Glücksspiel

Zocken im Internet boomt – der Staat geht leer aus

Nach Jahren der Stagnation legen die Bruttospielerträge wieder deutlich zu. Die Gewinner sind Online-Spiele und -Wetten. Dort fehlen freilich die Kontrolle und der Spielerschutz.

A casino collects chips at a roulette table in Pasay city, Metro Manila
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A casino collects chips at a roulette table in Pasay city, Metro Manila
(c) REUTERS

Wien. Das Smartphone hat nicht nur Facebook, Instagram und Co. groß gemacht. Der Mini-Computer holt auch das Spielcasino in die Hosentasche – und so wächst auch der Glücksspielmarkt wieder deutlich, nachdem er in den Jahren von 2011 bis 2013 nahezu stagniert hat. 1,61 Mrd. Euro erreichten die Bruttospielerträge (Einsätze abzüglich Gewinnausschüttungen) im Vorjahr. Das bedeutet einen Zuwachs von 3,8 Prozent, wie aus dem aktuellen Branchenradar von Kreutzer Fischer & Partner hervorgeht.

Der größte Brocken davon entfiel – wie in den Jahren zuvor – auf Lotteriespiele mit 656 Mio. Euro. Dies, obwohl es einen Rückgang um 1,1 Prozent gegeben hat. Dagegen nehmen sich die Bruttospielerträge im Online-Bereich mit 185 Mio. Euro noch gering aus. Aber das Zocken im Internet verzeichnet mit 21,5 Prozent den größten Zuwachs. In den vergangenen drei Jahren hat Online-Gaming sogar 47 Prozent zugelegt, während der restliche Glücksspielmarkt nur um 10,5 Prozent wuchs.

Besonders bemerkenswert: die ausländischen Anbieter wuchsen seit 2013 doppelt so rasch wie der einzige österreichische Anbieter – die Online-Plattform der Casinos Austria „win2day“. Für sie besitzen die Casinos auch die einzige Online-Lizenz, sie ist an die Lotto-Lizenz gekoppelt. Klammert man die Lotterien aus, wurden im Vorjahr bereits fast 27 Prozent aller Spiel- und Wetterträge im Internet erzielt.

Andreas Kreutzer führt den rasanten Zuwachs bei Online-Spielen im Wesentlichen auf zwei Faktoren zurück: Einerseits sind das die Verbote des Automatenspiels außerhalb von Spielbanken. In Wien ist das sogenannte „Kleine Glücksspiel“ an Automaten seit 2015 verboten, ebensolche Verbote gibt es in Tirol, Salzburg und Vorarlberg.

 

Fußball heizt Wettgeschäft an

Andererseits sei gerade im Vorjahr die Nachfrage durch die Fußball-Europameisterschaft angekurbelt worden. Sportliche Großereignisse wie die EM führen traditionell zu einem massiv höheren Aufkommen bei den Sportwetten. Und auch da wiederum profitierten Online-Portale überproportional. Weil praktisch alle Online-Wettportale auch Glücksspiele anbieten, führte das zu deutlich mehr Kunden und Einnahmen.

Der zweite große Gewinner sind die Sportwetten mit einem Plus von 18,8 Prozent auf 221 Mio. Euro. Da wiederum haben ebenfalls die Online-Anbieter vor den Wettlokalen die Nase vorn. Auch in diesem Bereich planten bzw. planen die Bundesländer nun neue Regeln. Da sich diese auch nur auf den terrestrischen Bereich erstrecken, profitieren Online-Anbieter doppelt. Während die Bruttospielerträge im Vorjahr in Wettlokalen um 13 Prozent wuchsen, legten Internet-Wetten um 33,8 Prozent zu.

„Die Eindämmung der Wettautomaten hat sich letztlich als Schuss ins Knie erwiesen“, sagt Kreutzer. Was besonders bemerkenswert ist, da Wettautomaten (mit Zugangsregistrierung) als Beitrag zum Spielerschutz erachtet wurden.

Vom Automatenverbot konnten übrigens auch die Spielcasinos profitieren – wenn auch im eingeschränkten Ausmaß. In den zwölf heimischen Spielbanken – für die ebenfalls nur die Casinos Austria die Konzessionen haben – wuchsen die Bruttospielerträge um 5,5 Prozent auf 224 Mio. Euro.

Kreutzer sieht aufgrund dieses Trends enormen Handlungsbedarf für den Staat: Denn ausländische Online-Spiele-Anbieter sind der gesetzlichen Kontrolle weitgehend entzogen – und sie zahlen hierzulande auch keine Steuern. Außerdem ist ein strikter Spielerschutz – wie er in Casinos und Wettsalons schon weitgehend existiert – im Internet nicht umsetzbar. Kreutzer plädiert deshalb für ein gesetzliches Regelwerk, das alle Spielarten umfasst. (eid)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.06.2017)

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