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Veranlagungen: Versicherungen versenken Milliarden

05.11.2009 | 18:36 |  CHRISTIAN HÖLLER (Die Presse)

Die Finanzkrise bescherte den österreichischen Versicherungen einen Abschreibungsbedarf von 2,1 Mrd. Euro. Grund sind Veranlagungen bei Lehman Brothers und in Island. Den Börsenboom in den vergangenen Monaten haben die verschlafen.

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Wien. Die Finanzkrise hat nicht nur die Banken, sondern auch die Versicherungen hart getroffen. Allein in Österreich haben die Assekuranzen in den Jahren 2007 und 2008 in Summe 2,1Mrd.Euro abgeschrieben. Dies geht aus einer am Donnerstag veröffentlichten Studie von Wifo-Experte Thomas Url hervor. „Dabei dürfte es sich nicht nur um Buchverluste handeln, sondern der Großteil dürfte realisiert worden sein“, sagt Url im „Presse“-Gespräch. Seinen Angaben zufolge hielten die Gesellschaften unter anderem Wertpapiere der US-Investmentbank Lehman Brothers.

Auch in Island waren die heimischen Versicherungen engagiert. Laut Url seien die negativen Auswirkungen der Finanzkrise in allen Bereichen der Privatversicherungen zu beobachten gewesen. Der hohe Abschreibungsbedarf habe in allen drei Sparten (Lebens-, Kranken- sowie Schadens- und Unfallversicherung) einen scharfen Rückgang der Finanzerträge bewirkt.

 

Trotz Krise gibt es einen Gewinn

Url ist der erste Fachmann, der die Auswirkungen der Finanzkrise auf die heimische Versicherungsbranche berechnet hat. Kunden müssen sich dennoch keine Sorgen machen. Denn trotz des Abschreibungsbedarfs haben die Versicherungen im Vorjahr aus der Finanzgebarung laut Wifo-Studie einen Überschuss von 2,3Mrd.Euro erzielt. In der Lebenssparte ging der Gewinn aus den Anlagegeschäften um 32,3Prozent auf 1,6Mrd.Euro zurück.

Es gibt aber einige Gesellschaften (wie Wüstenrot oder die Bank Austria Versicherung), die im Vorjahr teilweise beachtliche Verluste erwirtschafteten. Sie konnten das Minus mit der Auflösung von Reserven abdecken. Im Gegensatz zu den Banken brauchte daher in Österreich keine Versicherung Hilfe vom Staat.

Für die Kunden bedeutet die Entwicklung aber nichts Gutes. Neben den Abschreibungen für Wertpapiere mussten die Versicherungen zuletzt auch hohe Unwetterschäden verkraften. Laut Analyse des Versicherungsverbands verursachten außergewöhnliche Wetterereignisse wie Hagel, Sturm und Hochwasser seit Jahresbeginn versicherte Schäden von einer halben Milliarde Euro. Das ist ein neuer Rekord. Die Schäden sind höher als jene des „Jahrhunderthochwassers“ aus dem Jahr 2002.

 

Prämien werden angehoben

Viele Gesellschaften wie die Generali und die Wiener Städtische haben daher angekündigt, die Prämien für Sturm und Hagel demnächst um bis zu zehn Prozent zu erhöhen.

Bereits 2008 lag die Schadenquote in der Sturmschadenversicherung bei 153,9Prozent und in der Hagelversicherung bei 125,4 Prozent. In beiden Sparten lagen die Leistungen laut Wifo-Studie schon 2006 und 2007 über den Einnahmen. Auch der Aufwand für Einbruch und Diebstahl macht einigen Assekuranzen zu schaffen.

Nicht viel besser sieht die Situation für Inhaber von Lebenspolizzen aus. Obwohl die Aktienkurse seit Frühjahr um mehr als 50Prozent gestiegen sind, müssen sich Versicherungskunden mit sinkenden Überschusszahlungen auf ihre Polizzen zufriedengeben. Viele Gesellschaften spüren nichts vom Börsenboom, da sie den Aktienanteil im Zuge der Finanzkrise gesenkt haben. In Österreich haben die meisten Lebensversicherungen zuletzt 4,25Prozent an ihre Kunden ausgeschüttet. Wiener- Städtische-Chef Günter Geyer geht davon aus, dass dieses Ziel heuer nicht erreicht werden kann. Er vermutet, dass die Rendite auf etwas unter vier Prozent sinken werde. „Im Vergleich zu den Zinsen auf dem Sparbuch schneiden die Versicherungen aber immer noch besser ab“, sagt Geyer.

Der Städtische-Chef geht davon aus, dass der von Wifo-Chef Url berechnete Abschreibungsbedarf für von 2,1Mrd.Euro stimmt. Anders als Url ist Geyer der Ansicht, dass es sich dabei meist um Buchverluste handelt. „Ich kann nur für die Wiener Städtische sprechen, doch wir waren nur in geringem Umfang in Island und bei Lehman Brothers engagiert“, so Geyer, der auch Präsident des Versicherungsverbands ist. Im Vergleich zu ausländischen Mitbewerbern hätten die heimischen Gesellschaften die Krise ganz gut überstanden.

Auf einen Blick

Die Finanzkrise bescherte den österreichischen Versicherungen einen Abschreibungsbedarf von 2,1 Mrd. Euro. Grund sind Veranlagungen bei Lehman Brothers und in Island. Den Börsenboom in den vergangenen Monaten haben die meisten Lebensversicherungen verschlafen. Daher werden nun die Ausschüttungen an die Kunden reduziert.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.11.2009)

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12 Kommentare
2 1

Wurden Prämien in Gewinnjahren je gesenkt???

wenn's weniger Gewinne machen, die Prämienerhöhung ist dann immer begründet

Gast: gast
05.11.2009 23:41
1 0

komische berichterstattung

"In Österreich haben die meisten Lebensversicherungen zuletzt 4,25Prozent an ihre Kunden ausgeschüttet" - das kling in diesem bericht so negativ aber - klopf,klopf - bei der lebensversicherung gibt es keine kest, das entspricht einer bankverzinsung von 5,7% - davon kann jeder (konservativer) anlege nur träumen!

hw
05.11.2009 23:35
1 0

börse

"..Den Börsenboom in den vergangenen Monaten haben die verschlafen.."

habe ich mir fast gedacht. wurde deswegen auch ein paar "komische meldungen" in den medien verbreitet, damit die börse nochmal runterkommt?

Re: börse


"..Den Börsenboom in den vergangenen Monaten haben die verschlafen.."

Der Autor des Berichtes macht sich doch glatt über die extrem konservative Veranlagungspolitik der Versicherer lustig.

Hätten etwa die Versicherer die Kundengelder genau so verzocken sollen wie die Banken ?

Die Versicherer machen das schon richtiig !

Und im Gegensatz zu den Banken ist im Gesamtdetschen Raum noch nie eine Versicherungsgesellschaft in Konkurs gegangen !

Die Kunden haben immer ihr Geld bekommen !!!


Antworten Antworten Gast: yahoo
06.11.2009 09:04
0 0

Re: Re: börse

Das ist nicht richtig, im Zuge der Wirtschaftskrise in den 1930ern ist eine österreichische Versicherung, ich glaube Phönix, Pleite gegangen.

mfg

Gast: Oskar
05.11.2009 23:24
0 1

Diese Leute verstehen ihr Geschäft nicht

Aber sie haben genug dämliche Kunden, die es nicht bemerken. Das ist ihr Trost.

Antworten Gast: gast
06.11.2009 08:48
0 0

Re: Diese Leute verstehen ihr Geschäft nicht


wer sitzt in versicherungen und banken .. eben nicht die elite des landes, sondern buchhalter und zettelschupfer .. dann werden die noch von hunderten ebensolchen zettelschupfern beaufsichtigt und müssen wegen jedem schmarn rückfragen .. somit können die immer erst dann was kapieren, wenn es schon in der Zeitung steht, und bis sie reagieren, dauert es noch mal 3 Monate ..
Jeder der im März gesagt hätte, Kaufen, wäre auf die baumgartnerhöhe gebracht worden, und jeder der vor 3 jahren im herbst gesagt hätte, ihr seid alle blöd, das ist überzogen also raus, dem wäre das gleiche passiert .. sorry .. performance ist in banken und versicherungen deshalb nicht möglich ..

Gast: joh03
05.11.2009 21:42
1 2

Das übliche Spielchen......

Nun, kaum sind die Verluste da, wird der Kunde zur Kasse gebeten und das ganze Spielchen wiederholt sich : Die Prämien werden erhöht !
Ich habe einen anderen Vorschlag : Schmeißt diese unfähigen Manager hinaus, wenn diese keine besseren Einfälle haben ! Mit dem Eingesparten braucht man keine Prämienerhöhung unter den diversen Deckmäntelchen wie Sturm, Wasser oder gar Galaxis-Explosion...........

Gast: Analyst
05.11.2009 20:25
1 2

Sauerei!

Dass die versicherungen durch falsche Anlagepolitik Milliarden verloren haben, ist darauf zurückzuführen, dass sie nicht die Sicherheit ihrer Klienten, der Versicherten im Auge hatten, sondern den leichten Gewinn und dessen Maximierung. Und genau das ist die Ursache für die gesamte Krise, die zudem in unserem Fall hinsichtlich Schadenersatzansprüchen zu hinterfragen wäre, weil der Umgang mit Kundengeldern fahrlässig war. Die Veranlagungen bei Lehmann & Konsorten waren per se schon falsch, auch weil diese nicht abgesichert waren , ausserdem dadurch eben fahrlässig und nahezu kriminell. Hoffentlich werden die Verantwortlichen zumindest finanziell bestraft, ansonsten können sich die Versicherten nicht wehren, müssen aber jetzt höhere Prämien erwarten. Eien Sauerei ist das, sonst nichts!

anna89
05.11.2009 23:12
1 0

Re: Sauerei! - Geh bitte !!!

Das sind wieder die typischen Meldungen derer, die ständig in die Banken zinsensudern kommen und sich aufregen, weil die Lebensversicherung XY mehr Rendite prognistiziert wie die eigene. Ein gr. Unternehmen, das diese Papiere nicht z.T. ins Nostro nahm, wurde von der Konkurrenz überholt - die Kunden haben auf Warnungen nicht gehört. Goldgräberstimmung war angesagt. Unternehmen die keine giftigen Papiere im Depot hatten, haben ebenso Verluste hinnehmen müssen, weil ja alles in den Keller gerasselt ist. Und, s.g. "Analyst" :-))) ! Die Zwergerl, die in den Tresoren der Banken und Versicherungen mit Zaubersprüchen das eingelegte Geld vermehren, sind schon ausgestorben.

Nachher waren alle Superg'scheit. Oder waren Sie der, der gewußt hat dass, die Ratingagenturen, die als absolut unantastbar und seriös galten, mit den Inveszentbanken gemeinsame Sache machten? Dass geschätzte 65% der Hedgefonds durch Insidergeschäften gepuscht wurden? Wenn ja, hätten Sie das nicht für sich behalten sollen ...

Gast: picard
05.11.2009 20:15
1 2

b.llshit!

rendite von 4 % von wegen!!

100 prämie, davon 4% versicherungssteuer=96eur abzüglich provisionen etc sagen wir ca. 80 eur veranlagung. bei 4% rendite sind das etwa 83,2 was einem (fiktiven) Verlust!! von 16,80 ausmacht!

bei einem sparbuch wären es 103 nach kest!

banken/versicherungen: reine abzocker!

Antworten Gast: josef.M
06.11.2009 13:30
0 0

Re: b.llshit!

So ungefähr siehts aus.
Bei 100€ Prämie werden rund 75€ tatsächlich veranlagt,die Verzinsung kann nie so hoch sein das es ein Geschäft für den Kunden ist.Nach 20Jähriger Laufzeit sind 2% Rendite schon sehr gut.Sieht man sich dann noch die Inflation an ist es immer ein Wertverlust.

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