Mit Satellitendaten ins Weizenfeld

Big Data wird im Agrarsektor relevant. Versicherte Bauern bekommen nun Zugang zu Bildern der Weltraumbehörde.

Landwirtschaft von oben. Der Satellit sieht Entwicklungen und Fehlentwicklungen auf den Feldern früher als der Bauer selbst.
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Landwirtschaft von oben. Der Satellit sieht Entwicklungen und Fehlentwicklungen auf den Feldern früher als der Bauer selbst.
Landwirtschaft von oben. Der Satellit sieht Entwicklungen und Fehlentwicklungen auf den Feldern früher als der Bauer selbst. – (c) APA/EPA/STEFAN�RAMPFEL (STEFAN�RAMPFEL)

Wien. Sie gelten als Berufsstand mit dem konservativsten Image. Was Bauern nicht kennen, essen sie bekanntlich nicht, wie es im Sprichwort heißt. In der Realität ist es freilich so, dass Innovation und moderne Produktion auch an den Höfen immer mehr Einzug halten. Und nun sogar Daten aus dem All.

Konkret stellt die Österreichische Hagelversicherung ihren versicherten Landwirten ab sofort aktuelle und kostenlose Satellitenbilder ihrer Felder zur Verfügung. Damit können die Landwirte das Wachsen ihrer Pflanzen über die gesamte Vegetationsperiode beobachten und den Zustand ihrer Felder mit jenen in der Umgebung vergleichen. Was für Felder gilt, gilt entsprechend auch für den Forst.

 

ESA statt Nasa

Die Hagelversicherung bietet dieses Service des satellitengestützten Monitoring als erste Agrarversicherung weltweit an. Dabei greift sie auf die kostenlosen Satellitendaten der Europäischen Weltraumorganisation ESA zurück. Die Daten werden von der Versicherung aufbereitet und auf einer Website zur Verfügung gestellt. Ziel sei es, ein Instrument anzubieten, das den Unternehmenserfolg eines Betriebs steigere, erläuterte Hagelversicherungschef Kurt Weinberger am Mittwoch vor Journalisten in Wien: Für die Versicherung erleichtert das System die Ermittlung bei Schadensfällen.

Die Bilder stammen von den zwei Sentinel-2-Satelliten der ESA. „Sentinel2 ist ein neuer Erdbeobachtungsprogrammsatellit, der zum Copernicus-Programm der EU gehört und dessen Aufnahmen im Fünftagesrhythmus mit einer Auflösung von zehn mal zehn Metern den Globus darstellen“, sagte der ESA-Direktor für Erdbeobachtungsprogramme, Josef Aschbacher, bei der Pressekonferenz. Die Kombination von Satellitendaten mit Bildern von Drohnen und höher fliegenden unbemannten Luftfahrzeugen (UAV) würde der Landwirtschaft künftig noch weitere Möglichkeiten für das Risikomanagement eröffnen, so der Experte.

Die ESA stellt die Daten seit 2016 frei zur Verfügung. Zuvor waren Interessierte auf die Bilder der US-Weltraumbehörde Nasa angewiesen. Auch andere Firmen gehen nun vermehrt Kooperationen mit der ESA ein – zuletzt etwa der deutsche Chemiekonzern BASF. Dieser, aber auch die Hagelversicherung seien Pioniere, wie Aschbacher im Gespräch mit der „Presse“ sagt.

 

Vegetationsindex

Die Hagelversicherung bietet das Service außerhalb von Österreich noch in fünf osteuropäischen Ländern an – darunter in Ungarn und Rumänien, wo die landwirtschaftlichen Flächen ungleich größer sind. „Die Grundlage der angebotenen Darstellung ist ein Vegetationsindex, der aus den Satellitendaten berechnet wird“, erklärte Nikolaus Neugebauer, Satellitenexperte der Abteilung für Meteorologie und Geoinformation in der Hagelversicherung. Anhand der Einfärbung sehe man die Unterschiede im Pflanzenwuchs der jeweiligen Region. Je grüner, desto stärker sei der Pflanzenwuchs, je mehr die Farbe ins Braune und Beige übergeht, desto weniger Wuchs sei vorhanden, so der Experte. Außerdem könne über eine Diagrammfunktion der Verlauf des Pflanzenwuchses während der vergangenen Monate dargestellt werden. (ag./est)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.05.2017)

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