Wien. Für die Finanzmarktaufsicht (FMA) und die Nationalbank (OeNB) gibt es keinen Weihnachtsfrieden: Am Montag müssen sich die FMA-Chefs Kurt Pribil und Helmut Ettl sowie Nationalbank-Chef Ewald Nowotny im Parlament wegen des Debakels bei der Kärntner Hypo verantworten. Die Opposition schießt sich auf die Bankenkontrolleure ein. „In Österreich rückt die Finanzfeuerwehr immer erst aus, nachdem Haus und Hof bereits abgebrannt sind“, kritisiert Werner Kogler, Finanzsprecher der Grünen. In Kärnten wird dazu ein Untersuchungsausschuss eingesetzt. Noch ist der Gesamtschaden für den Steuerzahler nicht absehbar, doch die Kärntner Hypo hat gute Chancen, die Bawag als größten Wirtschaftsskandal in der Geschichte Österreichs abzulösen. Auch in Osteuropa wird Kritik an der österreichischen Bankenaufsicht laut. In Serbien beklagt die dortige Notenbank, dass die Hypo die strengen Gesetze durch grenzüberschreitende Geschäften umgangen hat. Um eine ungezügelte Kreditvergabe zu verhindern, haben viele osteuropäische Länder wie Serbien und Kroatien vor der Finanzkrise strenge Regeln eingeführt.
Notenbank gab im Sommer Entwarnung
Die Hypo umging diese Hürde, indem sie Großkredite nicht über die lokalen Tochterbanken, sondern von Österreich aus vergeben hat. Obwohl die osteuropäischen Aufsichtsbehörden in den vergangenen zwei bis drei Jahren zahlreiche Anzeichen für Ungereimtheiten orteten, gaben in Österreich Finanzmarktaufsicht und Nationalbank (OeNB) meist Entwarnung:
•Im Sommer 2009 erklärte die OeNB, dass alle sechs österreichischen Großbanken (die „Big Six“) einen besonders strengen Stresstest bestanden hätten. Trotz mehrmaligen Nachfragens wurde auch der Hypo Group ein gutes Zeugnis ausgestellt.
•Am 24.Juli 2009 erklärte Finanzminister Josef Pröll (ÖVP) in einer parlamentarischen Anfrage, er gehe davon aus, dass die Hypo Group die Zinsen für das Staatsgeld „regelmäßig bedienen kann“. Pröll bezog sich dabei auf die Angaben der Nationalbank.
•Im Dezember 2008 stufte die OeNB die BayernLB-Tochter als „non stressed“ (nicht notleidend) ein, obwohl die Hypo schon damals tief in die Verlustzone gerutscht ist. „Nach den Verlusten 2007 und 2008, in denen vor allem ein Bereinigungsprozess im Kreditportfolio vorgenommen wurde, plant die Bank für 2009 und Folgejahre Gewinne“, hieß es in dem Prüfbericht. Die kurzfristige wie mittelfristige Liquiditätssituation wurde als zufriedenstellend dargestellt. Daher sei die Staatshilfe von 900Mio. Euro gerechtfertigt, so die OeNB.
Neun schwere Gesetzesverstöße
Die positiven Stellungnahmen überraschen, denn 2007 nahmen OeNB und Finanzmarktaufsicht monatelang diverse Geschäfte des Instituts unter die Lupe. Entdeckt wurden neun schwere Gesetzesverletzungen. Wie die unterdotierte Eigenmittelausstattung, ein Klumpenrisiko bei Großveranlagungen, fehlendes Risikomanagement und fehlende Sorgfaltspflichten bezüglich Geldwäsche. Kritisiert wurden außerdem Falschmeldungen zu den Eigenmitteln und fehlende Großkreditmitteilungen. Beobachter orten Parallelen zum Bawag-Skandal. Auch damals ist ein kritischer Prüfbericht in der Schublade verschwunden.
Finanzmarktaufsicht wehrt sich
Die Finanzmarktaufsicht weist den Vorwurf früherer Versäumnisse zurück. Seit Jahren sei die Bank durch die Behörde „massiv unter Beobachtung“ gestanden, man habe dort verschiedene Maßnahmen gesetzt und beispielsweise den Vorstand ausgetauscht, rechtfertigt sich FMA-Vorstand Ettl.
In der Hypo seien „Risken geschlummert“, etwa am Balkan, die „gut versteckt“ gewesen seien und erst durch das vor einem halben Jahr gestartete Asset Screening an die Oberfläche gekommen seien.
Dem Vernehmen nach hat die Hypo einen Großteil der riskanten Geschäfte in osteuropäische Leasingtöchter ausgelagert. Rein rechtlich ist es der Aufsicht nicht möglich, die Geschäfte einer osteuropäischen Leasinggesellschaft zu prüfen. Denn dafür sind Notenbank und Finanzmarktaufsicht nicht zuständig. Dieses Schlupfloch hat das Klagenfurter Institut ausgenutzt.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.12.2009)
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