Wettbewerbsfähigkeit: Steuersystem als Standortnachteil

Österreich kann im Ranking des World Economic Forum zwar einen Platz zulegen. Kritik gibt es jedoch für die Bürokratie und die zu hohe Steuerlast.

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Wien. Um einen Platz hat sich Österreich im aktuellen Ranking der Wettbewerbsfähigkeit des World Economic Forum (WEF) verbessert. Statt auf dem 19. Rang wie im Vorjahr belegt Österreich nun den 18. Platz von in Summe 137 verglichenen Ländern. Ein gutes Ergebnis, das mit einem Blick über die westliche Landesgrenze allerdings wieder relativiert wird. So landet Österreichs Nachbarland Schweiz erneut auf Platz eins – zum neunten Mal hintereinander. Auf den Plätzen folgen die USA und Singapur, die heuer die Positionen getauscht haben. Danach kommen wie im Vorjahr die Niederlande und Deutschland, gefolgt von Hong Kong, Schweden, Großbritannien, Japan und Finnland.

In Summe ist Österreichs Wertung also durchaus zufriedenstellend. Man ist Teil jener Riege mittel- und nordeuropäischer Länder, die einen Großteil der Top-20 ausmachen. Ein Blick auf die Detailergebnisse zeigt allerdings, dass es neben sehr guten Bereichen auch Kriterien gibt, in denen Österreich ordentliches Aufholpotenzial hat.

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Gute Straßen, ineffiziente Politiker

Die stärkste Wertung erhält Österreich in jenen Kategorien, die im Bereich „Wirtschaftliche Reife“ zusammengefasst werden. Grund dafür sind etwa die vielen und vor allem sehr guten heimischen Zulieferer (3. Rang bei der Zuliefererqualität). Ebenfalls gut bewertet wird vom WEF die österreichische Infrastruktur. Sowohl die Straßen als auch die Schienen sind auf gutem Niveau. Das gilt auch für den Mobilfunk und die Energieversorgung. Und auch der Staat kann sich in einigen Teilbereichen gute Noten abholen: So wird die Rechtssicherheit gelobt und die Kriminalität als niedrig empfunden.

Der Staat ist es auf der anderen Seite aber auch, der für die schwächsten Ergebnisse in einigen Kategorien sorgt. So wird etwa der „Effizienz von staatlichen Ausgaben“ nur der 92. Gesamtrang beschienen. Noch schlimmer sieht es allerdings beim Thema Steuern aus. Beim Punkt „Anreize des Steuersystems für Investitionen“, erlangt Österreich nur den 120. Platz, beim Punkt „Anreize des Steuersystems zu arbeiten“ gar nur den 130. Von in Summe 137 Ländern wohlgemerkt. Österreich ist damit auf einem Niveau, auf dem sich im Gesamtranking Länder wie Mali, Venezuela oder Sierra Leone tummeln.

So werden bei den größten Problemfeldern für wirtschaftliche Aktivitäten in Österreich auch drei Punkte genannt, die direkt von der heimischen Politik zu beeinflussen wären: die zu restriktiven Arbeitsgesetze, die überbordende staatliche Bürokratie und die zu hohen Steuern. Nicht zuletzt angesichts der bevorstehenden Nationalratswahl ein Ergebnis, das zum Nachdenken anregen sollte.

Im Gesamtranking blieben die meisten Nationen in etwa auf ihrem Niveau des Vorjahres. Nur einige größere Veränderungen sind auffällig. So konnte sich Israel deutlich verbessern, und sprang direkt von Platz 24 auf Platz 16. Dass es aber auch in die Gegenrichtung schnell gehen kann, zeigt das Beispiel Südafrika. Das Land, das zwar über hohes wirtschaftliches Potenzial verfügt, aber unter schlechten politischen Verhältnissen leidet, rutschte vom 47. auf den 61. Platz ab.

In Europa bleibt nach wie vor ein starkes Nord-Süd-Gefälle bestehen. Mit Spanien findet sich das erste Land des europäischen „Club Med“ an 34. Stelle – und somit beispielsweise bereits hinter China (27.). Auch Portugal (42.) und Italien haben sich nur geringfügig verbessert. Griechenland bleibt an 87. Stelle und damit das Wettbewerbs-Sorgenkind der Europäischen Union – von europäischen Ländern ist nur Bosnien u. Herzegowina noch schwächer (107.).

In ihrer Gesamtanalyse meinen die Autoren des knapp 400-Seiten-starken Berichts, dass auch zehn Jahre nach dem Ausbruch der Finanzkrise die meisten Volkswirtschaften schlecht auf neue Risiken und vor allem den nächsten Innovations- und Automatisierungsschub vorbereitet seien. „Politiker und Entscheidungsträger versagen auf breiter Front, wenn es darum geht, Reformen für mehr Wettbewerbsfähigkeit und dringend benötigte Produktivitätssteigerungen einzuleiten“, so das WEF.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.09.2017)

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