Konferenz soll Nutella-Konflikt lösen

Kommende Woche tagen osteuropäische Staaten mit der EU-Kommission, um Gleichberechtigung bei der Qualität von Lebensmittel zu erreichen.

Ein Glas Nutella
Schließen
Ein Glas Nutella
Ein Glas Nutella – (c) Clemens Fabry

Bratislava/Wien. Über Jahre wurde in Brüssel darüber geschmunzelt, jetzt wird der sogenannte Nutella-Konflikt Thema einer hochrangigen Konferenz kommende Woche in Bratislava. An ihr werden Regierungsvertreter, EU-Parlamentarier und die für Verbraucherschutz zuständige EU-Kommissarin Vera Jourova teilnehmen. Neun mittel- und osteuropäische Länder haben bereits im Vorfeld Studien ausgetauscht, die belegen, dass ihre Bevölkerung von westlichen Lebensmittelkonzernen mit schlechterer Qualität beliefert wurde.

„Es darf in der Europäischen Union keine Bürger zweiter Klasse geben“, forderte die slowakische Agrarministerin Gabriela Matečna bei dem vorbereitenden Treffen am Dienstag dieser Woche. Die osteuropäischen Politiker werfen großen Lebensmittellieferanten vor, sie würden billiger hergestellte Produkte liefern. Entzündet hat sich der Streit unter anderem an Nutella, das nach dem Eindruck vieler Konsumenten in Osteuropa weniger cremig schmeckte als jenseits der Grenze etwa in Österreich oder Deutschland.

Zwar wurden tatsächlich Fälle publik, bei denen unterschiedliche Inhaltsstoffe oder weniger Fisch- und Fleischanteil bei Produkten in osteuropäischen Ländern gefunden wurde. Einige Hersteller haben bereis reagiert. So hat etwa der Keksproduzent Bahlsen in seine Butterkeks nun Butter statt bisher Palmöl gemischt. Einige Anschuldigungen stellten sich aber auch als falsch oder übertrieben heraus. Unter anderem wurde behauptet, dass Mannerschnitten in Prag weniger gut als in Wien schmeckten. Manner hat dies nicht nur dementiert, sondern Vertreter der Visegrád-Ländern eingeladen, sich die einheitliche Produktion anzusehen, um den Vorwurf zu entkräften.

Ein Grund für die in einigen Fällen tatsächlich unterschiedliche Qualität dürfte mit der Preisgestaltung zusammenhängen. Viele Lebensmittelunternehmen haben versucht, den osteuropäischen Markt zu erobern, konnten dort nach der Wende aber nicht die gleichen Preise verlangen. In Folge wurde versucht, die Produkte günstiger herzustellen. Mit zunehmenden Wohlstand in diesen Ländern wurden die Rezepturen aber nicht verändert. Nun wird nachgebessert, aber dies dürfte auch zu höheren Preisen führen. (ag./wb)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.10.2017)

Die Presse - Testabo

Testen Sie jetzt „Die Presse“ und „Die Presse am Sonntag“ sowie das „Presse“-ePaper und sämtliche digitale premium‑Inhalte 3 Wochen kostenlos und unverbindlich.

Jetzt 3 Wochen testen
Meistgelesen
    Kommentar zu Artikel:

    Konferenz soll Nutella-Konflikt lösen

    Schließen

    Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
    Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.