Gütesiegelinstitut FSC wirft "Holzgiganten Schweighofer " hinaus

Neu mögliche Regelverstöße der Schweighofer-Gruppe bei der Holzvermessung haben zu der Entscheidung des Forest Stewardship Council geführt.

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Schweighofer

Nach vielen Anschuldigungen gegen Holzindustrie Schweighofer über womöglich illegal geschlägertes Holz in Rumänien hat das Gütesiegelinstitut FSC endgültig Konsequenzen gezogen. Das Forest Stewardship Council hebt die laufende "Bewährung" auf und trennt sich von der Unternehmensgruppe. Der WWF jubelt über den "Rauswurf des Holzgiganten", Schweighofer setzt weiter auf Nachhaltigkeitsmaßnahmen.

"Der internationale FSC-Vorstand traf diese Entscheidung aufgrund zusätzlicher Informationen über mögliche Regelverstöße der Schweighofer-Gruppe bei der Holzvermessung", teilte das FSC am Freitag mit. Um Umfang und Auswirkungen dieser Verstöße einschätzen zu können, müsste ein weiteres Untersuchungsverfahren eingeleitet werden, was jedoch unvereinbar mit der laufenden Bewährung von Schweighofer wäre.

Schweighofer akzeptiert Entscheidung

Sollten sich die Anschuldigungen gegen die österreichische Holzfirma bestätigen, "sieht der Vorstand bei einer Fortsetzung der Bewährung ein erhöhtes Risiko, dass Produkte in die Verarbeitungskette gelangen könnten, die die Standards und Regeln des FSC nicht erfüllen", so das Institut. "Dies ist für ein glaubwürdiges Zertifizierungssystem nicht tragbar."

Schweighofer hat laut FSC die Entscheidung akzeptiert und entschieden, seine noch bestehenden FSC-Zertifikate mit sofortiger Wirkung zu kündigen.

Das Unternehmen selbst sagte in einer Aussendung zu, nun "umso intensiver an der Umsetzung und Optimierung der Sicherheitsarchitektur für nachhaltige Holzlieferungen in Rumänien zu arbeiten". Geschäftsführer Frank Aigner bekannte sich "vorbehaltlos zum Kampf gegen unrechtmäßige Abholzungen in Rumänien, auch wenn wir selbst keine Bäume ernten".

Über die neuen Vorwürfe zur Holzvermessung zeigte sich das Unternehmen "verwundert", verfüge man doch über geeichte Messvorrichtungen und ein strenges Compliance-System. Schweighofer wolle aber FSC bei den Untersuchungen voll unterstützen.

WWF jubelt

Aigner hofft weiterhin auf einen baldigen Neustart mit FSC, wie er betonte. Für FSC ist das theoretisch möglich - aber vorerst nur für Produktionsstätten außerhalb Rumäniens. Das hänge von der weiteren Entwicklung der Schweighofer-Gruppe ab. Die vom Unternehmen bereits gesetzten Maßnahmen der vergangenen drei Monate nimmt FSC "anerkennend zur Kenntnis", der Plan bilde "eine gute Basis für weitere Diskussionen und die Entwicklung eines Fahrplans zur Beendigung der formellen Trennung".

Der WWF, der im November 2015 beim FSC offiziell Beschwerde gegen Schweighofer einlegte, frohlockt. "Der Rauswurf von Holzindustrie Schweighofer ist eine gute Nachricht für die Wälder in Rumänien", so die Umweltschutzorganisation. "Wer die Prinzipien nachhaltiger Forstwirtschaft mit Füßen tritt, darf sich nicht mit einem Siegel schmücken."

Eine Untersuchungskommission von FSC hatte 2016 "eindeutige und überzeugende Beweise" dafür gefunden, dass die Schweighofer-Gruppe in Rumänien "am illegalen Einschlag oder Handel von illegalem Holz beziehungsweise Holzprodukten beteiligt war".

Forest Stewardship Council

Das FSC ist eine internationale Non-Profit-Organisation und wird von Umweltverbänden wie dem WWF unterstützt. Die FSC-Zertifikate bescheinigen Firmen, kein Holz aus umstrittenen Quellen zu verwenden.

(APA)

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