Zürich/Wien. Die Schweizer Finanzaufsicht hat am Dienstag eines der größten Ermittlungsverfahren abgeschlossen. Gegen die Österreicher Ronny Pecik und Georg Stumpf sowie den russischen Oligarchen Viktor Vekselberg wurde Strafanzeige erstattet. Den Investoren wird vorgeworfen, die Beteiligung am Maschinenbaukonzern Sulzer nicht gesetzeskonform aufgebaut zu haben. Sulzer ist mit 10.000 Mitarbeitern und Erlösen von umgerechnet 2,4Mrd. Euro einer der größten Industriebetriebe der Schweiz.
Stumpf und Pecik hatten 2007 gemeinsam mit Vekselberg überraschend eine Beteiligung von 31 Prozent an Sulzer aufgebaut. Zwei Jahre lang dauerte die Untersuchung der Finanzaufsicht. Im Endbericht kommt die Behörde zum Schluss, dass die Österreicher und Vekselberg beim Schnüren des Aktienpakets gesetzliche Offenlegungspflichten verletzt haben. Die Betroffenen weisen dies zurück. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Den Investoren droht im schlimmsten Fall eine Geldstrafe. Eine Rückabwicklung des Geschäfts gilt allerdings als höchst unwahrscheinlich.
Deutlich schwerwiegender sind die Konsequenzen für die drei Banken, die den Investoren beim Aufbau der Beteiligung geholfen haben. Laut Angaben der Aufsicht haben die Deutsche Bank, die Zürcher Kantonalbank (ZKB) und die Neue Zürcher Bank (NZB) „aufsichtsrechtliche Pflichten teilweise schwerwiegend verletzt“.
Die Neue Zürcher Bank kostet die Affäre sogar die Unabhängigkeit. Sie wird von der Basler Bank Sarasin übernommen. Der Schritt diene „der Vertrauensbildung bei Kunden und Mitarbeitern der NZB“, teilte Sarasin gestern mit.
Bankchef muss gehen
Auf Anordnung der Finanzaufsicht muss NZB-Geschäftsführer Martin Eberhard das Institut verlassen. Eberhard war Mitbegründer der Bank und neun Jahre lang deren Geschäftsführer.
Bei der Schweizer Tochter der Deutschen Bank und der Zürcher Kantonalbank waren behördliche Auflagen nicht notwendig. Denn die für den Sulzer-Positionsaufbau verantwortlichen Manager sind bereits ausgeschieden. So hatte der Chef der Zürcher Kantonalbank Hans Vögeli schon 2007 den Hut genommen. Die Aufsicht stellte bei allen drei Instituten teils gravierende organisatorische Mängel fest. Diese seien aber inzwischen behoben worden.
In der Mitteilung der Behörde heißt es weiters, sie sei auch künftig entschlossen, „sehr aufwendige Untersuchungen zu führen und nach deren Abschluss die angezeigten Maßnahmen zu treffen“.
Die Österreicher Pecik und Stumpf sind inzwischen nicht mehr Aktionäre bei Sulzer, der russische Oligarch Vekselberg hingegen hält über seine Beteiligungsgesellschaft Renova fast ein Drittel der Anteile.
Im Sommer hatte der Multimilliardär bei einer außerordentlichen Hauptversammlung zwei Vertrauensleute in den Aufsichtsrat von Sulzer gehievt. Was der Oligarch mit dem Konzern vorhat, ist noch unklar. Frühere Pläne, Sulzer mit dem angeschlagenen Schweizer Industriekonzern Oerlikon zu verschmelzen, wurden inzwischen verworfen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.11.2009)

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