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ÖBB-Skandal: Ministerium stellt „Konsequenzen“ in Aussicht

17.09.2009 | 18:10 |   (Die Presse)

Mitarbeiterüberwachung und Sammlung von Krankenstandsdaten bei der Eisenbahn waren wirkungsvoll – aber ungesetzlich.

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Wien (red.). Der Datenskandal um die ÖBB wächst nun in politische Dimensionen hinein: Nach dem „Geständnis“ des früheren ÖBB-Personalchefs Franz Nigl hat Infrastrukturministerin Doris Bures „Konsequenzen“ angedeutet – allerdings erst nach der Vorlage des ÖBB-Untersuchungsberichts am heutigen Freitag.

Wie berichtet, hat das ÖBB-Management illegal Krankenstandsdaten von Mitarbeitern gesammelt und gespeichert. Eisenbahner wurden unter anderem während des Krankenstandes von ÖBB-Mitarbeitern zu Hause kontrolliert und nach Ende ihrer Krankenstände zu den genauen Ursachen befragt. Nigl räumte am Donnerstag ein, dies sei ein „Fehler“ gewesen, für den er sich nachträglich entschuldige.

Krankenstandsproblem bei ÖBB

Allerdings, so Nigl, hätten die ÖBB auch „ein Krankenstandsproblem“ gehabt, das durch diese Vorgangsweise gemildert worden sei. Statistische Daten untermauern dies: Eisenbahner waren im Schnitt zweieinhalbmal so lange im Krankenstand wie Beschäftigte in der Privatwirtschaft. Durch die – gesetzlich freilich nicht gedeckten – Maßnahmen war es gelungen, die durchschnittliche Krankenstandsdauer von 27 auf 17 Arbeitstage im Jahr zu senken. Zum Vergleich: Beschäftigte in der Privatwirtschaft sind im Schnitt rund zwölf Tage im Jahr in Krankenstand.

Dabei müssten Eisenbahner eigentlich besonders gesund sein: Verfügt das Unternehmen doch über eine eigene „Gesellschaft für Prävention und Arbeitsmedizin“. Diese passenderweise in der Wiener Invalidenstraße angesiedelte „Wellcon“ gehört zu zwei Dritteln der gewerkschaftsdominierten Eisenbahner-Sozialversicherung und zu einem Drittel einer ÖBB-Tochter – und ist bisher vor allem zwei Mal öffentlich aufgefallen: 2002, als sie vom damaligen Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider bezichtigt wurde, eine unrühmliche Rolle bei krankheitsbedingten Frühpensionierungen von Eisenbahnern zu spielen. Und 2007, als die Lebensgefährtin des Eisenbahner-Gewerkschaftschefs nach schweren Verlusten als Geschäftsführerin gehen musste.

Was freilich nichts daran ändert, dass die Datensammlungspraxis bei Krankenständen offenbar eine Reihe von Gesetzen verletzt. Jetzt geht es um die Frage, wer da eingeweiht war.

Bures weiß von nichts

Bures meinte jedenfalls, sie habe von den Vorgängen, die „menschlich und rechtlich nicht in Ordnung“ seien, „natürlich nichts gewusst“. Auch ÖBB-Holding-Chef Peter Klugar will davon „nichts gewusst“ haben. Dem widerspricht freilich Nigl vehement: Das Management habe Kenntnis über die „Aktivitäten gegen den Missbrauch von Krankenständen“ gehabt, auch die Belegschaftsvertretung sei eingeweiht gewesen.

Der Obmann der ARGE Daten, Hans Zeger, sagte am Donnerstag, er gehe davon aus, dass Management, Betriebsrat und Betriebsärzte eingebunden gewesen seien. Das Vorgehen sei auch mit Sicherheit „politisch sanktioniert“ gewesen. Jedes Management und auch jeder Aufsichtsrat sichere ein solches Vorgehen beim Eigentümer ab, weshalb das Infrastrukturministerium die Datensammlung „mit absoluter Sicherheit gebilligt“ habe.

("Die Presse" Printausgabe vom 18. September 2009)

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13 Kommentare
Gast: Gast
18.09.2009 23:10
0 0

Gewerkschaft

Also 1 + 1 ergibt hier leider nicht 2. Wenn die Gewerkschaft und vor allem Haberzettl so tut als hätte er nichts gewusst, dann frage ich mich, ob er überhaupt seine (damalige/jetzige/wie auch immer) Lebensgefährtin Eva Polleres kennt.
Sie war ja schließlich als medizinische Leiterin in der Wellcon tätig und ich möchte jetzt nicht darüber nachdenken, was sie für diese Tätigkeit qualifizierte!
Aber vielleicht gibt es für diese „Sonderheiten“ auch eine medizinische Diagnose .

LIFE DABEI
18.09.2009 20:10
0 0

EMPÖRT ?


Gast: merlin
18.09.2009 16:53
0 0

stellt „Konsequenzen“ in Aussicht

Dass einzige was die Bures stellen kann ist ihren Wecker !

Gast: Demokratin
18.09.2009 14:15
0 0

Einfache Loesung

Fuer diesen Skandal gibt es eine ganz einfache Loesung: Kuendigung aller Verantwortlichen, d.h., des gesamten Management ohne Ausnahme, Strafanzeige und rasche Verurteilung. Ausserdem sollte JEDE/R Betroffene/r sofort Strafanzeige erstatten und finanziellen Schadenersatz fordern - in der Hoehe von EURO 10.000 aufwaerts. Glauben diese Leute wirklich, sie stehen ueber den Menschenrechten?

Gast: Richter
18.09.2009 13:28
0 0

Kranke Unternehmenskultur

Das Spitzenmanagement der ganzen ÖBB einschliesslich nachgeordneter Chargen misstraut pauschal der ganzen Belegschaft und versucht damit ein unglaublich pflichtwidriges Handeln rechtfertigen zu können. Der oberste Datenschützer Zeger spricht von organisiertem Verstoss gegen mehr als zwei Dutzend Gesetze. Selbst verfassungsmäßige Grundrechte waren nicht tabu vor den Launen kranker Vorgesetzter. Was unternimmt der Eigentümer in Person von Ministerin Bures? Sie läßt den riesigen Saustall von jenen untersuchen die ihn angerichtet haben. Genial. Schwarz/blau/orange finden das ok. Logisch, segelt doch der schwer angeschlagene Ex-Personalchef Nigl auf VP-Ticket um einen neuen Traumjob bei der Bahn.

LePenseur
18.09.2009 13:00
0 0

Sehr aufschlußreich!

Da betrügen zigtausende ÖBB-Bedienstete ganz offensichtlich ihren Dienstgeber jahrelang durch Scheinkrankenstände, denn wenn bei jobgesicherten (Quasi-)Beamten zweieinhalbmal längere Krankenstände als in der Privatwirtschaft auftreten, läßt sich wohl kein anderer Schluß daraus ziehen! Und wenn der Dienstgeber dagegen diesen Betrug ergreift, deren Wirkung die Berechtigung des Betrugsverdachtes voll bestätigt, dann ist das auf einmal ein "Skandal"?

Aber der ungleich größere Skandal, daß wir Steuerzahler jahre- und jahrzehntelang durch faule und betrügerische ÖBBler unter offensichtlicher Duldung der ÖBB-Gewerkschaftler beschissen wurden — na, Frau Bures: das ist selbstredend kein Skandal, nicht wahr? Wird sich vermutlich um "wohlerworbene Rechte" der Mitarbeiter gehandelt haben, die halt ihren kärglichen Urlaubsanspruch um eineinhalb Monate auffetten wollten ...

Antworten Gast: Richter
18.09.2009 18:20
0 0

Re: Sehr aufschlußreich!

Sie betreiben hier Themenverfehlung. Und wir sind nicht im Bierzelt mit dem Jörgi wo mit pauschalverdächtigungen gepunktet wird. Jeder kennt Leute die unser Sozialsystem schamlos ausnutzen. Das geht vom honorigen Hofrat abwärts bis zum kleinen Hackler. Das ist österreichische Mentalität, kein Spezifikum der ÖBBler. Daraus eine Berechtigung für jahrelang organisiertes gesetzloses Treiben, wie die kranke ÖBB-Führung sie betrieb, abzuleiten stellt sie auf eine Stufe mit diesen Leuten.

Antworten Antworten Gast: Anwalt
20.09.2009 10:59
0 0

Re: Re: Sehr aufschlußreich!

Natürlich ist krankfeiern kein Spezifikum der ÖBB; gibt¿s nämlich auch zB. bei der Post genauso. Du meine Güte, in welcher Welt leben Sie denn? Welche Maßnahmen hätte den das ÖBB Management Ihrer Meinung denn setzten sollen? Bin schon neugierig auf Ihre gescheite Antwort!!

Antworten Antworten Antworten Gast: Richter
21.09.2009 17:43
0 0

Re: Re: Re: Sehr aufschlußreich!

Ich wünsche G'scheiterln wie ihnen eine Situation wo sie den auf Schutz des Rechtstaates vertrauen und diesen bräuchten. Was hier geschah ist der Beginn der Anarchie. Das Management des größten Untenehmens des Landes verstösst über Jahre und organisiert gegen mehr zwei dutzend rechtliche Normen einschliesslich verfassungsmäßiger Grundrechte wie Meinungs- oder Pressefreiheit. Den kleinen Wurstsemmeldieb macht man dingfest und die großen Strizzi führen sich auf wie einst die absolutistischen Herrscher vor mehr als 200 Jahren. Welche Maßnahmen die Herren setzen hätten sollen: In einem Rechtsstaat sind die Gesetzen zu beachten. Wenn sie dazu nichts willens oder zu blöd waren hätten sie disen Job nicht annehmen dürfen. Sonst hätt man die Führung doch gleich resozialisierten Ganoven anvertrauen können oder?

Gast: arbeiter
18.09.2009 10:01
0 0

Infrastrukturministerin Doris Bures

Und wahrscheinlich hat Fr. Minister auch keine Ahnung, dass AVB`s einseitig verletzt und umgangen werden...... !
Ganz anders bei den hochbezahlten Managern , wo dessen Verträge genau einzuhalten sind......
Tolle Arbeit Frau Minister ! ! !

Steininger
18.09.2009 01:41
0 0

Konsequenzen?

Bei Gesetzesverstößen müsste eigentlich die Staatsanwaltschaft tätig werden.
Aber natürlich nicht in unserer Bananenrepublik!

untertan
17.09.2009 19:23
0 0

Jetzt hat ein ÖBB Insider die Praktiken

der Bediensteten öffentlich kritisiert. Und schon geht das Geseire von Datenschutz, Menschenrecht und was dergleichen immer aus dem Sprachkästlein unserer Linken gekramt wird.

Antworten Gast: Steuerzahler
18.09.2009 08:37
0 0

Re: Jetzt hat ein ÖBB Insider die Praktiken

Also nach ihrer primitiven Diktion haben offenbar nur Rechte Anspruch auf Einhaltung von Gesetzen oder Beachtung der Menschenrechte. Das die komplette Führung eines großen öffentlichen Unternehmens sich seit Jahren eigentlich organisiert illegal betätigt übersehen sie halt. Die einzige Möglichkeit sich gegen "die Praktiken der Bediensteten" zu wehren war die Bildung einer kriminellen Bande. Für einfach gestrickte Leute ihres Zuschnitts scheint dies ein zumindest befriedigender Zustand und in Ordnung. Die "Praktiken der Bediensteten" entstammen nicht unerheblich dem verlotterten Vorbild morbider Führungskräfte. Doch waas solls: Sind ohnehin nur "Untertane". Womöglich bald wieder Untermenschen. Zumindest wenn es nach ihrem Denkmuster weitergeht.

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