Handelsverband: GPA-Stresstest ist „populistische Maßnahme“

Der Test der Gewerkschaft spiegle nicht die Realität im heimischen Handel wider, sagte Rainer Will vom Handelsverband.

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Handelsverband kritisiert willkürliche Auswahl der Firmen – (c) Die Presse (Clemens Fabry)

Fünf Prozent höhere Gehälter könne der Handel leicht verkraften. Das ist zumindest für die Gewerkschaft das Fazit eines Stresstests, den diese kurz vor den Kollektivvertragsverhandlungen veröffentlicht hat. Handelsvertreter sehen das naturgemäß anders und reagieren mit heftiger Kritik. 

„Wer behauptet, dass Personalkosten im Handel nur einen geringen Teil der Gesamtaufwendungen ausmachen, hat offenkundig falsches Zahlenmaterial zur Verfügung“ kommentiert Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbandes, den Stresstest. Will begründet das mit der heterogenen Wirtschaftsstruktur im Handel, der 533.000 Menschen Arbeit gibt. Diese bestehe nicht nur aus den 200 untersuchten Unternehmen, sondern aus weit über 150.000 Händlern. Die Übung der Arbeitnehmervertreter sei einfach eine "populistische Maßnahme", so Will gegenüber der „Presse“. Ein Stresstest, dessen Ergebnis wenig über die tatsächliche Handelslandschaft aussage, stimuliere keinerlei Beschäftigungseffekte.

"Müssten Mitarbeiter abbauen"

Um die kolportierten Personalkosten von 13 Prozent des Nettoumsatzes zu erreichen, würden die meisten Handelsunternehmen in Österreich sofort Mitarbeiter abbauen müssen, sagte Will. Bei beratungsintensiven Formaten oder KMUs liege dieser Wert naturgemäß deutlich höher.

Gehaltserhöhungen in einem solchen Ausmaß würden vor allem kleinere Unternehmen im Handel, die schon heute mit Online-Shopping und großen Mitbewerbern zu kämpfen haben, noch weiter unter Druck bringen. Zudem seien die kleineren Firmen mit EU-Regelungen (Stichwort „Superstars-Regelungen“) wie den Vorschriften für Geoblocking heillos überfordert, Aber auch die Großen kämpfen angesichts steigender Mieten mit einem immer enger werdenden Kostenkorsett.

Jeder profitiert von Steuerreform anders

Zudem spreche jede Warengruppe andere Konsumenten an und sei unterschiedlich zu bewerten. Generell geben die Österreicher inflationsbereinigt heute deutlich weniger aus als noch vor fünf Jahren. Im Textilhandel um ganze 11,4 Prozent weniger. Das spüre jeder Unternehmer. Von den positiven Effekten der Steuerreform, die bedauerlicherweise durch die kalte Progression aufgezehrt werden, profitiere jedes Handelsformat in anderem Ausmaß.

Der Handelsverband hofft, dass sich die Gewerkschaft neu erfinde und sich im Austausch mit den Betriebsräten über die echten unternehmerischen Realitäten informiere. Bessere regulative Rahmenbedingungen, Entbürokratisierung, Reduktion der aufgeblasenen Altstrukturen und Auseinandersetzung mit Innovation sollten auf der Tagesordnung stehen. Es brauche keine Desinformation durch Stresstests, so Rainer Will.

(red.)

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