen. Auch bei der Post wurden heuer wieder mehr als 1200 junge Menschen aufgenommen, um Briefe zu sortieren und die Post (hoffentlich) auszutragen.
Richtig gute Jobs, die Pluspunkte im Lebenslauf, Erfahrung und Geld bringen und außerdem noch Spaß machen, waren aber schon immer rar. Schülern, die Geld verdienen wollen, bleiben meist die Aushilfsjobs in der Gastronomie oder Waren in Lagern oder Regale zu sortieren. Praktika für Studenten können, wenn sie als Volontariat deklariert werden, mit einem Händedruck zum Abschied bezahlt werden. Ferialarbeiter hingegen haben einen Anspruch auf Bezahlung laut Kollektivvertrag plus Sonderleistungen wie Zulagen für Schichtarbeit sowie einen Anteil am Urlaubs- und Weihnachtsgeld.
Allerdings, so berichtet die Arbeiterkammer, kommt es immer wieder vor, dass Jugendliche und Studenten nicht angemeldet und damit nicht versichert werden, dass weniger bezahlt wird als vereinbart oder dass unter 18-Jährige länger arbeiten müssen, als ihnen das der Gesetzgeber erlaubt (maximal acht Stunden pro Tag). Viele müssten statt der erlaubten 40 Stunden 55 Stunden pro Woche arbeiten, heißt es.
Rechtliche Lage oft unklar: Zu wenig Geld,
zu viel Arbeit.
Die Zahl der Beschwerden sei heuer „sprunghaft angestiegen“, berichtet die Arbeiterkammer Burgenland. Dort hätten sich alleine von Anfang Juni bis Mitte Juli 120 junge Arbeitskräfte beschwert. Die Gewerkschaft hat im Burgenland mittels Umfrage auch die durchschnittliche Bezahlung der Sommerarbeiter ermittelt: Diese schwankt bei den meisten zwischen 470 und 1600 Euro pro Monat, so das Ergebnis.
Eine frühere Umfrage der Arbeiterkammer besagt, dass gut 40 Prozent aller Schüler im Sommer zumindest ein paar Wochen arbeiten, etwa jeder zweite davon aber nicht angemeldet wird und auch nicht laut KV entlohnt wird.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.08.2009)

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