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Firmen knausern: Steuervorteil für Spenden wirkungslos

01.12.2009 | 07:14 |   (DiePresse.com)

Seit Anfang 2009 sind Spenden an sehr viele Organisationen steuerlich absetzbar - jedoch bisher ohne große Wirkung: In der Krise knausern Firmen bei der Wohltätigkeit. Privatpersonen spenden aber unverändert.

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Die Teuerung und die Finanzkrise haben die Spendenfreudigkeit der Österreicher im Herbst des Vorjahres getrübt. Viele Hilfsorganisationen verzeichneten kurzfristig einen massiven Einnahmenrückgang. Die mediale Diskussion und die Weihnachtszeit haben das Jahr 2008 aber letztlich gerettet. Statt eines befürchteten Rückgangs von bis zu 20 Prozent blieb das Spendenvolumen etwa auf dem selben Niveau wie 2007. Heuer verzeichnen die Organisationen ebenfalls eine Stagnation.

Weder Krise noch Steuervorteil wirken

Die 2009 eingeführte steuerliche Absetzbarkeit hat noch nicht wirklich durchgeschlagen, die Krise auch nicht. In Österreich, dem "Land der Kleinspender", sei der Steuerbonus keineswegs das Hauptmotiv für milde Gaben. "Die Leute spenden, weil ihnen das Leid der Kinder, der Tiere am Herzen liegt."  Einzig Firmen knausern ordentlich. Nach der Krise werde die Absetzbarkeit vor allem bei Firmen eine große Rolle spielen, glaubt Günther Lutschinger vom Fundraising Verband Austria. Unternehmen könnten schließlich nicht nur Geld-, sondern auch Sachspenden absetzen. Das bedeutet, dass jeder Euro, der für anerkannte Organisationen gespendet wird, den eigenen Betriebsgewinn (bei Privatpersonen: das steuerliche Einkommen) reduziert und damit auch die Berechnungsbasis für die Einkommensteuer.

Eine Liste der Organisationen, die das Finanzamt anerkennt, finden Sie hier. Vorsicht: Einige sind heuer während des Jahres aus der Liste gefallen, Spenden an sie sind eventuell nicht mehr begünstigt.

Nur ein Fünftel von Firmen

In Österreich kommen aber nur etwa 20 Prozent aller Spenden von Firmen. Die momentane Knausrigkeit ist nicht nur mit der jeweiligen wirtschaftlichen Lage zu erklären. Auch Unternehmen, denen es gutgeht, fahren ihre Wohltätigkeitsaktivitäten zurück, so Lutschinger. "Da liegt auch sehr viel in der Psychologie."

Bei der Spendenhöhe werde sich die Absetzbarkeit aber mittelfristig bemerkbar machen. Während die Österreicher derzeit 44 Euro pro Kopf wohltätigen Organisationen zukommen lassen, spendeten die Deutschen 64 und die Schweizer 71 Euro. In letzteren beiden Ländern seien alle Spenden seit Jahrzehnten absetzbar. In Österreich sind Gelder für Umwelt- und Tierschutzorganisationen ausgenommen, was noch immer für heftige Kritik sorgt. Heuer werde sich das Spendenvolumen in Österreich wieder auf etwa 350 Mio. Euro aufsummieren, glaubt Lutschinger.

Caritas braucht zehn Prozent mehr

Caritas-Präsident Franz Küberl hofft, dass sich in der Weihnachtszeit, in der weitaus am meisten gespendet wird, die Absetzbarkeit doch noch bemerkbar macht. "Wir haben mehr Geldbedarf denn je", so Küberl. Durch die Krise würden die Schwierigkeiten der Einzelnen immer größer. "Wir haben es mit Leuten zu tun, die mindestens drei Probleme haben", so Küberl. Die "Zwillinge" Armut und Krankheit gingen sehr oft mit Familienschwierigkeiten oder prekären Wohnsituationen einher. Um den steigenden Bedarf abdecken zu können, bräuchte die Caritas heuer etwa 10 Prozent mehr an Spenden. 2008 lukrierte die kirchliche Organisation rund 38,4 Mio. Euro.

Hinzu komme, "dass in mehr als einem Bundesland die Finanzen gehörig krachen". Das wirke sich "natürlich" auch auf die Sozialleistungen aus. Dabei wäre es in der Krise umso wichtiger, mehr Geld für die Armutsbekämpfung in die Hand zu nehmen. Genau das Gegenteil sei jedoch der Fall. Von den öffentlichen Sozialberatungsstellen "werden die Leute zuerst zu uns geschickt". Man müsse damit rechnen, "dass in den Bundesländern die Situation eher schlechter wird". Auch aus der Bundespolitik kämen nicht unbedingt die richtigen Signale, so Küberl in Anspielung auf die Mindestsicherung. "14 Auszahlungen im Jahr sind das Mindeste, damit die Leute überleben können", bekräftigte er. Sonst entstehe eine "staatlich produzierte Unterschicht".

Rotes Kreuz: Markenname hilft

Ähnlich die Situation beim Österreichischen Roten Kreuz (ÖRK), das heuer "erfreulicherweise keinen Rückgang zu verzeichnen" hat, wie Sprecherin Andrea Winter sagte. Auch 2008 seien die Spenden und Mitgliedsbeiträge in etwa auf dem gleichen Niveau wie im Jahr zuvor (2007: 45 Mio. Euro) geblieben. Winter führt dies auf den hohen Bekanntheitsgrad der Marke Rotes Kreuz und auf die Krisensolidarität zurück. Die Folgen Absetzbarkeit ließen sich noch nicht messen. Gleich wie die Caritas bemerkt auch das Rote Kreuz, dass immer mehr Menschen in Not sind. Die Zahl jener, die die sogenannte Spontanhilfe in Anspruch nehmen, könnte heuer um 300 auf 1.300 steigen.

Kinderdörfer: Firmen lassen aus

SOS Kinderdorf hat von 2007 auf 2008 einen leichten Rückgang verzeichnet, freut sich heuer bei den privaten Spenden und Patenschaften dafür über ein Plus von vier bis fünf  Prozent. "Im Bereich der Firmen sieht es anders aus", sagte die Fundraising-Verantwortliche Tara Geltner. Hier hat SOS Kinderdorf mit einem 20-prozentigen Einbruch zu kämpfen. Auch wenn von den Firmen nur ein Zehntel der Spenden komme (rund 1 bis 1,5 Mio. Euro im Jahr), "tut das weh".

Ärzte ohne Grenzen fehlen Großspender

Für Ärzte ohne Grenzen war die Zurückhaltung der Großspender 2008 "sehr dramatisch", so eine Sprecherin. Im Vorjahr verzeichnete die Organisation erstmals seit langem eine Stagnation, für heuer rechnet man wieder mit einem leichten Anstieg des Spendenvolumens. Bei den Unterstützungen von Unternehmen entspanne sich die Situation langsam wieder. Die Absetzbarkeit haben sich Ärzte-ohne-Grenzen-Spender offenbar zunutze gemacht. "Verhältnismäßig haben heuer mehr Menschen mehr in den ersten Monaten gespendet."

Hilfswerk: Steuerbonus egal

Auch für Unterstützer des Hilfswerks dürfte der Steuerbonus ein Thema sein. "Es gibt einige, die Bestätigungen verlangen", so Hilfswerk-Präsident Othmar Karas. Ob heuer dann tatsächlich mehr gespendet wird, lasse sich noch nicht abschätzen. Er hofft aber, dass die Möglichkeit der Mehrspende bis Jahresende wahrgenommen wird. Bei den einzelnen Landesverbänden des Hilfswerks ist das Bild heuer uneinheitlich, manche hätten ein bisschen mehr, manche ein bisschen weniger eingenommen. Tendenziell sei aber "kein Einbruch zu spüren".

Irritationen bei WWF-Spendern

Der WWF hat bei den Spenden im Vorjahr "keinen Rückgang gemerkt, der der Krise zuzurechnen ist", so der stellvertretende Geschäftsführer Gerhard Pock. Allerdings habe die Beschränkung der Absetzbarkeit für "Irritationen" gesorgt. Bei den privaten Spenden, die etwa 6 Mio. Euro jährlich ausmachen, sei im laufenden Finanzjahr deswegen ein "ganz schwacher Rückgang zu verzeichnen". Im Firmenbereich ist der WWF hingegen mit einem 10-prozentigen Minus konfrontiert. "Viele Firmen haben ihre Marketingbudgets auf 'Hold' gesetzt, um abzuwarten, wie sich die Krise entwickelt", so Pock.

Greenpeace im Budgetplan

Im Budgetplan liegt auch Greenpeace. Die Umweltschutzorganisation bekommt den Großteil ihrer Spenden von Vertragszahlern. Von diesen lukrierte Greenpeace 2008 rund 6,6 Mio. Euro, von privaten Einzelspendern kamen etwa 1,17 Mio. Euro. Die Krise merkt die Organisation noch nicht, weil man einen Spendenvertrag "nicht so beiläufig" kündige, sagte Sprecher Attila Cerman. Würde die Rezession weitergehen, sei ein Minus allerdings nicht auszuschließen. Die fehlende Absetzbarkeit "nervt" einige Unterstützer. Wie beim WWF hätten aber auch bei Greenpeace einige "jetzt erst recht" gespendet.

 

(APA/Red.)

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5 Kommentare
Gast: ET
01.12.2009 09:15
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Firmen knausern!?

Das ist eine sehr absurde Darstellung!

Etwa die Hälfte der Unternehmen in Österreich hat schon ein Eigenkapital von knapp 0%.
Diese Unternehmen leisteten, und leisten, aber immer noch die meisten Abgaben zur Aufrechterhaltung des "Staates". In Summe liefern die Unternehmen Riesenbeträge an den Statt ab. Immerhin werden die USt, die SV Beiträge, die Einkommenssteuern auch der der Mitarbeiter, die Personalnebenkosten, die KÖST von den Unternehmen berechnet und abgeführt. Die Unternehmer leisten also Enormes an Sozialabgaben. Warum sollen diese dann noch zusätzlich für private Organisationen spenden, nur um das Versagen des öffentlichen Dienstes auszugleichen. Es kann doch nicht sein, dass wir 2 Organisationen bezahlen müssen, 1 davon sich aber aus der Verantwortung stiehlt.

Die Unternehmen sind ausgesaugt und haben sehr oft nichts mehr. Das gilt genauso für die Privatbeschäftigten, welche mit fallenden Realeinkommen konfrontiert sind.

Bei dieser Ausgangslage von knausern zu sprechen ist eine Verhöhnung der Unternehmer.

hw
01.12.2009 12:15
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Re: Firmen knausern!?

in zeiten wie diesen zu spenden, und damit das unternehmen gefährden wäre zudem fahrlässig.
weiters kann man es gegenüber den mitarbeitern, welche oft gerade auf 15% verzichtet haben, kaum erklären.

und schließlich spart man ja nichts wenn man spendet! spenden ist für unternehmen reines marketing, und das budget wird am leichtesten gekürzt.

Gast: ceterum censeo
01.12.2009 09:10
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Genau schauen,

an wen man spendet. Keinen Cent für volksfeindliche Organisationen!

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Re: Genau schauen,

Wer bleibt denn dann übrig? Die Klima- und Multikulti-Geschäftemacher haben ja schon fast überall ihre Klauen drinnen...

Gast: No big spender
01.12.2009 07:47
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Spenden sie nicht!

Und schon gar nicht den ganzen NGO`s! Und wenn schicken sie das Geld doch gleich an die Grünossen oder diverse Multikultis.......dann braucht die Marie keinen Umweg machen...