Land der frühen Pensionisten

Im internationalen Vergleich hat Österreich viel Reformbedarf.

„Man kann sagen, dass Österreich ziemlich großzügig ist.“ Mit diesen Worten umschrieb OECD-Vizegeneralsekretär Rintarō Tamaki unlängst in einem Interview mit der „Presse“ das heimische Pensionssystem. Untermauert wurde diese Aussage mit zwei Fakten: Erstens liegt die Nettoersatzrate in Österreich bei 91,6 Prozent. Der Schnitt über alle Mitglieder der Industrieländerorganisation beträgt indes nur 63 Prozent. Das bedeutet, dass Pensionisten hierzulande netto 91,6 Prozent ihres Letztgehaltes als Pension beziehen. Grund dafür sind unter anderem die geringeren Sozialbeiträge, die auf Pensionen entfallen, sodass die Ersatzrate netto deutlich höher ausfällt als brutto.

Hinzu kommt laut Tamaki, dass Österreich auch beim Pensionsantrittsalter wesentlich „großzügiger“ als andere Nationen ist. Während viele europäische Länder wie Deutschland, Italien, Irland, die Niederlande oder Spanien in der Vergangenheit bereits Reformen beschlossen haben, die das gesetzliche Pensionsantrittsalter auf 67 oder noch höher hinaufschrauben, ist das Alter von 65 in Österreich nach wie vor politisch sakrosankt. Sogar die Angleichung des Antrittalters von Frauen auf diesen Wert wird bis zum Jahr 2033 dauern. Erst dann wird die Reform endgültig umgesetzt sein, die bereits im Jahr 1992 beschlossen wurde. Dieses Beispiel zeigt auch gut, wie frühzeitig in das Pensionssystem eingegriffen werden muss, damit es zu wirklichen Änderungen kommen kann.

Hohe Ausgaben. Auf der Leistungsseite gibt es nämlich ständig eine Veränderung – durch die steigende Lebenserwartung. Hatte 1970 ein 60-Jähriger eine Restlebenserwartung von 15 Jahren, so sind es heute beinahe 22 Jahre. Eine schöne Entwicklung, die sich beim Pensionsantritt allerdings nicht widerspiegelt. So gingen die Menschen vor 47 Jahren mit etwas über 61 Jahren in Pension, heute liegt das Alter – nicht zuletzt aufgrund der Pensionsreform von 2003 – wieder auf etwa diesem Wert. Dazwischen war es jedoch sogar auf 58 gesunken. Das sorgt dafür, dass die Ausgaben für Pensionen in Österreich stetig steigen. In Summe gibt das Land 13,2 Prozent des BIPs dafür aus, der OECD-Schnitt liegt bei 8,7 Prozent.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.09.2017)

Die Presse - Testabo

Testen Sie jetzt „Die Presse“ und „Die Presse am Sonntag“ sowie das „Presse“-ePaper und sämtliche digitale premium‑Inhalte 3 Wochen kostenlos und unverbindlich.

Jetzt 3 Wochen testen
Meistgelesen
    Kommentar zu Artikel:

    Land der frühen Pensionisten

    Schließen

    Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
    Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.