Bawag bleibt gegenüber Linz hart

Das Finanzinstitut hat mit knapp einer halben Mrd. Euro den Nettogewinn erneut deutlich gesteigert. Mit Linz gibt es weiterhin keine Verhandlungen über einen Vergleich.

PK BAWAG PSK:  ´JAHRESERGEBNIS 2015´ / BYRON HAYNES
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PK BAWAG PSK:  ´JAHRESERGEBNIS 2015´ / BYRON HAYNES
(c) APA/HANS KLAUS TECHT (HANS KLAUS TECHT)

Wien. „Wir sehen dem weiteren Prozess positiv entgegen.“ Mit diesen Worten reagiert Bawag-Chef Byron Haynes am Rande der Bilanzpräsentation am Donnerstag auf die Frage, ob die Ereignisse bei den zwei Prozesstagen Ende 2016 etwas an der Strategie der Bawag geändert hätten. Wie berichtet, hatte der zuständige Richter ja erklärt, dass aus seiner Sicht der strittige Swap-Vertrag zwischen Linz und Bawag wohl eher nicht gültig gewesen sei. Und er nannte auch Zahlen, über die man bei der Bank eher nicht erfreut gewesen sein dürfte: So wäre nach Einschätzung des Richters ein Vergleich im Ausmaß von 100 bis 300 Mio. Euro gerechtfertigt. Deutlich unter den Forderungen der Bank, die inklusive Zinsen mehr als 600 Mio. Euro betragen.

„Es stimmt, dass der Richter diese Zahlen genannt hat“, so Haynes weiter. Gleichzeitig habe er aber auch noch eine Reihe weiterer Fragen an die Gerichtsgutachter gestellt, um überhaupt feststellen zu können, ob der Vertrag gültig oder ungültig ist. Die Bank wolle diese Erkenntnisse im Rahmen des Prozesses daher erst einmal abwarten. „Allerdings stehen unsere Türen für einen sinnvollen Vergleich immer offen“, so Haynes. Das Angebot des Linzer Bürgermeisters, Klaus Luger, in Höhe von 100 Mio. Euro hatte er im Sommer des Vorjahres als „nicht vernünftig“ zurückgewiesen.

 

Gewinn vervierfacht

Eigentlich ging es bei der Bawag am Donnerstag jedoch nicht um die Vergangenheitsbewältigung des im Jahr 2007 geschlossenen Geschäfts, sondern um die Ergebnisse des Jahres 2016. Und die sind auch um einiges erfreulicher. So konnte das Institut seinen Nettogewinn mit einem Zuwachs von 23 Prozent erneut deutlich auf das Rekordniveau von 484 Mio. Euro steigern.

Besonders eindrucksvoll ist dieses Ergebnis, wenn man es mit dem Wert von 2012 vergleicht, als die Bank ihre Strategie grundsätzlich änderte. Seit damals hat die Bawag ihr Produktportfolio massiv gestrafft und sich vollständig aus Osteuropa zurückgezogen. Das Vorsteuerergebnis hat sich im selben Zeitraum von einst 110 Mio. Euro mehr als vervierfacht.

2017 soll diese positive Entwicklung weitergehen. „Für heuer peilen wir einen Gewinn von über einer halben Milliarde Euro an“, sagt Finanzvorstand Anas Abuzaakouk. Die Kernkapitalquote, die 2016 auf 15,1 Prozent angestiegen ist, soll weiterhin über zwölf Prozent liegen, da auch dieser Wert bereits weit über den regulatorischen Vorgaben von neun Prozent ist, sagt Abuzaakouk.

Erstmals gibt die Bawag auch eine Vorschau für die nächsten Jahre ab. So soll bis 2019 das Eigenkapital um bis zu zwei Mrd. Euro anwachsen. Ob die Eigentümer (vornehmlich die US-Fonds Cerberus und Golden Tree) die Braut damit für einen künftigen Verkauf schön machen wollen, sagt Haynes nicht. Klar ist nur: Anders als im Vorjahr wird heuer auf eine Dividende verzichtet. (jaz)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.02.2017)

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