23.11.2009 01:18 | Meine Presse Merkliste0

Für die Industrie ist die Krise noch lange nicht vorbei

05.11.2009 | 18:36 |   (Die Presse)

Die Industrie sieht sich weiter in der Krise: Der Konjunkturaufschwung sei noch lange nicht selbsttragend, nach dem Auslaufen der Konjunkturprogramme könnte es erneut Probleme geben. IV-Chef Sorger: „Österreich ist Umverteilungsweltmeister.“

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Wien (ju). „Ich sehe nicht, dass wir am Beginn eines Aufschwungs stehen“ – Veit Sorger, Präsident der Industriellenvereinigung (IV), zeigt sich in Sachen Konjunktur wenig optimistisch. Im Wiener Klub der Wirtschaftspublizisten sagte Sorger am Donnerstag, das Stimmungsbild in der Industrie habe sich zuletzt wieder verschlechtert. In der Wirtschaft mache sich die Erkenntnis breit, dass die Konjunkturerholung nur „temporärer Natur“ sei. Es sei noch lange nicht ausgemacht, dass der Aufschwung nach dem Auslaufen der staatlichen Antikrisenprogramme selbst-tragend werde.

Die Industrie selbst sieht sich von der Krise besonders betroffen: Nach IV-Prognosen wird es zwischen fünf (Metallverarbeitung) und 14 Jahren (Chemie) dauern, bis die Industriebranchen wieder ihren VorKrisenausstoß erreichen werden. Sorgers Resümee: „Die Industriekonjunktur ist weiterhin unter Wasser.“

 

Einbußen für Selbstständige

Die Industriellenvereinigung verlangt nun, dass „auch Beamte und Pensionisten Beiträge zur Krisenbewältigung“ leisten und dass das Sozialsystem reformiert wird. Sorger untermauerte dies mit Daten über die Einkommensentwicklung von Mitte 2008 bis 2009. In dieser Zeit sind nach IV-Berechnungen die verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte um 1,9 Prozent gestiegen, die Arbeitnehmerentgelte um 3,7 Prozent. Bei den Sozialleistungen (einschließlich Pensionen) habe es sogar einen Zuwachs um 4,8 Prozent gegeben. Im Gegensatz dazu seien die Selbstständigeneinkommen um 2,8 Prozent gesunken, die Vermögenseinkommen (ohne Kursverluste, nur Dividenden und Zinsen) sogar um 9,2Prozent. Damit stünden die Verlierer der Krise eindeutig fest.

Österreich sei zudem mit einem Anteil der Sozialtransfers an den Haushaltseinkommen von 36,6 Prozent „Umverteilungsweltmeister“. Als besonders kritische Baustelle sieht die IV die Pensionen an: Heuer würden die Staatszuschüsse (ohne Beamte, ÖBB und Post) insgesamt schon zehn Mrd. Euro erreichen, bis 2014 sei ein Anstieg auf über zwölf Mrd. Euro abzusehen.

Die Industriellenvereinigung erneuerte in diesem Zusammenhang ihre Forderung nach einer deutlichen Anhebung des faktischen Pensionsantrittsalters (derzeit laut Sorger 58,9Jahre) und einer Abschaffung der sogenannten „Hacklerregelung“. Diese biete falsche Anreize für einen frühen Pensionsantritt.

Eine Aufhebung der Hacklerregelung würde den Druck (für Arbeitnehmer, aber auch für die Unternehmen, die in vielen Fällen frühe Pensionierungen nicht ungern sehen) auf einen späteren Pensionsantritt erhöhen, meint Sorger.

Der Sozialexperte der Industriellenvereinigung, Wolfgang Tritremmel, sagte zur „Presse“, in den Unternehmen habe in diesem Punkt ohnehin ein Umdenken eingesetzt: „Das Motto ,Tausche zwei Junge gegen einen Alten‘ hat längst ausgedient.“ Das zeige sich auch daran, dass beim jüngsten Anstieg der Arbeitslosenzahlen ältere Arbeitnehmer unterdurchschnittlich betroffen gewesen seien.

Ob und in welchem Ausmaß die (meist informellen) Höchstaltersgrenzen für Arbeitnehmer in den Betrieben weiter bestehen, kann die IV freilich nicht sagen: Darüber gebe es keine Untersuchungen. In der IV selbst liege das Pensionierungsalter jedenfalls „deutliche über 60“. Sorger: „Solange ich da bin, geht mir keiner mit 58 in Pension.“

Zu den laufenden Lohnverhandlungen sagte IV-Generalsekretär Markus Beyrer, die Vereinigung mische sich in die Verhandlungen nicht ein, plädiere aber für mehr Flexibilität in den Kollektivverträgen. In der Industriellenvereinigung selbst werde es heuer keine Gehaltserhöhungen geben.

 

vergrößern

 

auf einen blick

Die Industrie sieht sich weiter in der Krise: Der Konjunkturaufschwung sei noch lange nicht selbsttragend, nach dem Auslaufen der Konjunkturprogramme könnte es erneut Probleme geben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.11.2009)

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Artikel kommentieren Kommentieren BookmarkBookmarken bei [Was ist das?]

Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*


Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

7 Kommentare
Gast: ASVG-Sklave
06.11.2009 11:58
0 0

Pfui Teufel Zensor

schon wieder auf dem Power-Trip!

0 0

Ist an der Graphik abzulesen, daß wir so wenig Haushaltseinkommen haben?

Dabei seien wir, behäuplt Häupl, ein reiches Land.

Er meint wohl Wienverwalter.

Gast: Pat Fishman
06.11.2009 09:01
0 1

Immer das selbe von Veit Sorger

Veit Sorger und die ÖVP. Immer in die gleiche Kerbe, auch wenn völlig überzogen, reinhauen. Für diese konsequente Medienarbeit gehört ein Preis verliehen.

In der IV geht keiner unter 58 Jahre in Pension? Würde ich auch nicht. Bei den Gagen und der Arbeitsplatzsicherheit. Herr Veit Sorger, wieviele Personen haben Sie im Laufe Ihrer Karriere aus Kostengründen u.ä. - auf unsere Kosten - in die "Frühpension" beim AMS geschickt?


Gast: Hubertus
05.11.2009 23:26
0 0

Sorger, das Vorbild

Ist das nicht der herr, der auch beim BUWOG Verkauf mitverdient hat?

Antworten Gast: ASVG-Sklave
06.11.2009 12:22
0 0

Re: Sorger, das Vorbild

Sie meinen den Hypo Alpe Adria Skandal, wo 400 Mille fehlen und der feine Herr in Zusammenhang gebracht wir. Der Zensor sperrt meinen diesbezüglichen Beitrag. Vermutlich kriegt er einen Gratisrundflug für den vorauseilenden Gehorsam.

Gast: Oskar
05.11.2009 21:29
0 0

Gute Grafik, kannte ich noch nicht

Um Österreich und die Leistungsfähigkeit seiner Menschen muß man sich wirklich Gedanken machen. Der Funktionär hat recht, vergißt aber in seiner Kostenaufstellung eine Gruppe, die besonders viele Probleme macht. Die Frage ist wohl nicht mehr, ob wir unseren liebgewonnenen Lebensstandard halten können, sondern nur noch, wieviele Jahre uns noch bleiben. Und wie wir den Leuten, die keine Leistung bringen das Geld wegnehmen, damit die wenigen, die noch können, nicht auch noch das Land verlassen.

Gast: Gast
05.11.2009 20:13
0 0

Das Motto ,Tausche zwei Junge gegen einen Alten‘ hat längst ausgedient.“

Dem kann ich nur zustimmen..

Man kündigt heute den alten und ersetzt ihn gar nicht mehr ;)

Outsourcing ist heute in Mode..
(bzw. Auslagerung bezeichnet in der Ökonomie die Abgabe von Unternehmensaufgaben und -strukturen an Drittunternehmen)

Armer Sorger, was der für Sorgen hat..

Schlagzeilen Wirtschaft

  • T-Mobile-Chef: "Wir fühlen uns benachteiligt"
    Europaweit ist der Streit um die „Digitale Dividende“ weitgehend entschieden - für die Mobilfunker. Österreich habe darauf schlichtweg vergessen, klagt T-Mobile-Chef Chvatal.
    Zahme Prüfung der OeNB bescherte Hypo Staatshilfe
    Ein Gutachten der Nationalbank aus dem Dezember hielt Gewinne der verlustreichen Bank im heurigen Jahr noch für plausibel. Grundlage dafür ist ein oberflächlicher Bericht der Oesterreichischen Nationalbank.
    Fonds floppten, weil zu wenige Versicherte starben
    Fonds der Deutschen Bank investierten in Lebensversicherungen und warteten auf den Tod der ursprünglichen Versicherungsnehmer. Da zu wenige starben, blieben die Erlöse aus. Der Bank droht nun eine Klage.
  • Bulgarien: Brunch statt Budgetdebatte
    Sofia winkt Budget für 2010 durch, darüber reden wollte im Parlament niemand. Der Haushaltsentwurf geht von einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts von zwei Prozent auf 32,6 Mrd.Euro aus.
    Doch keine Gebühr im Cyberspace
    Der Unabhängige Finanzsenat Linz verneint eine Gebührenpflicht bei der Einigung per E-Mail ohne Ausdruck.
    Was wurde aus... dem Waldsterben?
    "Der Wald stirbt", wurde uns in den 1980er-Jahren erklärt. Mittlerweile gibt es in Österreich mehr Wald als je zuvor. Warum eigentlich? Haben die Warnungen die Bäume gerettet – oder hat man damals einfach nur heillos übertrieben?
  • Magna-Chef Wolf will Arbeitskräfte flexibler einsetzen
    Wolf fordert "Work-on-Demand" und die Frühpensionierung von schwer vermittelbaren Arbeitskräften. Die Krise sei eine historische Chance zur Flexibilisierung.
    Subventionswettlauf um Opel gestartet
    EU-Industriekommissar Günter Verheugen kritisiert scharf die Ersteigerung von Arbeitsplätzen. Welche Opel-Standorte werden in Europa überleben dürfen? Klar ist, dass etwa 10.000 Mitarbeiter werden gehen müssen.
    Banker auf der Kanzel: "Wir leisten Gottes Arbeit"
    Mit Vorträgen versuchen britische Banker, das Image ihres Berufsstandes auf Vordermann zu bringen. Ort des Geschehens: englische Gotteshäuser. In der Londoner City feiert man die Rückkehr der Megabonuszahlungen
  • Design-Dildo statt Kabinen-Porno
    Beate Uhse, Europas größter Erotikhändler, klagt über schlechte Geschäfte. Haben Sexshops ausgedient? Mitnichten. Zumindest, solange sie neue Kunden ansprechen. Der Konzern der verstorbenen Primadonna meldete sinkende Umsätze.
    Wirtschaftskrise: Opfer, entschädigt doch die Täter!
    Hochrangige Banker bauen bereits für die nächste Wirtschaftskrise vor. Die Steuerzahler sollten sich besser anschnallen. Sicher ist sicher. Josef Ackermann ist wohl etwas wie der Mann fürs Grobe in der sonst so zurückhaltend agierenden Bankenszene.
    Sinnfrei an der Börse
    Warum der Neueinstieg in Aktien derzeit keinen Sinn ergibt, K+S aber spekulativ trotzdem eine Überlegung wert wäre.