23.11.2009 00:18 | Meine Presse Merkliste0

ÖIAG könnte von AUA 75 Millionen zurückholen

03.11.2009 | 22:47 |  Hedi Schneid (Die Presse)

Falls die AUA den Prozess gegen den doch-nicht-Investor Al Jaber gewinnt – wovon die AUA ausgeht –, profitiert aber nicht nur sie, sondern auch die ÖIAG, die die Klage maßgeblich unterstützt hat.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Wien. Der AUA-Verkauf an die Lufthansa ist abgeschlossen. Doch während der Großteil der Kleinaktionäre mit 4,49 je Aktie einen – angesichts der problematischen wirtschaftlichen Lage der Fluglinie – relativ guten Preis erhalten haben, wird die Staatsholding ÖIAG wahrscheinlich leer ausgehen. Aufgrund der erwarteten AUA-Verluste dürfte sie auf den mit der Lufthansa vereinbarten Besserungsschein über 162 Millionen Euro verzichten müssen.

Nun winkt ihr jedoch ein Trostpflaster. Sollte die AUA den Schadenersatzprozess, den sie im Vorjahr gegen Scheich Mohammed Bin Issa Al Jaber angestrengt hat, gewinnen, würde die Hälfte des Geldes an die ÖIAG gehen, wie die „Presse“ aus Konzernkreisen erfuhr. Der Streitwert dieses Verfahrens beträgt 150 Millionen Euro.

„Die AUA hat eine sogenannte Eventualforderung von 156,4 Mio. Euro (inklusive Gebühren, Anmerkung) “, sagt AUA-Sprecher Martin Hehemann. Das bedeutet, dass das Geld nicht im Jahresabschluss enthalten ist, da noch unklar sei, ob man es erhalte. Sollte die AUA den Prozess verlieren, würden dem defizitären Unternehmen aufgrund der Gerichtsgebühren sogar zusätzliche Kosten entstehen.

Scheich sprang ab
Der Anlass für das Verfahren liegt mehr als ein Jahr zurück: Im Frühjahr 2008 wollte der damalige AUA-Chef Alfred Ötsch den arabischen Geschäftsmann mit österreichischem Pass als Investor für die AUA an Bord holen. Al Jaber sollte 150 Mio. Euro in die Fluglinie einschießen und im Gegenzug 20 Prozent der Anteile bekommen. Knapp vor der Abwicklung des Einstiegs – aber nach Unterzeichnung der Verträge – sprang Al Jaber ab. Er begründete dies damit, dass er über die wahre wirtschaftliche Lage falsch informiert worden sei. Ötsch hatte die AUA als saniert bezeichnet, knapp danach wurde ein Verlust im ersten Quartal von 60,4 Mio. Euro bekannt.

Nachdem ein Vergleich gescheitert war, brachte die AUA die Klage ein. Um Rechtsansprüche zu wahren, wurde die Kapitalerhöhung – allerdings ohne Al Jaber – Mitte September 2008 durchgezogen. Da lief schon der Privatisierungsprozess. Für die AUA war die Lage klar: Al Jaber habe seinen Vertrag nicht erfüllt und sei daher schadenersatzpflichtig. Al Jaber sah das anders. Er sprach wiederholt von „arglistiger Täuschung“ bzw. zumindest von bewusster Verletzung von Aufklärungspflichten. Al Jaber brachte kurze Zeit später eine Klage gegen Ötsch ein.

Es dürfte allerdings noch einige Monate dauern, bis das Urteil fällt und klar ist, ob die Staatsholding, – sie hat der AUA im Dezember 2008 ein 200 Mio. Euro schweres Überbrückungsdarlehen gewährt hat, um sie vor der Insolvenz zu retten – und die AUA Geld sehen. Grundlage der weiteren Vorgangsweise des Handelsgerichts Wien ist eine Expertise, die bei Gutachter Herbert Heiser (Partner beim Wirtschaftsprüfer und Steuerberater Leitner+Leitner) bestellt wurde. Er soll die Gretchenfrage beantworten: Wie stand die AUA zu diesem Zeitpunkt wirklich da?

Al Jaber klagt Ötsch

Eng mit dem Schadenersatzprozess im Zusammenhang steht das Verfahren, das Al Jaber gegen Ötsch angestrengt hat – die Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Wien lautet auf den Verdacht des schweren Betrugs und den Verstoß gegen Paragraf 255 Aktiengesetz (unrichtige Weitergabe, Verschleierung oder Verschweigung unternehmensrelevanter Ereignisse).

Auch in dieser Frage ist ein Sachverständiger am Wort. Martin Geyer (er wurde als Libro-Gutachter bekannt) soll klären, ob Ötsch falsch informiert hat und ob die AUA möglicherweise zu dem Zeitpunkt schon insolvent gewesen sei. In diesem Fall wäre auch ein Krida-Tatbestand gegeben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.11.2009)

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Artikel kommentieren Kommentieren BookmarkBookmarken bei [Was ist das?]

Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*


Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

3 Kommentare
Gast: Blitzky
04.11.2009 08:50
0 0

Da braucht man wohl keinen Gutachter, denn das weiß ja inzwischen jeder...

... dass die AUA natürlich nicht saniert war und es auch jetzt noch nicht ist.
Der Herr Ötsch kann sich höchstens auf sein fachliches Unvermögen ausreden, von den tatsächlichen Verhältnissen nichts gewusst zu haben und im guten Glauben gehandelt zu haben.
Dafür braucht es aber keine teuren Gutachter, sondern eher ein Psycho-Attest.....

hw
04.11.2009 12:50
0 0

Re: Da braucht man wohl keinen Gutachter, denn das weiß ja inzwischen jeder...

herr ötsch hat es eventuell sogar gewußt, ich denke eine echte sanierung wurde im sogar untersagt.

hw
04.11.2009 00:08
0 0

eines wisser wir

saniert war die AUA jedenfalls nicht.

Schlagzeilen Wirtschaft

  • T-Mobile-Chef: "Wir fühlen uns benachteiligt"
    Europaweit ist der Streit um die „Digitale Dividende“ weitgehend entschieden - für die Mobilfunker. Österreich habe darauf schlichtweg vergessen, klagt T-Mobile-Chef Chvatal.
    Zahme Prüfung der OeNB bescherte Hypo Staatshilfe
    Ein Gutachten der Nationalbank aus dem Dezember hielt Gewinne der verlustreichen Bank im heurigen Jahr noch für plausibel. Grundlage dafür ist ein oberflächlicher Bericht der Oesterreichischen Nationalbank.
    Fonds floppten, weil zu wenige Versicherte starben
    Fonds der Deutschen Bank investierten in Lebensversicherungen und warteten auf den Tod der ursprünglichen Versicherungsnehmer. Da zu wenige starben, blieben die Erlöse aus. Der Bank droht nun eine Klage.
  • Bulgarien: Brunch statt Budgetdebatte
    Sofia winkt Budget für 2010 durch, darüber reden wollte im Parlament niemand. Der Haushaltsentwurf geht von einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts von zwei Prozent auf 32,6 Mrd.Euro aus.
    Doch keine Gebühr im Cyberspace
    Der Unabhängige Finanzsenat Linz verneint eine Gebührenpflicht bei der Einigung per E-Mail ohne Ausdruck.
    Was wurde aus... dem Waldsterben?
    "Der Wald stirbt", wurde uns in den 1980er-Jahren erklärt. Mittlerweile gibt es in Österreich mehr Wald als je zuvor. Warum eigentlich? Haben die Warnungen die Bäume gerettet – oder hat man damals einfach nur heillos übertrieben?
  • Magna-Chef Wolf will Arbeitskräfte flexibler einsetzen
    Wolf fordert "Work-on-Demand" und die Frühpensionierung von schwer vermittelbaren Arbeitskräften. Die Krise sei eine historische Chance zur Flexibilisierung.
    Subventionswettlauf um Opel gestartet
    EU-Industriekommissar Günter Verheugen kritisiert scharf die Ersteigerung von Arbeitsplätzen. Welche Opel-Standorte werden in Europa überleben dürfen? Klar ist, dass etwa 10.000 Mitarbeiter werden gehen müssen.
    Banker auf der Kanzel: "Wir leisten Gottes Arbeit"
    Mit Vorträgen versuchen britische Banker, das Image ihres Berufsstandes auf Vordermann zu bringen. Ort des Geschehens: englische Gotteshäuser. In der Londoner City feiert man die Rückkehr der Megabonuszahlungen
  • Design-Dildo statt Kabinen-Porno
    Beate Uhse, Europas größter Erotikhändler, klagt über schlechte Geschäfte. Haben Sexshops ausgedient? Mitnichten. Zumindest, solange sie neue Kunden ansprechen. Der Konzern der verstorbenen Primadonna meldete sinkende Umsätze.
    Wirtschaftskrise: Opfer, entschädigt doch die Täter!
    Hochrangige Banker bauen bereits für die nächste Wirtschaftskrise vor. Die Steuerzahler sollten sich besser anschnallen. Sicher ist sicher. Josef Ackermann ist wohl etwas wie der Mann fürs Grobe in der sonst so zurückhaltend agierenden Bankenszene.
    Sinnfrei an der Börse
    Warum der Neueinstieg in Aktien derzeit keinen Sinn ergibt, K+S aber spekulativ trotzdem eine Überlegung wert wäre.