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Kredite: Kleinbetriebe lassen staatliche Förderung liegen

03.11.2009 | 18:47 |   (Die Presse)

SPÖ-Unternehmer fordern Kredite schon ab 1000 Euro. Beim Austria Wirtschaftsservice hält man das Vorhaben, Kredite ab 1000 Euro zu vergeben, für unpraktikabel. Es sei jetzt schon schwer, Banken für die Abwicklung von Kleinkrediten zu finden

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Wien (b.l.). Das Austria Wirtschaftsservice (AWS), eine Förderorganisation des Bundes, hätte heuer 800 Mio. Euro an Haftungen und Garantien für Klein- und Mittelbetriebe zur Verfügung. Nicht einmal die Hälfte wird man benötigen. Die Haftungen gibt es für Investitionen, und die Betriebe würden zu wenige Projekte vorlegen, sagte AWS-Sprecher Christian Lossgott. Auch die 600 Mio. Euro Kreditmittel aus dem ERP-Fonds (Fördermittel aus dem Marshall-Plan) werde man nicht voll ausschöpfen.

Laut Fritz Strobl, Präsident des Sozialdemokratischen Wirtschaftsverbands Wien, ist der im Konjunkturpaket gesetzte Rahmen für Projekte für Klein- und Mittelbetriebe (KMU) von 1,5 Mrd. Euro nur zu 28 Prozent ausgeschöpft. Die Ursachen sieht Strobl darin, dass es staatliche Kredite erst ab 10.000 Euro gibt und dass die Banken, die seiner Meinung nach selbst noch immer zu restriktiv Kredite gewährten, die Unternehmen zu wenig über diese Möglichkeit informierten.

Die Banken müssten verpflichtet werden, ihre Kunden über die staatlichen Kredite zu informieren. AWS-Kredite und Haftungen sollte es schon ab 1000 Euro geben (derzeit liegt die Untergrenze für Kredite bei 10.000 Euro, für Haftungen noch höher). Eine KMU-Milliarde sollte pauschal genehmigt werden. Anfang 2010 will man eine entsprechende Petition an Pröll übergeben.

 

„Keine Kreditklemme“

Harald Waiglein, Sprecher des Finanzministers, ortet „billige Polemik“. Das Finanzministerium sei für das AWS, das dem Wirtschafts- und dem Infrastrukturministerium untersteht, nicht zuständig. Zudem bedürften Kredite nun einmal einer individuellen Prüfung. Auch zeigten Daten der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB), dass es keine Kreditklemme gibt. Das sieht auch Herbert Pichler so. Er ist für Banken in der Wirtschaftskammer zuständig. Bei den Bonitätsprüfungen wendeten die Banken nur die gesetzlichen Vorgaben an. Und über die AWS-Kredite würde man die Kunden informieren.

Beim AWS hält man das Vorhaben, Kredite ab 1000 Euro zu vergeben, für unpraktikabel. Es sei jetzt schon schwer, Banken für die Abwicklung von Kleinkrediten zu finden, sagt Lossgott. Kürzlich musste man die Gebühr für die Abwicklung durch Banken von 500 auf 1000 Euro erhöhen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.11.2009)

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9 Kommentare
Gast: Martin S
04.11.2009 18:17
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Also, ich habe beim ersten Wort

"SPÖ-Unternehmer" so lachen müssen, dass mir der Rest des Artikels Wurscht ist...

hw
04.11.2009 00:27
0 0

ineffizient und gefährlich!

zuerst knöpft man den KMUs mittels steuer die einnahmen ab, und dann sollen sie sich über den förderungsdschungel das geld wieder zurückholen.
den schaden haben dabei jene unternehmen, welche sich mit ihrer eigentlichen kernaufgabe beschaeftigen.
man will wohl mit aller gewalt gute unternehmen ruinieren!

Antworten Gast: schumpeter
04.11.2009 07:03
0 0

Re: Gute Unternehmen ruinieren ...

... "gute" Unternehmen suchen in der Regel kaum um Förderungen an, die können sich ihre Investitionen aus dem Cash-Flow finanzieren. Die Förderung ermöglicht einen gezielten Einsatz von staatlichen Mitteln, neben Projektunterlagen ist auch der Verbrauch mittels Zahlungsbelege nachzuweisen. Was ist denn so falsch dran? Mit der Förderung soll ein bestimmtes Unternehmensziel finanziert werden, nicht der Ferrari des Sohnemanns ...

hw
04.11.2009 12:46
0 0

Re: Re: Gute Unternehmen ruinieren ...

es sollten z.b. nur dinge und unternehmen gefördert werden, welche einzigartig und einmalig sind.
sonst entsteht sofort eine wettberwerbsberzerrung!

sie können nicht trennen was mit dem geld dann speziell passiert.

Murray
04.11.2009 11:47
0 0

Re: Re: Gute Unternehmen ruinieren ...

Falsch daran ist, dass mit dieser und mit ca. 10.000 anderen Maßnahmen unrentable Unternehmen auf Kosten der rentablen subventioniert werden. Ein Unternehmer, der lieber zum AWS rennt, um einen 1.000-Euro-Kredit zu erlangen, statt das Geld aus seinem Ersparten vorzustrecken, gehört nicht gefördert, sondern aus dem Verkehr gezogen.

Antworten Antworten Antworten Gast: df
04.11.2009 14:47
0 0

Re: Re: Re: Gute Unternehmen ruinieren ...

Ich fürchte, Sie verwechseln hier Kredite mit Förderungen bzw. Zuschüssen! Das ist so wie Äpfel und Birnen.

Kredite müssen natürlich zurückgezahlt werden (auch bei der aws), die "Förderung" besteht lediglich in einer niedrigeren Verzinsung. Dennoch kriegt nicht "jeder" so einen Kredit, sondern es müssen schon bestimmte Vorgaben erfüllt werden.

Und wieso soll ein intelligent agierender Unternehmer eigentlich keine Förderung erhalten? Wenn er durch einen Zuschuss für eine besonders innovative (und damit risikoreiche!) neue Entwicklung diese schnell ausprobieren und umsetzen kann, damit im besten Fall Arbeitsplätze schafft usw. ...?! Natürlich geht's meist auch ohne Förderung irgendwie, aber auch meist erheblich langsamer (und dann hätten wir da wieder die Problematik der "time to market" - da hat einen dann ev. ein anderer, der intelligenter sein Unternehmen steuert, mit einer ähnlichen Entwicklung schon überholt...).

Und das mit der Wettbewerbsverzerrung hat sich die EU schon ganz gut überlegt und in den verschiedenen Richtlinien festgeschrieben...

Murray
04.11.2009 17:22
0 0

Re: Re: Re: Re: Gute Unternehmen ruinieren ...

Vielleicht hängt meine Skepsis gegenüber Förderungen damit zusammen, dass ich geförderte Unternehmen in der Praxis erlebt habe. Zu den Geldern, die effektiv verschwendet waren, kamen dann auch noch die Aufwendungen für die Verwaltung - jemand muss ja nachschauen, ob die Vorgaben erfüllt werden.
Und wenn man jetzt nur wegen der Förderung schneller ist als der andere - ist das gerecht dem anderen gegenüber? Eigentlich schon eine Wettbewerbsverzerrung, oder?

hw
04.11.2009 17:35
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Re: Re: Re: Re: Re: Gute Unternehmen ruinieren ...

förderungen sollten ausschliesslich für neue entwicklungen vergeben werden. so wie es jetzt läuft, dass auch schulungen bezahlt (inkl. mitarbeiterlohn!) werden ist es ein wahnsinn. jeder unternehmer, der bereits 2007/2008 seine mitarbeiter geschult hat ist der voll depp. ich weiß schon, so wie es jetzt läuft sehen die arbeitslosenzahlen besser aus.

in prinzip ist es ja bei der thermischen sanierung das gleiche, alle die den hohen ölpreis geahnt haben und saniert haben, bekamen um einiges weniger als jetzt.

diese art der förderung fördert die dummen und straft die intelligenten ab.

hw
04.11.2009 15:26
0 0

Re: Re: Re: Re: Gute Unternehmen ruinieren ...

"..sondern es müssen schon bestimmte Vorgaben erfüllt werden.."

die oft sehr zugeschnitten sind auf bestimmte unternehmen.

nehmen wir das bespiel schulungen. derzeit sind rel. leicht förderungen (volle bezahlung+schulungskosten!)zu bekommen. nun ein unternehmer der derzeit seine mitarbeiter zum arbeiten braucht, und weil er eben die krise kommen sah vielleicht schon vor 2 jahren seine MA zur weiterbildung geschickt hat.
der schaut durch die finger und wird finanziell ausgebremst.
aber gerade unternehmer mit weitblick, dass wäre was das land braucht!

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