Revolution bei Inflationsberechnung: E-Bike statt Teddybären

Die neuen Warengruppen spiegeln einfach die Ergebnisse der Konsumerhebung wider, sagt Statistik-Austria-Chef Pesendorfer. Die Informationen aus den Scannerkassen sollten noch heuer einfließen.

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Der preis für E-Bikes wird künftig erfasst – (c) imago/Dean Pictures (imago stock&people)

Oftmals war die Zusammenstellung der Waren und Dienstleistungen für die Berechnung der Inflation in der Diskussion gestanden. Nicht mehr zeitgemäß, manche Waren würden die Statistik verfälschen, so ähnlich lauteten die Argumente. Nun hat die Statistik Austria hat den Warenkorb für die Inflationsberechnung neu gestaltet. Neu erhoben werden nun unter anderem die Preise für E-Bikes, Löskaffee, Pay-TV und Tanzschulen. Herausgefallen sind 67 Waren und Dienstleistungen, von Teddybären bis zu Inlandflügen, von der Mikrowelle bis zum MP3-Player.

"Unser Geschäft ist sehr nüchtern, wir haben nicht den emotionellen Zugang, was uns gefällt", sagte Konrad Pesendorfer, Chef der Statistik Austria, am Mittwoch bei der Vorstellung des aktualisierten Warenkorbs. Die Entscheidung spiegle einfach die Angaben der Konsumerhebung von 2014/15 wider. Das Plüschtier spielt in den Ausgaben der Österreicher keine Rolle mehr - Kriterium ist, dass weniger als ein Tausendstel der Haushaltsausgaben darauf entfallen. "Daher müssen wir manchmal auf den Teddybär verzichten".

Lebensmittel bald mit Rabatten

Die Statistik Austria erfasst künftig 770 Waren und Dienstleistungen (bisher 801), für die knapp 40.000 Preise pro Monat erhoben werden. Dafür hat Behörde derzeit 80 bis 85 Preisbeobachter beschäftigt, die in 20 Städten die Preise erheben.

Zumindest im Bereich Nahrungsmittel soll die Erhebung bald noch effizienter werden: Supermarktketten sollen nach EU-Vorgabe die Daten ihrer Scannerkassen zur Verfügung stellen. Damit würde die Statistik Austria Rabatte durchgehend erfassen, was bisher nur zufällig geschieht, wenn es gerade ein Aktion gibt, während die monatliche Preiserhebung stattfindet. Ganz am Anfang könnte das einen preisdämpfenden Effekt haben, der aber spätestens nach einem Jahr verschwindet. Andererseits könne man klar messen, welche Produkte die Österreicherinnen und Österreicher am häufigsten kaufen - und diese dann für die Inflationsberechnung berücksichtigen. Damit werde die Preisfeststellung "wahrheitsgetreuer". Pesendorfer ist zuversichtlich, dass es noch heuer eine Einigung mit dem "überschaubaren Kreis" der großen Einzelhandelsketten gibt. Klar sei, dass die Statistik Austria nur Daten einfordert, die ohnehin schon erhoben werden.

Das größte Gewicht im Warenkorb hat die Gruppe Wohnung, Wasser, Energie mit einem Fünftel, ihr Anteil ist im Vergleich zum bisherigen Warenkorb noch gestiegen, erläuterte Statistik-Austria-Experte Josef Auer. Das sei wahrscheinlich vor allem darauf zurückzuführen, dass diese Produkte zuletzt im Vergleich zu anderen Produkten teurer geworden sind. Verkehr folgt mit fast 13 Prozent, vor den drei Gruppen Essen und Trinken, Freizeit und Kultur sowie Restaurants und Hotels mit jeweils über 11 Prozent. Auch das Gewicht von Restaurants und Hotels an den Gesamtausgaben hat zugelegt - ebenfalls wegen Preiseffekten, so Auer.

Allerdings haben sich auch die Konsumgewohnheiten geändert. Österreicher essen häufiger auswärts, wobei man auch den Fastfood-Bereich bedenken müsse. Erziehung und Unterricht ist bei den Ausgaben der privaten Haushalte mit 1,2 Prozent der kleinste Korb - für Schule und Universität müssen die Haushalte aber nicht direkt zahlen.

 

 

(APA)

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