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Über Stickoxide reden wir, messen sie aber nicht

Die Importeure überbieten sich mit Umweltprämien – doch was bringen sie?

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Themenbild Abgase – APA/dpa/Jan Woitas

Am 1. September sind sie losgerollt, die Öko-, Umwelt- und sonst wie benannten Programme der Importeure, als unmittelbare Folge des Dieselgipfels, den Minister Leichtfried Mitte August einberufen hat.

Die Salzburger Porscheholding als Importeur aller Marken des Volkswagenkonzerns gewann den Ampelstart und legte gleich nach dem Gipfel los – als Einzige mit einer Verschrottungsprämie für Dieselautos (aller Marken) der Abgasnorm Euro 4 oder darunter.

Alle anderen Importeure nutzen den medialen Windschatten mit Programmen, die im Grunde banale Umstiegs- und Eintauschprämien sind, wie sie zum Repertoire der Verkaufsförderung gehören. Denn die eingetauschten Autos, jene „alten Dieselstinker“, die Minister Leichtfried so gern von der Straße hätte, gehen nicht in die Schrottpresse (was da und dort auch unwirtschaftlich sein mag), sondern in den Besitz der Händler über, die damit tun können, was sie wollen: zum Beispiel wiederverkaufen.

Das müssen gar nicht die berüchtigten Ostexporte sein, in Länder, in denen alles gefahren wird, was sich noch starten lässt – auch bei uns gibt es einen Markt für billige Autos, die etwa von kleinen Gewerbetreibenden gern genutzt werden. Man kann sich ausrechnen, welche Kilometerleistungen im kleinkommerziellen Bereich da noch zusammenkommen können.

Bei den freiwilligen Softwareupdates, die angeboten werden, stellt sich ebenfalls die Frage: Was bringt's? Alles kann behauptet werden, nichts ist jedoch verbindlich – und nichts wird kontrolliert. Damit sind wir beim Kernpunkt nicht nur des Dieselgipfels, sondern der gesamten Abgasproblematik: Wir reden viel über Stickoxide, messen sie aber nicht. Dabei gäbe es ein europaweites Instrument dafür: die jährliche Begutachtung, bei uns gemäß Paragraf 57a, im Volksmund Pickerl genannt.

Mittels eines leicht realisierbaren Updates könnte man dabei auch die Emissionen von Stickoxiden überprüfen, was derzeit nicht geschieht. Gerade Diesel können an Luftschadstoffen emittieren, was sie wollen, lediglich der Rußausstoß wird grob gemessen. Das könnte man auch dem Rauchfangkehrer überantworten.

Wenn es diesem Ministerium wirklich darum geht, die Luftsituation vor allem in den Städten zu verbessern, dann muss es auf eine Reform der Begutachtung drängen. Die technischen Lösungen liegen bereit, etwa in Spazierdistanz vom Verkehrsministerium, bei der TU Wien.

Gäbe es diese Kontrolle, wäre kein Hersteller je versucht gewesen, zu tricksen oder betrügen. So aber wird das unwürdige Schauspiel weitergehen: Der eine Hersteller baut saubere Dieselmotoren, der andere spart bei der Abgasreinigung (die Unterschiede bei den Stickoxiden können leicht das Zehnfache betragen), der eine manipuliert im Nachhinein, der andere nicht. Wir wissen es nicht, weil wir nicht nachschauen.

E-Mails: timo.voelker@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.09.2017)

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