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Wirtschaftskammer-Chef Leitl gegen höhere Steuern

08.11.2009 | 13:17 |   (DiePresse.com)

Christoph Leitl ist gegen Steuererhöhungen zur Sanierung des Budgets. Stattdessen soll der Staat durch einen Abbau der Bürokratie sparen. Sorgen um die hohe Arbeitslosigkeit hält er für übertrieben.

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Wirtschaftskammer-Präsident Christioph Leitl hat sich neuerlich gegen Steuererhöhungen oder neue Steuern zur Budgetsanierung ausgesprochen, stattdessen solle die öffentliche Hand durch einen Abbau der Bürokratie ihre Ausgaben senken, sagte Leitl am Sonntag in der ORF-"Pressestunde". Bei der Arbeitslosigkeit dürfe man die Situation nicht zu schwarz malen, sagte Leitl - zwar sei die Arbeitslosigkeit heuer "gewaltig" gestiegen und werde im kommenden Jahr noch um einen halben Prozentpunkt auf 6 Prozent zulegen, aber "wir haben die zweithöchste Beschäftigung aller Zeiten in Österreich", relativierte der Wirtschaftskammer-Präsident die Statistik.

Erstmals seit Dezember 2007 würden die Österreicher wieder mehrheitlich optimistisch in die Zukunft blicken, sagte Leitl. Natürlich gebe es in einigen Branchen - etwa in der Autoindustrie und bei den Exportgütern - noch Probleme. Daher hätte ja Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) ein neues Arbeitsmarktpaket vorgeschlagen und die Wirtschaft habe ein Wachstumspaket entwickelt. Dass Mitterlehner den Vorschlag seines "Spiegelministers" abgelehnt habe, wollte Leitl so nicht sehen: "Mitterlehner hat nichts abgelehnt, was Hundstorfer gesagt, hat, im Gegenteil", die beiden aus der Sozialpartnerschaft stammenden Minister würden sehr gut zusammenarbeiten, so Leitl. Die Frage sei lediglich, ob die vorgeschlagenen Maßnahmen im November oder erst im März ergriffen würden, "das ist aber nicht entscheidend".

Sechs Milliarden durch weniger Bürokratie

Auch angesichts des wachsenden Budgetdefizits sprach sich Leitl neuerlich gegen Steuererhöhungen aus. "Das ist der einfachste Weg, für jeden Finanzminister die bequemste Möglichkeit." Aber auch der Finanzminister sei gegen eine Steuerdiskussion und wolle sparen. Bürokratieabbau durch eine Verwaltungsreform könnte jährlich Milliarden an Einsparungen bringen glaubt Leitl - drei Milliarden in der staatlichen Verwaltung, zwei Milliarden im Gesundheitsbereich und eine Milliarde im Schulbereich. Dabei gehe es etwa im Gesundheitsbereich nicht ums Zusperren, sondern ums Umwidmen von Ausgaben."

Andererseits müsse auch der Mittelstand in der Wirtschaft gefördert werden, verlangte der Wirtschaftskammer-Präsident. "Einnahmen kommen dann herein, wenn es weniger Arbeitslose gibt, wenn Steuern bezahlt werden." Die Menschen, die in der Krise von Großbetrieben gekündigt werden, finden am ehesten bei kleinen und mittleren Unternehmen einen neuen Job, so Leitl.

Anreiz schaffen, länger zu arbeiten

Neuerlich sprach sich Leitl dafür aus, das faktische Pensionsantrittsalter durch stärkere Anreize für längeres Arbeiten anzuheben. Der WKÖ-Chef zeigte aber auch Verständnis für Unternehmen, die sich im Rahmen des derzeitigen Systems dafür entscheiden, ältere Mitarbeiter vorzeitig in Pension zu schicken.

Für eine Finanztransaktionssteuer hat Leitl "offene Ohren", er sei dafür, die "Spekulationsfinanzwirtschaft" auf europäischer Ebene zu besteuern. "Ich glaube, es sollte auch global sein. Wir sollten uns nicht von der Wall Street und von der Londoner Börse am Nasenring durch die Arena ziehen lassen."

Sein Wunschergebnis für die nächste Runde der Metaller-Verhandlungen am 13. November wollte Leitl nicht verraten. Bisher hätten die Arbeitnehmer immer verlangt, Produktivitätszuwachs und Inflation zu addieren und am Ergebnis beteiligt zu werden - dabei käme jetzt ein Minus heraus. "Von mir werden Sie aber nie hören, dass ich sage, nehmt's den Leuten bei den KV-Verhandlungen was weg." Was die Metaller jetzt ausverhandeln würden, sei deren Sache, allerdings bräuchten die Betriebe Arbeitszeit-Flexibilität.

Eine Privatisierung der ÖBB befürwortete Leitl im Prinzip. "Ein strategischer Partner hat noch niemandem schlecht getan." Leitl könnte sich vorstellen, "dass wir eine ÖIAG neu machen, wo alle staatlichen Betriebe und Beteiligungen drinnen sind." Von einer kompletten Auflösung der ÖIAG halte er aber nichts.

(APA)

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12 Kommentare
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Mehr Wachstum durch Schuldenabbau?

So wie Präsident Leitl sich den Abbau der Staatsschulden vorstellt, heißt das Reduzierung der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage. Das Geld, das in einer unsinnig aufgeblähten Staatsverwaltung verschwendet wird, wird ja nicht anderswo nun sinnvoll ausgegeben, sondern werden damit Schulden getilgt, Geld vernichtet. Was das gerade Gegenteil des über Jahrzehnte praktizierten Deficit spending ist. Durch Aufnahme von Krediten durch den Staat wurde ja dabei selbst bei guter Wirtschaftslage zusätzliches Geld und damit zusätzliche Nachfrage geschaffen. Womit die Unternehmen ihre Produkte gewinnbringend verkaufen konnten. Was wiederum Voraussetzung für Wachstum war und ist. Wie nun aber Leitl bei Umkehrung des Prozesses - sogar zusätzliches - Wachstum erwarten kann, bleibt sein Geheimnis.

Ernst Dorfner, Linz

Antworten Gast: Hellwach
09.11.2009 13:09
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Re: Mehr Wachstum durch Schuldenabbau?


Und was glauben sie wie viel Wachstum durch die jährliche Zinslast verhindert wird?

Das ewige Schuldenmachen führt leider nur zum Staatsbankrott, wenn nicht bald auch das Kapital getilgt wird.

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Re: Re: Mehr Wachstum durch Schuldenabbau?

Das bezweifle ich ja nicht. Ich bezweifle aber, dass durch diesen Schuldenabbau das Wrtschaftswachstum stimuliert wird. Das Geld, mit dem der Staat die Schulden tilgt, wird ja vernichtet: So wie die Forderung der Bank (Kredit) an den Staat in der Bankbilanz verschwindet, verschwindet auch eine gleich hohe Bankverbindlichkeit (Geld) gegenüber einer Nichtbank (Bilanzverkürzung). Die Frage ist so nicht lösbar. Und ich zweifle, dass sie sich überhaupt löse läßt.
Mehr unter www.ernst-dorfner-7.blogspot.com

Gast: WK
08.11.2009 18:49
1 0

Der wäre selbst

Einsparpotential samt seinen Trabanten.

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Anreize sind nicht genug

Ja, Anreize sind wichtig, dazu gehört aber auch, dass die Firmen ihre Mitarbeiter länger im Betrieb halten oder auch ältere Menschen einstellen.
Es kann nicht sein, dass zwar Anreize geschaffen werden, diese aber nichts am Statusquo ändern, weil das Verhalten bzw. der Wandel der Einstellungen nachhinkt.
Ausserdem ist es hoch an der Zeit, über eine Steuerreform samt Verwaltungsreform zu reden. Was soll der Staat? Abgesehen davon, dass der Staat all jene Dienste zu gewährleisten hat, die zur Infrastruktur zählen.

Gast: Naja
08.11.2009 16:53
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Der Mann hat leicht reden

Da soll erst einmal die sogenannte Wirtschaft ältere Arbeitnehmer ordentlichen bezahlen und behandeln.
http://www.zum-alten-eisen.at/


Antworten Gast: Wasser-Furz
08.11.2009 22:10
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Re: Der Mann hat leicht reden

Ach, kommen Sie uns nicht mit diesen Berufsarbeitslosen. Die sollten ihre Energy lieber in die Suche von Arbeit investieren. Möchte nicht wissen, wann diese Leute ihre letzte Bewerbung geschrieben haben.

Da tun mir andere Arbeislose mehr leid.

derpradler
08.11.2009 16:36
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So eine Lachnummer

kann auch nur ein ÖVP`ler sein. "Sallinger" würde sich im Grabe umdrehen, würde er diesem Einfachdenker zu hören müssen...

ujvar
08.11.2009 15:49
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Sokrates

Oberschwaetzer. Konkrete Vorschlaege wo einsparen. Zu wenige Beamte bringen noch mehr Verzoegerungen. Die Kammer und deren Rituale moege er abzopfen ..

derpradler
08.11.2009 16:37
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Re: Sokrates

soll sich selbst einsparen, samt seiner Kammer.....


Gast: mike
08.11.2009 14:09
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Eher sollte man zuerst einsparen -

und dann überlegen, ob und wo man das Eingesparte am besten anlegt.
Die dauernden Milchmädchenrechnungen betreffend eine ohnehin unrealistische ( gegen Landesfürsten und Beamtengewerkschafter traut sich ja doch keiner und die Rechnungshofempfehlungen werden ja bestenfalls zur Kenntnis genommen ) Verwaltungsreform, werden immer lächerlicher.

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