Wenn es um die Karriere geht, erweitern Frauen in Österreich ihr "Waffenarsenal" immer mehr um die Faktoren Schönheit und Erotik. War die klassische Emanzipationsbewegung noch bestrebt, dass Frauen nicht auf ihre Sexualität reduziert werden, drehen immer mehr aufstrebende Frauen den Spieß um - und setzen gerade ihre erotische Ausstrahlung ein, um über Männer den Weg an die Spitze zu schaffen.
Für das Buch "Die schmutzige Emanzipation" (edition a von Walter Pohl und Lara Theiss) wurde das Phänomen erstmals mit einer Studie untermauert. Die Befragung von 1000 Österreichern ergab unter anderem folgendes:
- 24 Prozent der Befragten halten es für legitim, dass Menschen neben ihrer fachlichen Qualifikation auch Schönheit und Erotik als Karriereturbo nutzen.
- 44 Prozent halten das für eher verwerflich.
- 22 Prozent gaben an, so einen Fall schon bei einer Frau in ihrem Arbeitsumfeld schon häufig beobachtet zu haben,
- 51 Prozent will zumindest einen Fall kennen.
- 41 Prozent meinen sogar eine Frau zu kennen, die ihre Erotik für ihren beruflichen Erfolg nutzte.
Fast jeder zehnte überlegt, es zu tun
Dass Beobachtung und Selbsteinschätzung doch deutlich auseinander driften zeigt eine andere Frage der Studie: Nur neun Prozent aller Befragten gab an, zumindest einmal mit dem Gedanken gespielt zu haben, sich aus beruflichen Gründen mit dem Vorgesetzten intim einzulassen.
Allerdings haben 24 Prozent der Befragten schon erwogen, ihre finanzielle Situation durch eine Liaison mit einem reichen Partner zu verbessern. Wobei 30 Prozent der Männer und nur 19 Prozent der Frauen diese Frage mit "ja" beantworteten. 18 Prozent jener Österreicher, die sich quasi bezahlen lassen würden, leben in einer festen Partnerschaft oder Ehe.
Schöne Frauen haben es leichter
"Das Ergebnis hat uns überrascht", so Pohl. Demnach sind 74 Prozent aller Österreicher der Meinung, dass es schöne Frauen in der Arbeit leichter haben. Mit seinem Buch will Pohl keinesfalls die Errungenschaften der Emanzipation infrage stellen. "Es ist aber ein Gegentrend, dessen einziger Zweck ist, dass Frauen Männer mit allen Mitteln schlagen", sagte der Autor. In dem Buch nimmt in einem Interview auch Alice Schwarzer, Frontfrau der Frauenbewegung, zu dem Phänomen Stellung. Ihr Fazit: "Frauen haben ganz recht, mit allen Waffen zu kämpfen - mit fast allen. Schließlich sind wir von einer realen Gleichberechtigung immer noch weit entfernt, da muss frau nicht immer mit offenem Visier antreten, sondern muss auch schon mal zu 'weiblichen' Tricks greifen". Dabei gibt es allerdings eine Grenze. "Und die heißt ganz altmodisch: Menschenwürde", so Schwarzer.
(Ag./ebl)

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