Wien (APA). Das E-Mail sieht seriös aus: Eine Riesen-Erbschaft locke, und dazu müsse der Erbe sein Bankkonto zur Verfügung stellen und eine Vorauszahlung für die Transaktion leisten. Das Geld verschwindet und die Erbschaft gibt es ohnedies nicht. Ganz schnell sind so 300.000 Euro und mehr weg. Das sei nur ein Beispiel für die vielen Betrugsfälle, mit denen das Bundeskriminalamt (BKA) konfrontiert ist. 419 derartige Schreiben wurden der Meldestelle für Geldwäsche A-FIU (Austrian Financial Intelligence Unit) im Vorjahr übermittelt.
In Summe stagniere die Zahl der Meldungen von Verdacht auf Geldwäsche auf hohem Niveau, sagte Rudolf Unterköfler, Leiter des Büros zur Bekämpfung der Wirtschaftskriminalität im BKA, am Mittwoch. 2007 war das Rekordjahr mit 1085 Meldungen, im Vorjahr gab es 1059 Meldungen. Der Großteil (992) kam von Banken. Sie machen eine Meldung, wenn sie bei Konten regelmäßige Überweisungen ins Ausland feststellen. Oft stelle sich heraus, dass der Kontoinhaber nicht Geldwäscher sei, sondern das Opfer internationaler Betrüger.
Zu einer Anzeige kam es im Vorjahr jedoch nur in 274 Fällen. 2007 (letzte verfügbare Daten) gab es 14 Verurteilungen wegen Geldwäsche.
„Die Täter werden immer versierter und weichen zudem auf Bargeldtransfers aus“, berichtete der Leiter der Geldwäsche-Meldestelle, Josef Mahr. Die Abwicklung dubioser Geldgeschäfte über Kuriere sei einfacher, rascher und zuverlässiger. Pro Quartal erhalte man da rund 600 Meldungen.
Noch mehr Probleme haben die Kriminalisten mit Offshore-Firmen. Das sind Unternehmen in Steuerparadiesen, von denen meist nur ein Name und eine Adresse existieren. Sie könnten nur mit internationaler Hilfe aufgespürt werden.
Warum trotz Warnungen so viele Menschen Betrügern aufsitzen? „Es ist das Dagobert-Duck-Syndrom“, sagt Mahr.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.11.2009)

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