Osteuropa: Personalengpass treibt Wachstum

BIP der Region steigt jährlich um drei Prozent.

Business and residential buildings are seen in Sisli district in Istanbul
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Business and residential buildings are seen in Sisli district in Istanbul
Türkei/ Istanbul – (c) REUTERS (MURAD SEZER)

Wien. Wie sich der Ausgang der US-Wahlen auf Mittel-, Ost- und Südosteuropa (MOSOE) auswirkt, lässt sich laut dem Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW) zwar noch nicht sagen. Dafür sei klar, dass die Wirtschaft der Region in den kommenden zwei Jahren um etwa drei Prozent jährlich wachse und sich damit weiter dem Westeuropa-Niveau annähere, so WIIW-Ökonom Vasily Astrov gestern bei der Präsentation der Herbstprognose.

Dass das BIP in der Region weiterhin doppelt so schnell zulege wie im Westen, liege eigentlich an einem paradoxen Umstand: Und zwar am Arbeitskräftemangel, so die These. Der auch aufgrund der jahrelangen Abwanderung entstandene Personalengpass treibe die Löhne und damit den privaten Konsum an. Dennoch bleibe das Kreditwachstum bescheiden. Bemerkenswert sei, so das WIIW, dass der starke Lohnzuwachs die Inflation nicht treibe. Diese pendle nahe null, weil die Produktivität schneller zulege als die Löhne.

Steige die Quote der offenen Stellen in fast allen MOSOE-Ländern, so werde das Fehlen qualifizierter Arbeitskräfte in den baltischen Staaten bereits allmählich virulent.

 

Türkei landet weich

Ohnehin ist die Region bei allen Gemeinsamkeiten nach wie vor differenziert zu betrachten. So boomt Rumänien derzeit ganz besonders – und zwar dank einer expansiven Fiskalpolitik. Hervorzuheben ist auch, dass die Wirtschaft auf dem Westbalkan weiter mit zwei bis drei Prozent zulegen werde – vor allem dank einer nun starken Performance in Serbien, dem größten Staat der Region.

Eine gegenteilige Dynamik zeichne sich für die bislang gut gelaufene Türkei ab, der eine „weiche Landung“ bevorstehe, weil die politischen Risken auf die einheimische Nachfrage drücken könnten und eine Zahlungsbilanzkrise drohe.

Was die GUS-Länder betrifft, so sieht das WIIW Russland und die Ukraine auf dem Weg, die Talsohle zu durchschreiten und auf einen schwachen Wachstumsweg zurückzukehren. Eine Schrumpfung für 2017 wird lediglich Weißrussland prophezeit. (est)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.11.2016)

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