Milliardenoffert für Unilever: Konsumgütersektor im Umbau

Kraft Heinz blitzt mit dem Preisangebot von 143 Mrd. Dollar vorerst ab, will aber weiter am Ball bleiben.

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(c) APA/ROBERT JAEGER

London. Alles ist relativ – auch milliardenschwere Kaufangebote: Der britisch-niederländische Konsumgüterhersteller Unilever ist angesichts des Übernahmeofferts des US-Konzerns Kraft Heinz im Volumen von 143 Mrd. Dollar nicht schwach geworden. Mit dem Angebot werde der Wert von Unilever deutlich zu niedrig eingeschätzt, teilte der Anbieter von Marken wie Knorr, Rama und Coral am Freitag mit. Das Angebot, das um 18 Prozent über dem Schlusskurs der Unilever-Aktie vom Donnerstag liegt, wurde auch aus strategischen Gründen zurückgewiesen.

Während die Europäer für weitere Gespräche keine Grundlage sehen, wollen sich die Amerikaner weiter um Verhandlungen bemühen. Offen ist, ob Kraft Heinz nachbessert bzw. ein formelles Übernahmeangebot macht.

Die Börsen bejubelten jedenfalls die Annäherung: Die Unilever-Aktie schoss an der Londoner Börse um bis zu 15 Prozent nach oben auf ein Rekordhoch von 3848 Pence. Investoren setzen auf eine Fusion zum Preis von 4000 Pence je Aktie, sagten Börsianer. Das Kraft-Heinz-Papier sprang nach Anfangsverlusten um 8,3 Prozent auf ein Rekordhoch von 94,50 Dollar.

Kraft will mit Unilever fusionieren, um einen führenden Konsumgüterkonzern zu schaffen. Das US-Unternehmen ist 2015 aus der Fusion des Nahrungsmittelherstellers Kraft und des Ketchup-Anbieters H.J. Heinz entstanden. Ein großer Investor ist der Milliardär Warren Buffett und seine Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway.

In den USA haben in den vergangenen Jahren Investoren die Branche aggressiv umgepflügt. Nun könnten verstärkt europäische Konzerne ins Visier geraten. Der Investor Nelson Peltz etwa war maßgeblich an der Abspaltung der Milka-Firma Mondelez von Kraft Foods beteiligt. Auch bei Pepsi hat sich Peltz eingekauft, er scheiterte aber mit dem Versuch, den Getränkeriesen aufzuspalten. Der Finanzinvestor 3G Capital übernahm Heinz und brachte dann die Fusion mit Kraft unter Dach und Fach. Es war nicht der erste Coup: 3G mischte auch bei der Fusion Anheuser-Busch mit Inbev mit. (Reuters)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.02.2017)

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