Keynesianische Briten und Amerikaner

Die AK verlangt mehr Investitionen auf Schulden.

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(c) APA/AFP/KAREN BLEIER

Wien. Warum haben sich die US- und die britische Wirtschaft seit 2010 deutlich schneller erholt als die Eurozone? Dafür sei der restriktivere Mix aus Geld- und Fiskalpolitik in der Eurozone verantwortlich, heißt es in einer Studie von Philipp Heimberger, die im Auftrag der Arbeiterkammer verfasst wurde. Den Ausweg würde, wenig überraschend bei einer von der AK beauftragten Studie, „eine Abkehr von der Austeritätspolitik durch öffentliche Investitionen“ bringen.

Heimberger, Ökonom am Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW), hat die Studie am Mittwoch in der Arbeiterkammer in Wien präsentiert. Studienergebnis ist, dass die restriktivere Geld- und Fiskalpolitik in der Eurozone die im Vergleich zu den USA und Großbritannien schwächere wirtschaftliche Entwicklung zu verantworten hat.

Demnach hätte die Austeritätspolitik in der Eurozone, die sich auf Einsparungen konzentrierte, ab den Jahren 2010/2011 ausgeprägt negative Effekte auf Wachstum und Beschäftigung gehabt. Und im Verein mit der über weite Strecken zögerlichen Geldpolitik der EZB eine Spirale aus hoher Arbeitslosigkeit, niedriger Inflation und steigender realer Schuldenlast ausgelöst.

Die Strukturreformen, die die Wettbewerbsfähigkeit verbessern sollten, hätten vielerorts zu einer Senkung der Löhne geführt. Dabei sei übersehen worden, dass Löhne nicht nur den zentralen Kostenfaktor für Unternehmen darstellen, sondern als Einkommen der Arbeitnehmer von entscheidender Bedeutung für die gesamtwirtschaftliche Nachfrage sind, heißt es in der Studie. In Griechenland gingen die Reallöhne von 2010 bis 2014 um 20 Prozent zurück, gefolgt von Zypern (minus 14,8 Prozent), Portugal (minus 8,1 Prozent), Spanien (minus 5,8 Prozent) und Italien (minus 3,5 Prozent).

Hingegen hätten die USA und Großbritannien eine expansivere Mischung aus Geld- und Fiskalpolitik als die Eurozone verfolgt, getragen von einem pragmatischen Keynesianismus, der in diesen Ländern Einzug gehalten habe, heißt es bei der Studienpräsentation.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.11.2016)

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