Von außen sieht sie nach nicht viel aus, die Werkstatt in Vösendorf. Man denkt eher an eine Hobby-Bastlerstube als ein hoch spezialisiertes Unternehmen. Die beiden Besitzer, Rudolf Koch und Rudolf Förster, müssen auch in gewisser Weise Bastler in ihrer Branche sein. Denn bei „Frantz Classic Cars“ werden alte Luxusautos am Leben gehalten. Der Firmenname erinnert noch an Manfred Frantz, der die Werkstatt 1980 gründete und im Jahr 2001 an seine Nachfolger übergab.
Der erste an die Schrottplatzbrüder aus dem deutschen Privatfernsehen, die „Ludolfs“, gemahnende Eindruck verschwindet sofort, wenn man die Halle betritt. Da steht ein blütenweißer Rolls Royce Silverwrath II neben einem Jaguar E-Type und auf der Hebebühne wartet ein Lamborghini Countach, der Vorgänger des legendären Diablo, auf ein großes Service. Man findet kein japanisches oder französisches Auto, auch keinen Mercedes oder BMW bei Frantz Classic Cars. Denn grundsätzlich haben nur sechs Marken Zutritt in die Werkstatt:
- Rolls Royce
- Aston Martin
- Jaguar
- Ferrari
- Maserati und
- Lamborghini.
Für gute Kunden drücken die Rudolfs aber ein Auge zu und nehmen sich auch alter Lancias oder Fiats an, derzeit steht sogar ein Cadillac aus den 1950ern in Vösendorf.
Rudolf Förster
„Neue“ Wagen, findet man bei den Rudolfs nicht. Wobei „neu“ alles nach Baujahr 1994 ist. Denn bei diesen Autos brauche man „Computer und keine richtigen Mechaniker“, so Förster. Für richtige Mechaniker hingegen ist es der perfekte Arbeitsplatz: Die alten motorisierten Männerträume müssen noch wirklich repariert werden. Das ist auch der größte Unterschied zu „normalen“ Fachwerkstätten: Defekte Teile gegen neue zu tauschen geht bei den Old- und Youngtimern meist nicht, da es die Ersatzteile oft nicht mehr gibt. Bei defekten Getrieben etwa werden die einzelnen Zahnräder repariert. Daher stehen in den Wandregalen statt Ersatzteilkatalogen teils bereits vergilbte Reparaturbücher wie Zeugen der technischen Meisterleistungen aus Italien und England vergangener Jahrzehnte.
Wenn dennoch ein neuer Teil notwendig ist, wird es aber teuer. Während zum Beispiel ein neuer Kühler für einen normalen Pkw an die 300 bis 500 Euro kostet, muss man für einen originalen Kühler für einen Ferrari aus den 1970ern mit rund 5000 Euro rechnen. Die meisten Tauschteile stammen aber aus zur Ausschlachtung verdammten Wagen. Vor allem in Italien und England finden die Rudolfs auf Spezialflohmärkten fast alles, was ihre Klienten brauchen. Zur Not werden aber auch einzelne Komponenten auf der hauseigenen Drehbank gefertigt oder bei darauf spezialisierten Manufakturen in Auftrag gegeben.
Auf eBay folgt Ernüchterung
Im Kundenkreis von Frantz Classic Cars findet sich aber ohnehin niemand, der mit der Grundsicherung kokettiert. Zwar kostet eine Mechanikerstunde branchenübliche 80 Euro netto, es gibt aber kaum Aufträge, die unter zehn Stunden erledigt sind. Meist sind es deutlich mehr. So kommt es immer wieder vor, dass sich Kunden im autofahrerischen Himmel wägen, weil sie etwa auf eBay um ein paar tausend Euro einen 30 Jahre alten Maserati ersteigert haben – um dann aus allen Wolken zu fallen, wenn sie erfahren, was alles repariert werden muss. Frantz Cars bietet seinen Kunden daher auch Ankaufstests und vermittelt selbst zwischen potenziellen Autokäufern und -besitzern.
Derzeit arbeiten die Vösendorfer Experten unter anderem an der Totalrestaurierung eines Ferraris Baujahr 1967, für die sie gut 1500 Arbeitsstunden kalkulieren. Da lässt sich aber über den Preis reden, wie Förster versichert. Vor allem, wenn es der Kunde nicht allzu eilig hat und zwei bis drei Jahre auf sein Schmuckstück warten kann. Das wertvollste Auto, das je in der Werkstatt bearbeitet wurde, war übrigens mit rund 800.000 Euro ein Ferrari 275 GTB 4 aus dem Jahre 1966. Der Gesamtwert der bei Frantz Classic Cars eingestellten Autos lässt sich nur sehr schwer abschätzen. Denn es gibt keinen eindeutigen Marktwert oder gar Listenpreis für alte Luxusgefährte - jedes Stück ist so viel wert, wie ein Käufer dafür bereit ist zu zahlen.
Klinik für Auto-Hypochonder
Der typische Kunde von Frantz Classic Cars ist über 50 Jahre alt, sehr wohlhabend – und vor allem voll Leidenschaft für sein(e) Auto(s). Das geht so weit, dass manche sofort zur Werkstatt fahren, wenn sie das leiseste ungewöhnliche Geräusch zu hören glauben. Diese „Auto-Hypochonder“ sind sogar fast enttäuscht, wenn sie nur ein paar hundert Euro zahlen, weil einfach nicht mehr zu reparieren ist.
Die allgegenwärtige Wirtschaftskrise ist dennoch zu spüren, wenn auch nur leicht: Einige Kunden trennen sich zwar nicht von ihren Autos, sie sind aber etwas zurückhaltender bei Reparaturen. Daher steht das ein oder andere Gefährt auch schon einige Monate unfertig in der Werkstatt. Mittelfristig kommen sie Frantz Classic Cars aber kaum aus. Denn Konkurrenz gibt es im Umkreis von ein paar hundert Kilometern keine wirkliche. Die Vertragshändler und -werkstätten der Nobelmarken beschränken sich auf die neuen Modelle und schicken Kunden mit älteren Fahrzeugen zu Frantz Classic Cars – in die Boxengasse der Chromjuwelen.
(Die Presse, Printausgabe, 28.11. 2009)

Frantz: Classic Cars
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