Mehr als 19 Mrd. Schwarzgeld aus Russland in die EU geflossen

Ein Journalistennetzwerk hat recherchiert, dass in wenigen Jahren mehr als 19 Milliarden Euro dubioser Herkunft in die EU geflossen sind. Auch Österreich ist betroffen.

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 Eine Journalistengemeinschaft hat nach eigenen Angaben Überweisungen aus einer großen russischen Geldwäschemaschinerie aufgedeckt. Details zu den Österreich-Beziehungen des russischen Schwarzgelds will die Rechercheplattform "Dossier" erst im Laufe des heutigen Tag veröffentlichen. Laut Homepage geht es um 4,1 Millionen Euro, die zwischen 2010 und 2014 in 88 Transaktionen an 32 Empfänger geflossen seien. Im selben Zeitraum sollen mehr als 19 Milliarden Euro aus Russland in die EU geflossen.

Die "Süddeutsche Zeitung" stützt ihren Bericht nach eigenen Angaben auf einen Datensatz von etwa 70.000 Überweisungen, der ihr selbst und internationalen Partnermedien vorliege. Die "SZ" konnte demnach 662 Fälle identifizieren, in denen Geld von Konten in Lettland genutzt worden sei, um in Deutschland Rechnungen zu bezahlen. Firmen oder Menschen aus Russland, der Ukraine oder Weißrussland hätten Produkte im Einzelhandel gekauft oder sich Waren liefern lassen. Die Bezahlung hätten immer die Briefkastenfirmen übernommen, heißt es in dem Bericht. 66,5 Millionen Dollar seien auf diesem Weg in den Büchern deutscher Unternehmen oder bei Privatpersonen gelandet.

"Die meisten der österreichischen Empfänger dürften ohne ihr Wissen Teil des Netzwerks der mutmaßlichen Geldwäscher geworden sein", schreibt "Dossier" online. Für sie seien es völlig übliche Geschäfte gewesen. Grundsätzlich seien mit dem Geld "triviale" Dinge wie Damenjacken, Computerzubehör oder Autoersatzteile gekauft worden. Bezahlt wurden unter anderem Möbelhändler, Bekleidungshersteller, ein börsennotierter Rohstoffhändler; auch Privatpersonen, eine Schule und ein Gericht.

Briefkastenfirmen in der EU

Funktioniert habe die Geldwäsche über Briefkastenfirmen in der EU. Die eine habe der anderen Geld geliehen, das sie überhaupt nicht hatte. Für die Rückzahlung haftete eine russische Firma. Wenn dann die Empfängerin nicht zurückzahlen konnte, sprang die russische Haftung ein - und das Geld floss nach Europa. Um dem einen formellen Anschein zu geben, sei das Geld über ein Gericht in Moldawien eingeklagt worden, moldawische Gerichte hätten den Anspruch bestätigt.

Das Recherchenetzwerk OCCRP (Organized Crime and Corruption Reporting Project) hat das System bereits 2014 aufgedeckt, neu ist nun, dass einzelne Transaktionen nachverfolgt werden können. Nach Angaben von Paul Radus, Mitbegründer und Direktor des OCCRP, wurde bereits einigen der beteiligten moldawischen Richter der Prozess gemacht. Vier Mitarbeiter der moldawischen Nationalbank seien angeklagt worden, weil sie ihre Aufsichtspflicht verletzt haben sollen. Eine der beteiligten Banken, die lettische Trasta Komercbanka, hat erst Anfang März ihre Lizenz verloren. Radus hofft laut Interview in "Dossier", dass durch die neuen Veröffentlichungen auch andere Länder Ermittlungen aufnehmen werden.

>>> Bericht auf "Dossier.at"

(APA)

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