Wien (ag./nst). Nach monatelangen Bemühungen haben die heimischen Bausparkassen einen Erfolg erzielt. Die Finanzmarktaufsicht (FMA) hat am Mittwoch bekannt geben, dass die Grenzwerte für Bauspardarlehen erhöht werden. Die neue Regelung wird ab 1. Jänner des kommenden Jahres in Kraft treten und Folgendes beinhalten:
•Die Höhe der im Grundbuch besicherten Bausparkredite wird von 150.000 auf 180.000 Euro angehoben.
•Werden sogenannte Großbausparverträge abgeschlossen, so steigt der Mindestwert von 300.000 Euro auf 360.000 Euro. Bei einem Großbausparvertrag müssen mindestens vier Wohnungen betroffen sein, die rechtlich oder architektonisch zusammenhängen.
•Die Grenze für Darlehen oder Garantien, die im Einzelfall keine Besicherung benötigen, bei denen die Bank also keine Eintragung ins Grundbuch vornimmt, steigt ebenso. Sie nimmt von 22.000 Euro auf 25.000 Euro zu.
Josef Schmidinger, Vorstand der S-Bausparkasse, sagt: „Wir begrüßen den Schritt der Finanzmarktaufsicht sehr. Private haben nun den Vorteil, dass sie ihre Verträge besser ausnutzen können.“
Die letzte Erhöhung bei besicherten Darlehen hat im Jahr 2002 stattgefunden. Die Bausparkassen verweisen in diesem Zusammenhang darauf, dass die Baupreise für den Bau von Wohnhäusern laut Baukostenindex im selben Zeitraum aber um 29 Prozent nach oben geklettert sind.
Mit Beginn dieses Jahres wurden bereits die Beitragssätze für staatlich geförderte Spareinlagen angehoben. Und zwar von 83,34 Euro auf derzeit hundert Euro monatlich. Die nun gesetzte Maßnahme sei der „Nachzieher“, sagt Schmidinger. Der S-Bausparkassen-Chef glaubt, dass das Interesse für unbesicherte Kredite im kommenden Jahr zunehmen wird. „Ich erwarte, dass mehr Finanzierungen möglich sein werden.“
Erich Rainbacher, Generaldirektor der Raiffeisen Bausparkasse, rechnet künftig vor allem im Sanierungsbereich mit „belebenden Impulsen“. Manfred Ulreich, Vorstand der ABV-Bausparkasse, glaubt, dass sich die Anhebung der Höchstgrenzen positiv auf die Zahl der Neuabschlüsse auswirken werde. Die Anzahl der neuen Verträge sei aber schwer zu beziffern.
Kaum Fremdwährungskredite
Die Nachfrage nach Bausparverträgen und -krediten hat in den vergangenen Monaten stark zugenommen. Die Gründe dafür sind unterschiedlich. Zum einen sind die Zinsen für Bausparkredite relativ niedrig. Zum anderen werden so gut wie keine Fremdwährungskredite mehr vergeben, die sich einst hoher Beliebtheit erfreuten.
Die Zahl der neu abgeschlossenen Bausparverträge bei den heimischen Bausparkassen ist in den ersten neun Monaten dieses Jahres um sieben Prozent auf 668.900 Stück gestiegen. Die Ausleihungen erhöhten sich im selben Zeitraum um zehn Prozent auf 16,7 Mrd. Euro.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.11.2009)

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