Österreich ist gut gerüstet für die Gaskrise 2009/10

Die Chancen auf eine Gaskrise im kommenden Winter stehen 50:50, schätzt ÖVP-Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner. Die heimischen Gasspeicher sind jedenfalls deutlich voller als vor einem Jahr.

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(c) APA/ROBERT JAEGER (Robert Jaeger)

Die Chancen für eine Neuauflage der Gaskrise im kommenden Winter liegen nach Einschätzung von ÖVP-Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner bei 50 zu 50 - allerdings brauche sich deswegen in Österreich niemand sorgen zu machen. "Wir sind bestens vorbereitet, es darf ruhig ein kalter Winter werden", sagte Mitterlehner am Freitag bei einer Besichtigung des Gasspeichers Haidach an der Grenze zwischen Salzburg und Oberösterreich.

Gas für ein halbes Jahr gespeichert

Gemessen an der aktuellen Kapazität der Erdgasspeicher in Österreich liege der Befüllungsgrad bei fast 90 Prozent. "Wir haben 4,2 Milliarden Kubikmeter Gas, das entspricht fast 50 Prozent des österreichischen Jahresverbrauchs", erklärte der Minister. Per Ende November hätten die OMV und die RAG (Rohöl-Aufsuchungs-AG) in ihren Anlagen sogar um 660 Millionen Kubikmeter Erdgas mehr eingespeichert gehabt als im Jänner 2009. Darüber hinaus habe Gazprom bereits im Oktober zugesagt, für den Fall einer neuerlichen Gaskrise wie beim letzten Mal seinen Anteil am Gasvorrat in Haidach für den österreichischen Bedarf zur Verfügung zu stellen, sagte Mitterlehner.

Volumen wird verdoppelt

Die RAG ist zu einem Drittel am Gasspeicher Haidach beteiligt, je ein Drittel halten der russische Gazprom-Konzern und die deutsche Wintershall. Mehrheitseigentümer der RAG ist mit 50,03 Prozent die EVN, 29,97 Prozent hält der deutsche Energiekonzern E.ON und je 10 Prozent die Salzburg AG und die Steirische Gas-Wärme.

Haidach hat derzeit ein Arbeitsgasvolumen (verfügbares Speichervolumen) von 1,2 Milliarden Kubikmetern, bis 2011 soll die Kapazität auf 2,4 Milliarden Kubikmeter verdoppelt werden. Insgesamt beträgt die Kapazität der RAG-Speicher derzeit 2,3 Milliarden Kubikmeter, bis 2011 soll sie auf 4,75 Milliarden Kubikmeter steigen. Dazu kommen 2,33 Milliarden Kubikmeter der OMV. Dem steht in Österreich ein Jahresverbrauch von 8,4 Milliarden Kubikmetern gegenüber, bei einer einheimischen Gasproduktion von 1,5 Mrd. Kubikmetern, wovon 650 Millionen Kubikmeter von der RAG stammen.

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Sechs Milliarden Kubikmeter bis 2017

In den Jahren 2009 bis 2017 will die RAG in Österreich rund 1 Mrd. Euro investieren und ihre Erdgasspeicher auf 6 Mrd. Kubikmeter ausbauen. Das Investitionsvolumen im laufenden Jahr beträgt 180 Mio. Euro. "Wir haben gegenüber dem Jahresbeginn 2009 die Speicherkapazität und Ausspeicherleistung erhöht und damit die Versorgungssicherheit Österreichs weiter gesteigert", sagte RAG-Generaldirektor Markus Mitteregger am Freitag in Haidach.

Derzeit stammen 54 Prozent des in Österreich verbrauchten Gases aus Russland, 14 Prozent aus Österreich selbst, 12 Prozent aus Norwegen. Um die Abhängigkeit von Russland zu verringern, ist Österreich über die OMV federführend am Nabucco-Pipelineprojekt beteiligt, führt aber auch Gespräche mit Russland über dessen South-Stream-Projekt. "Beide Projekte haben den Vorteil, dass sie an der Ukraine vorbei führen", erklärte Mitterlehner.

(APA)

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